Frage der Menschlichkeit

28. August 2009, 18:18
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Ob Flüchtlinge in der Zeit des Wartens auf ihren Asylbescheid arbeiten dürfen oder nicht, entscheidet in hohem Maß über ihre Lebensqualität

Es ist vor allem eine Frage der Menschlichkeit. Ob Flüchtlinge in der Zeit des Wartens auf ihren Asylbescheid arbeiten dürfen oder nicht, entscheidet in hohem Maß über ihre Lebensqualität. Denn nichts ist dem sozialen und psychischen Wohlbefinden abträglicher, als in einem neuen Land, nach einer gefährlichen, manchmal traumatisierenden Flucht zur Untätigkeit gezwungen und auf öffentliche Zuwendungen angewiesen zu sein.

Wer das nicht glaubt, besuche eine Flüchtlingspension oder andere Unterbringungseinrichtung. Er oder sie wird dort Menschen treffen, die in deprimierter bis gereizter Stimmung ihre Tage vertrödeln. Weil sie unfreiwillig nichts tun und so über kurz oder lang zu verwalteten Personen werden. Dauert ihr Asylverfahren jahrelang, schaffen sie es eines Tages überhaupt nicht mehr, für sich selbst sorgen.

An diesem Punkt gewinnt der Jobausschluss für Asylwerber auch ökonomische Relevanz. Denn das verunselbstständigende Asylsystem kostet Geld: Steuergeld, das zu einem Teil nicht aufgebracht werden müsste, würde den Betroffenen Arbeitsmarktzugang gewährt. Das Argument, dass Österreich dann vor einer Flüchtlingswelle zittern müsste, weil die Schlepper Abertausende on the Job bringen würden, unterschätzt die Möglichkeiten staatlicher Regelung. Würde in diesem Rahmen klargestellt, dass heimische Jobsuchende weiter den Vortritt haben, müsste sich auch kein Politiker vor zunehmender Ausländerfeindlichkeit fürchten - die ohnehin oft nur Angst vor den Wählern ist. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30. August 2009)

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