Das Kommando hat jetzt Frankfurt

28. August 2009, 17:55
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Nach der Freigabe aus Brüssel ist die AUA ab September Teil des Lufthansa-Konzerns. Abgespeckt wird die Führungscrew, die Kurzarbeit am Boden läuft aus

Verhandlungen über den Kollektivvertrag starten.

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Wien/Brüssel - Ab September wird die AUA definitiv Teil des Lufthansa-Konzerns sein. Wie erwartet genehmigte die EU-Kommission gestern, Freitag, mit Auflagen (Abgabe von Start- und Landerechten) die Fusion sowie den staatlichen Zuschuss von 500 Mio. Euro.

Am Freitag gab der AUA-Vorstand bekannt, dass die Zahl der Führungskräfte von 347 um 45 Prozent sinken wird. Statt bisher 24 wird es nur mehr 14 Vice Presidents (leiten die Geschäftsfelder) geben. Einzig der Finanzer, Heinz Lachinger, darf sich künftig mit dem Titel Senior Vice President schmücken. Ziel sei eine breitere Führungsebene anstelle einer hierarchischen wie bisher.

Zweier-Vorstand dürfte bleiben

Eine große Kündigungswelle wird es vorerst nicht geben (geht aufgrund der Kurzarbeit auch nicht und wäre außerdem auch teuer), aber intern heißt es, "manche werden halt ins Abseits geschoben und man hofft, dass einige dadurch selbst aufgeben werden". Vereinzelt haben schon Mitarbeiter die AUA verlassen, wie der Verantwortliche für den Markt Österreich oder die für das Touristik-Geschäft zuständige Mitarbeiterin.

Welche Bereiche konkret betroffen sind, ist noch nicht festgelegt worden. Es ist davon auszugehen, dass etwa der Bereich Treibstoff-Hedging in Wien keinen Stellenwert mehr hat. Keine Veränderungen werden vorerst im Vorstand erwartet. Andreas Bierwirth und Peter Malanik werden weitere Sparmaßnahmen umsetzen müssen.

Techniker zur Lufthansa

Die Kurzarbeit, in der sich derzeit 2600 Boden-Mitarbeiter befinden, läuft mit Ende September aus, und sie dürfte nicht verlängert werden. Nicht zuletzt, um bei den angekündigten Kündigungen (nicht vor 2010) flexibler zu sein. Wobei etwa im Bereich der Technik "innovative Varianten" überlegt werden. Die Lufthansa Technik habe Bedarf an Technikern, daher wird überlegt, einige der AUA-Techniker mit Rückkehrrecht an die Lufthansa Technik zu verleihen.

Für jene, die gehen müssen, werden soziale Maßnahmen, eine erhöhte Abfertigung, Outplacement (Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes) oder die Eingliederung in die Arbeitsstiftung Steyr überlegt. Insgesamt sollen bis Mitte nächsten Jahres 1000 Stellen wegfallen. 40 Prozent davon entfallen auf Auslandsstationen.

Kurzarbeit läuft bis Jahresende weiter

Für jene 1000 Mitarbeiter in der Kabine, die seit Juni kurzarbeiten, ändert sich vorerst nichts. Hier läuft die Kurzarbeit bis zum Jahresende weiter.

Innerhalb der nächsten sechs Jahre müssen weitere 150 Mio. Euro bei den Personalkosten eingespart werden. Um das zu erreichen, wird im Herbst begonnen, über Änderungen in den Kollektivverträgen zu sprechen. Ziel der Belegschaftsvertreter Boden ist es, das Lebenseinkommen unverändert zu lassen, allerdings will man von den fixen Biennalsprüngen wegkommen. Nicht zuletzt, weil die Verweildauer in den Unternehmen im Schnitt nur mehr sechs bis acht Jahre dauert. Außerdem sollen Auszeiten berücksichtigt werden.

Auch Lufthansa muss sparen

Sparen muss auch die Lufthansa. Bis 2011 will der Konzern seine Kosten um eine Milliarde Euro senken. Standard&Poor's (S&P) hat indessen das Kreditrating und die Bonität der vorrangigen unbesicherten Verbindlichkeiten der Deutschen Lufthansa AG auf "BBB-" von "BBB" heruntergestuft. Der Ausblick sei negativ. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.8.2009)

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    Neben der AUA muss auch die Lufthansa sparen: Die Deutschen wollen bis 2011 ihre Kosten um eine Milliarde Euro senken.

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