Mit einem Klick zum besten Mann

28. August 2009, 19:41
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Viele private Bauausschreibungen werden über sogenannte Handwerkerbörsen vergeben. Die Benützung der Online-Portale ist einfach und übersichtlich

Mit dem Beginn der Bausaison startet das große Rennen um die billigsten und zuverlässigsten Handwerker. Nach Auskunft der KMU Forschung Austria wurden in den österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetrieben allein letztes Jahr rund 68 Milliarden Euro umgesetzt. Etwa die Hälfte aller Aufträge stammt von privaten Bauherren. Bloß wie findet man sich in diesem handwerklichen Dschungel zurecht?

Eine Möglichkeit ist das Internet. 2004 ging in Österreich die erste virtuelle Handwerkerbörse in Betrieb. Während die Registrierung für die handwerklichen Betriebe je nach Anbieter relativ aufwändig ist, stellt sich die Benützung für Privatkunden als einfaches Spiel dar. Wer auf der Suche nach dem passenden Fliesenleger, Anstreicher oder Baumeister ist, kann sich mit einem einfachen Mausklick registrieren lassen und seine Ausschreibung online stellen. Häufig werden auch professionelle Übersiedelungen angefragt.

Je mehr Details, desto besser

"Der Vorteil einer Online-Handwerkerbörse ist, dass der Kunde viel Zeit und viel Rennerei spart", sagt Gerolf Scherr, Geschäftsführer von gutgemacht.at. "Man muss die Anfrage lediglich ins Netz stellen. Ein paar Tage später trudeln in der Regel die ersten Handwerkerangebote herein." Aus Erfahrung empfiehlt Scherr: "Je genauer und detaillierter der Text, desto leichter können die Betriebe darauf reagieren." Bei Bedarf bietet gut gemacht.at auch Hausbesuche an, in deren Rahmen der Ausschreibungstext objektiv aufgesetzt wird. Je nach Aufwand kostet ein solcher Service 100 Euro aufwärts.

Auch Roland Walli, Country Manager Österreich bei MyHam mer.at, bestätigt: "Manche Leute stellen ins Netz, dass sie ihre Wohnung ausmalen lassen wollen. Kein Wort mehr. Und dann wundern sie sich, dass kein einziger Handwerker auf ihre Anfrage reagiert." Wer fix mit einem Anbot rechnen will, der müsse sein Begehren daher mit allen nötigen Infos bezüglich Art und Weise, Größe und Menge sowie genauen Angaben zu Wohnumfeld und Lieferbedingungen ausformulieren.

Bleibt zu klären, wie sich die Seriosität und Qualität eines Betriebes überprüfen lässt. Auf einigen Online-Portalen gibt es bereits eigene Bewertungskriterien, die frühere Kunden mittels Schulnotensystem und Kommentaren gepostet haben. Eine zusätzliche Meinung kann über die Homepage meinbau profi.at eingeholt werden. Rund 350 österreichische Betriebe beziehungsweise solche, die auch hierzulande tätig sind, sind darin erfasst und bewertet.

Gewerbeschein verlangen

Ein nicht unwesentlicher Punkt betrifft die gewerberechtliche Lizenz der Betriebe. "Wir sind zwar eine verhältnismäßig kleine Plattform, aber dafür listen wir ausschließlich handwerkliche Betriebe mit einer entsprechenden aufrechten Befugnis auf", sagt Thomas Huber, Geschäftsführer von eda gobert.at. "Die Sache ist ganz einfach: Ohne Gewerbeschein kein Eintrag." Anders sieht es etwa bei der Online-Börse goldeneshand werk.at aus: "Die Handwerker können bei uns einen Gewerbeschein hinterlegen, wenn sie wollen, aber das ist nicht verpflichtend", erklärt Geschäftsführer Werner Bartke.

Generell gilt: Je umfangreicher die virtuellen Börsen sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch Pfuscher registriert sind. Zwischen 100 und 700 registrierte Betriebe umfassen die kleineren Portale, auf beachtliche 9500, in Österreich tätige Handwerker bringt es der Marktführer MyHam mer.at. Da die jeweiligen Handwerker ihren Gewerbeschein erst innerhalb von zwei Wochen nach Registrierung nachreichen müssen, gibt es - wie bei einigen anderen Auktionsbörsen auch - die Möglichkeit, dass man immer wieder auf Schwarzarbeiter trifft. Wer kein Risiko eingehen will, sollte vor einer etwaigen Auftragsvergabe daher die Vorlage eines Gewerbescheins und einer Haftpflichtversicherung verlangen.  (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.8.2009)

  • Handwerkerbörsen sind ein effizientes Tool. Die Qualität der Betriebe sollte vor Auftragserteilung aber genau überprüft werden.
    collage: standard/druml

    Handwerkerbörsen sind ein effizientes Tool. Die Qualität der Betriebe sollte vor Auftragserteilung aber genau überprüft werden.

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