Kinderbetreuung zwischen Wien und Barcelona

28. August 2009, 18:31
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Von ganz gratis bis fast ganz kostenpflichtig: Wie die Länder die Betreuung handhaben

Auch wenn das Versprechen Gratiskindergarten für alle in Wien nicht eingelöst werden konnte: Die Betreuungssituation ist in der Hauptstadt eindeutig besser als anderswo. Vor allem in schwarz regierten Ländern ist die (Ganztags-)Betreuung nahezu überall kostenpflichtig. In Niederösterreich, das für Kinder ab zweieinhalb Jahren Gratis-Halbtagsplätze anbietet, soll der Nachmittag weiterhin etwas kosten. In Vorarlberg und Tirol ist das letzte Kindergartenjahr (halbtags) gratis. Ausnahme unter den VP-Ländern ist Oberösterreich, wo in wenigen Wochen gewählt wird: Ab dem 1. September ist die Betreuung ab zweieinhalb ganztags gratis.

Schlusslicht Salzburg

Selbes gilt für das Burgenland, drei Gratis-Kindergartenjahre offeriert die Steiermark. "Schlusslicht" unter den rot regierten Ländern ist Salzburg, dort ist ab Herbst das letzte Kindergartenjahr in öffentlichen Einrichtungen halbtags gratis. Bis 2014 soll es den beitragsfreien Kindergarten auch für die Kleineren geben, heißt es seitens der Landesregierung. Im orangen Kärnten ist der Kindergartenbesuch für Fünfjährige kostenlos und ab 2008 auch verpflichtet.

Auch die Anzahl der Schließtage der Kindergärten variiert stark. Während des Sommers sind es durchschnittlich vier Wochen, jede fünfte der österreichweit rund 8000 Betreuungseinrichtungen verzichtet überhaupt auf eine Pause in den Ferien. In Wien gibt es mit fünf Tagen die kürzesten "Sommerferien" . Dahinter kommen Niederösterreich (18 Tage), Salzburg (20 Tage), Kärnten (23), Burgenland und Oberösterreich (24), Vorarlberg (24) und Tirol (32).

Schlusslicht ist die Steiermark, wo die Kindergärten im Sommer durchschnittlich 38 Tage zumachen. Über das ganze Jahr sind es dort 54 Tage, was ebenfalls den letzten Platz im Österreich-Vergleich bedeutet. Den führt wiederum Wien mit durchschnittlich neun Schließtagen an.

Weit weg vom EU-Ziel

Besonders prekär ist die Situation in Österreich bei den unter Dreijährigen. Bis 2010, so lautet das sogenannte Barcelona-Ziel der Europäischen Union, soll es für jedes dritte Kind unter drei einen Betreuungsplatz geben. Wien erfüllt laut einer Erhebung der Grünen mit 23 Prozent als einziges Land annähernd die Quote. Schlusslicht ist die Steiermark mit 5,6 Prozent, der Österreich-Schnitt liegt bei 11,7 Prozent. Bleibt es bei dem derzeitigen Ausbautempo, werde Österreich das Barcelona-Ziel erst 2028 erreichen, haben die Grünen errechnet. (hei/DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. August 2009)

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