Unfassbare Größen

28. August 2009, 18:27
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Und wieder einmal ist man geneigt zu seufzen: Wie unfassbar schnell doch die Zeit vergeht! Vera Russwurm 50, Dagmar Koller 70 - Gipfelsiege, an denen die Branche nicht vorbeikonnte

Und wieder einmal ist man geneigt zu seufzen: Wie unfassbar schnell doch die Zeit vergeht! Vera Russwurm 50, Dagmar Koller 70 - Gipfelsiege, an denen die Branche nicht vorbeikonnte, galt es doch so vieles zu klären und erklären. Etwa Mathematisches, wenn Wiens First Lady in "Österreich" feststellen musste: "70 ist eine unfassbar große Zahl. Ich fühle mich wie 55!" Das hilft doch ein wenig, das Unfassbare zu fassen. "News" versuchte das am Beispiel Vera Russwurms. Unfassbar. Am 7. 11. wird Vera Russwurm 50. Ob sie sich wie 35 fühlt, hat "News" nicht recherchiert, aber angesichts der unfassbar großen Zahl 50 wäre das durchaus gerechtfertigt. Unfassbar auch ihr Sexgeheimnis: Mit 50 lässt sich Vera exklusiv für NEWS fotografieren. Die Exklusivität hielt sich allerdings in so engen bürgerlichen Grenzen, dass "News" schon weit ausholen musste, um den Hauch eines Sexgeheimnisses in die Sache zu bringen. ,Playboy'-Fotografin shootet Vera. Frauenpower. Vor der Kamera der "Playboy"-Fotografin Irene Schaur, 32, fiel es Vera leicht, sich in sexy Pose zu werfen. Einzige Einschränkung: "Ich habe drei Töchter!"

Und damit die sexy Pose unter der töchterlichen Einschränkung nicht allzusehr litte, stellte das Magazin einen weiblichen Halbakt daneben mit der allgemeinen Erklärung: Arbeitsakt. Vor der Wienerin Irene Schaur lassen Frauen ihre Hüllen fallen. Nur um das Sexgeheimnis zu entmystifizieren: Veras Hüllen waren es nicht, die fielen. So bleibt als das einzig Unfassbare, dass "News" am 27. August einen Geburtstag abfeiert, der das einschlägige Kind erst am 7. 11. ereilt - vermutlich handelt es sich dabei um das Sexgeheimnis exclusivitas praecox.

Dagmar Kollers Geburtstag wurde hingegen punktgenau abgefeiert. Oder eben nicht, verriet sie doch "Österreich": ,Feiere nicht', eine professionelle Herausforderung, die das Blatt nicht auf sich sitzen lassen konnte. Daher: Österreichs Grand (sic) Dame, zuvor noch Wiens First Lady, feiert heute ihren 70. Geburtstag - auf ihre eigene Art. Weit weg von Wien, bei Dreharbeiten für das ZDF, wie sie ÖSTERREICH verriet. Denn mit eiserner Disziplin, die sie als Balletttänzerin von klein auf trainiert hat, hält die gefeierte Operetten-Diva das Trauerjahr für ihren am 24. Oktober 2008 verstorbenen Mann ein. An dem kann es aber nicht gelegen sein, wenn die Trauer um ihn eiserne Disziplin, die sie als Balletttänzerin von klein auf trainiert hat, erfordert.

Das mit den Dreharbeiten für das ZDF hat die Jubilarin nicht nur "Österreich", sondern auch der "Kronen Zeitung" verraten, die, das Ereignis zu verbraten, Marga Swoboda an die Lagune entsandte. Das Ergebnis war Dagi allein in Venedig, eine Seelenschilderung, neben der Veras Sexgeheimnis zum gemeinen Talk verblassen musste. Gestern spazierte sie allein durch Venedig, auf ihren Fersen der eine oder andere Fotograf, und es würde einen nicht wundern, wenn da und dort die Handwerker von den Baugerüsten ihr nachgepfiffen hätten. Sie hat ja eine Figur wie eine Gazelle und ein Lächeln, das niemals im Schraubstock langgezogen wurde.

Man kann Venedig um die Sensibilität seiner Handwerker nur beneiden. Denn: Sie war allein, ein wenig melancholisch war ihr zumute, aber wirklich einsam war sie nicht, gelang Marga Swoboda ein Fernblick ins Innenleben der Unhinterpfiffenen. Erstens war sie sehr wohl auch zum Arbeiten nach Venedig gekommen; ein Dreh für einen deutschen Sender. Zweitens war der Helmerl die ganze Zeit bei ihr, auf diese Weise eben, wie jemand, den man unendlich liebte, immer bei einem bleibt. Sein Brummen und sein Necken und sein Drängeln, alles da.

Schön, wenn es die "Krone" miterleben darf. Und nicht nur das, sondern auch jenen Moment, in dem der nö. Landeshauptmann melden durfte: "Ich habe mir damit einen langgehegten Wunsch erfüllt." Dabei war es purer Zufall, dass der Heger des Wunsches gerade jetzt aktiv wurde. Nicht dem Hubschrauber, sondern ausschließlich seiner Muskelkraft hat Pröll seinen diesjährigen Gipfelsieg zu verdanken - auf dem Großglockner, eine Strapaze, die nicht nur für jeden Hobby-Radsportler eine gewaltige Herausforderung ist, sondern auch für einen Präsidentschaftskandidaten.

Und weil es dabei nicht nur auf die Beinmuskeln des einen, sondern auch auf den Herzmuskel eines anderen ankommt, hat sich sein Neffe einen Dopingspruch zurechtgelegt, mit dem er überall hausieren geht: Nein zur Konkurrenz, denn Heinz Fischer kommt aus dem Herzen der SPÖ. Jetzt muss er nur noch verraten, aus welchem Körperteil der ÖVP sein Onkel kommt. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 29./30.8.2009)

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    Vera Russwurm, Dagmar Koller.

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