Die lange Nacht der Bäcker
Schön langsam kehrt das Bewusstsein für Brot als wertvolles Lebensmittel zurück, das zum Werden Zeit braucht, Hingabe und Expertise. Klar: Auch Tiefkühl-Teiglinge aus fixfertigen Backmischungen sehen irgendwie nach Brot aus, wenn sie "frisch" aus dem Heißluft-Ofen im Supermarkt-Backshop geholt werden. Nur: Da machen Triebmittel und chemische Helferlein jene Arbeit, die sonst dem Bäcker und seinem selbst kultivierten Sauerteig anheimfällt - weshalb Industrieerzeugnisse binnen kürzester Zeit wie Karton (oder ärger) schmecken. Wie anders ist Brot aus Bäckerhand beschaffen, das nicht bloß am ersten Tag genießbar ist, sondern im besten Falle (Roggenbrot!) von Tag zu Tag neue Nuancen entwickelt und immer besser schmeckt.
Was die Arbeit des Bäckers beinhaltet, warum sie nur in der Nacht erledigt werden kann, weshalb es in einer Bäckerei immer so unwiderstehlich gut riecht - diesen und anderen Fragen kann man in der Nacht von 4. auf 5. September in Bäckereien in ganz Niederösterreich auf den Grund gehen, wenn die Lange Nacht der Bäcker steigt. Dass so eine Veranstaltung ausgerechnet in Niederösterreich stattfindet, ist wohl kein Zufall: Mit Erich Kasses (Thaya) und Denise Pölzelbauer (Brunn/Pitten) stammen gleich zwei der drei offiziell besten Bäcker Österreichs von dort. (corti/Der Standard, Printausgabe 29.08.2009)