Im Nordpazifik dreht sich ein gigantischer Müllstrudel

28. August 2009, 17:53
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"Great Pacific Garbage Patch" gefährdet Meerestiere

Los Angeles - Zahnbürsten, Kuscheltiere, Chipssackerln, Kunststoffflaschen und Millionen Tonnen Plastikteilchen in unterschiedlichster Form und Größe - rund 1600 Kilometer vor der kalifornischen Küste befindet sich ein Plastikmüllstrudel von gewaltigen Ausmaßen, der nicht umsonst als "Great Pacific Garbage Patch" bezeichnet wird. Seine Größe wird auf etwa 700.000 Quadratkilometer geschätzt - mehr als achtmal so groß wie ganz Österreich.

Drei Wochen lang waren Forscher der kalifornischen Organisationen Scripps Institution of Oceanography (SIO) und Project Kaisei im Müllstrudel unterwegs: auf der Suche nach wissenschaftlichen Daten und, nun ja, Müll. Am Donnerstagabend (MEZ) berichteten sie im Rahmen einer Pressekonferenz von ihren Erfahrungen.

"Innerhalb von 30 Minuten kann man bis zu 400 Plastikteile an der Meeresoberfläche zählen" , so Mary T. Crowley, Mitbegründerin des Project Kaisei. Diese Teile stellen freilich nur die Spitze des Eisbergs dar. Laut Uno treiben in der Region eine Million Plastikteilchen pro Quadratkilometer im Wasser.

Der Müll wird vor allem von Flüssen ins Meer transportiert, doch auch Schiffsbesatzungen beseitigen ihre Abfälle im Ozean. Aufgrund von Strömungen sammeln sich die Kunststoffteile dann eben im "Great Pacific Garbage Patch" , durch Umwelteinflüsse teilweise bis auf Konfettigröße zerrieben.

Nach der Expedition wollen die Wissenschafter nun die gesammelten Proben im Labor auswerten. Eines steht jedoch schon fest: Für die nordpazifische Fauna birgt der Müllstrudel große Gefahren. Meeresbewohner ersticken an Plastikstücken oder verfangen sich in umhertreibenden Netzen.

Des Öfteren schon stießen Forscher auf Seevögel, die kleinste Abfallteilchen mit Nahrung verwechselten und schließlich verhungerten, weil sie außer Plastik nichts im Magen hatten. Außerdem saugen die umhertreibenden Kunststoffpartikel bestimmte Giftstoffe wie ein Schwamm auf, werden von Meerestieren aufgenommen und landen über die Nahrungskette schließlich dort, wo der ganze Mist begann: beim Menschen.

"Wenn man unseren Einfluss dort mitten im Nirgendwo treiben sieht, werden die Konsequenzen des Industriezeitalters schmerzhaft offensichtlich" , resümiert Miriam Goldstein vom SIO, die leitende Wissenschafterin. "Es ist kein schöner Anblick." (Natalie Bachl/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30. 8. 2009)

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