"Eindimensionales Denken reicht nicht aus"

28. August 2009, 18:30
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Die Wirtschaftsmacht der Frauen in ihren vielen Alltagswelten sieht die Boston Consulting Group (BCG) noch viel zu wenig erkannt und bedient. „Women Want More" will Unternehmen inspirieren und anleiten

Eine der größten Veränderungen des 21. Jahrhunderts sei das Entstehen einer weiblichen Ökonomie, einer stark wachsenden Wirtschaftskraft der Frauen, sagen die Berater der Boston Consulting Group und sehen darin gleichzeitig einen noch weitgehend nicht erkannten und „bedienten" Trend auf den globalen Märkten: Frauen die nicht nur Finanzierungsentscheidungen treffen, sondern auch in zunehmender Zahl über Erwerbseinkommen verfügen.
Demnach sind Frauen global für rund 70 Prozent aller Konsumausgaben verantwortlich, geben derzeit rund zwölf Billionen Dollar jährlich aus und werden, so die BCG, in drei Jahren diese Ausgaben auf etwa 15 Bio. Dollar gesteigert haben. Berufstätig sind laut BCG derzeit eine Milliarde Frauen, 2014 werden es dann 1,2 Mrd. sein - 70 Prozent der errechneten Zunahme der Haushaltseinkommen werden im selben Zeitraum von den Frauen kommen.

Jede zweite Frau, ergibt eine aktuelle Online-Befragung von 12.000 Frauen in 22 Ländern, empfindet als größte Herausforderung Zeitknappheit plus Managen des Haushaltes und der Finanzen. Lange Arbeitstage, multiple Rollenanforderungen, eine Menge Konfliktpotenzial zwischen Beruf, Familie und Haushalt prägen laut diesen Ergebnissen das Lebensgefühl der Frauen. "Nicht alles im Griff haben" und „Stress" sind zwei Schlagworte aus den Ergebnissen.

Alltagsrealitäten

Für Antonella Mei-Pochtler, Partnerin in der BCG, liefern diese Ergebnisse sehr deutliche Hinweise auf die Wachstumsmärkte der Zukunft: "Angebote entwickeln, die der Alltagsrealität von Frauen Rechnung tragen", sagt sie - dies sei von Unternehmen viel zu wenig erkannt. Mei-Pochtler: „Frauen leben längst in mehreren Welten gleichzeitig und brauchen Angebote, die ihre psychischen und physischen Belastungen effektiv mindern". Lebensmittel-, Bekleidungs- und Kosmetikindustrie attestieren Frauen, ihren Bedürfnissen schon sehr nahe zu kommen. Automobilindustrie, Banken und Versicherungen enttäuschen laut Befragung da immerhin jede zweite Frau.

Mei-Pochtler formuliert etwas schärfer: „Werte, Wünsche und Aktivitäten des Alltagslebens müssen gesehen werden. Eindimensionales Denken und schlichte Steigerungslogik führen in einer zunehmend von weiblichen Konsum-entscheidungen geprägten Wirtschaftswelt erneut in eine männlich geprägte Krise." Ihr Kollege Michael J. Silverstein bringt dazu jetzt ein Buch heraus. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.8.2009)

Buchtipp

M. J. Silverstein „Women Want More:
How to Capture Your Share of the World's Largest, Fastet-Growing Market",
HarperBusiness September 2009.

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