Hacklerregelung ist doppelt so teuer

28. August 2009, 17:44

Eineinhalb Milliarden statt 800 Millionen: Die Hacklerregelung, die ein Hintertürl in die Frühpension eröffnet, kostet viel mehr Geld als erwartet. Die Regierung will trotzdem nicht die Notbremse ziehen

Wien - Der 24. September 2008: Für sparsame Zeitgenossen ist das der Tag des Sündenfalls. Damals, kurz vor der Nationalratswahl, verplanten die Parlamentsparteien auf einen Sitz 2,8 Milliarden Euro für soziale Wohltaten. Eines der großzügigsten Geschenke: die Verlängerung der Hacklerregelung, die Arbeitnehmern unter bestimmten Umständen einen früheren Pensionsantritt erlaubt (siehe Wissen).

Nun stellt sich heraus, dass die Hacklerregelung noch viele teurer kommt als angenommen. Das Sozialministerium ging ursprünglich von (auch schon üppigen) 810 Millionen Euro für drei Jahre aus. Laut Zahlen aus dem Finanzministerium wird sich diese Prognose als frommer Wunsch entpuppen: Die Experten sagen fast doppelt so hohe Ausgaben voraus.

Konkret wird die offene Tür in die Frühpension demnach rund 300 Millionen im Jahr 2011, 500 Millionen 2012 und gleich 700 Millionen 2013 kosten. Macht insgesamt 1,5 Milliarden Euro.

Auslöser der Kostenexplosion ist laut den Experten im Finanzministerium nicht (nur) die Krise, die ältere Arbeitnehmer in die Frührente drängt. Im Vorjahr hat die damalige Regierung nämlich auch den Zugang zur Hacklerpension erleichtert: Um die notwendige Anzahl der Versicherungsjahre zu erreichen, können sich Anwärter zusätzliche Zeiten anrechnen lassen - etwa Monate, in denen sie Krankengeld bezogen haben. Den Rest besorgt die Demografie: Starke Jahrgänge mit oft bruchlosen Karrieren kommen ins Pensionsalter.

Echte Hackler sind das meistens nicht. Laut Finanzministerium drängen derzeit vor allem Bauern und Gewerbetreibende in den vorzeitigen Ruhestand, und das massenhaft. Heuer haben bereits so viele Menschen um eine Hacklerpension angesucht wie im ganzen Vorjahr.

Eine Folge: Die Kosten für die Pensionen steigen laut Wirtschaftsförderungsinstitut auf fast ein Viertel des Staatsbudgets. In den zuständigen Ministerbüros räumt man ein, die Dynamik unterschätzt zu haben, weder SPÖ noch ÖVP wollen aber die Notbremse ziehen. Im Herbst will die Regierung aber ausverhandeln, wie das Pensionsprivileg nach 2013 auslaufen soll. Wenn's nach den Experten im Finanzministerium geht, sähe die Lösung anders aus: Die Verlängerung der Hacklerregelung abblasen, ehe sie 2011 überhaupt in Kraft tritt. (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. August 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 247
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madman
01
31.8.2009, 14:21
gerüchteweise sind es auch sehr viele beamte,

die von der hacklerregelung profitieren.

also dann ...
12
31.8.2009, 14:25
nicht nur ...gerüchteweise, denn n e u g e b a u e r...

hat ALLE beamten...
zur hacklerregelung "angemeldet" !

und nun haben wir den scherm ... auf, d.h.
- der rest der st.zahler blecht für die bevorzugung der beamten
- und die polit - n i e t e n...habens (bewusst ?)
wieder nicht geschnallt.

>Tony Soprano<
03
31.8.2009, 12:02

"Laut Finanzministerium drängen derzeit vor allem Bauern und Gewerbetreibende in den vorzeitigen Ruhestand, und das massenhaft."

kein wunder, weil die nehmen die pension gerne als arbeitsfreies zusatzeinkommen, hackeln aber in wirklichkeit sowieso normal weiter. offiziell wird der betrieb halt an den ehepartner oder die kinder überschrieben.

soll aber jetzt kein vorwurf an die betroffenen sein, weil ich würde es auch so machen, wenn ich die gelegenheit dazu hätte.

lupus_in_fabula
01
31.8.2009, 13:32

Dank Parlament!

maj jong
10
31.8.2009, 11:14
Egal, wenn bisherige Staatshilfen, Ausgaben, Presseförderungen, etc., 5x so teuer würden, wenn....


es für das ÖVP Klientel wäre,

dann wäre es wohl selbstverständlich, dass die Steuern der Arbeitnehmer und auch unsere Beiträge zum Pensionssystem, für Spekulationen und ÖVP-Idiotensteuern dafür herhalten müssen,

natürlich.....

für die Zukunft unserer Jugend, im Sinne der Gerechtigkeit, um unseren Wohlstand zu erhalten, um die Tüchtigen und Ehrlichen zu unterstützen, den Anbau der genveränderten Getreide zu verhindern, die Insel der ÖVP- Seligen zu schützen,

aber für Hackler mehr ausgeben, wer kennt denn noch wirklich einen?

A. E. Neumann
22
31.8.2009, 12:06

Also so viel Dummheit in so wenigen Zeilen hab ich noch nicht so oft gesehen. Wichtig ist für Sie offenbar nur eines: Ist irgendetwas schlecht in diesem Land, dann ist die ÖVP schuld. Ist irgendetwas gut in diesem Land, hat die SPÖ das vollbracht. Dazwischen gibt es für Sie nichts.

Diese Denke ist es, die dieses Land kaputtmacht. Solange die Parteien in den Köpfen der Menschen die Dinge "kaputtmachen" oder "vollbringen", solange werden sich die Apparatschiks aller Parteien, die in diesem Land an die Macht kommen, die Taschen vollfüllen. Ganz ohne schlechtes Gewissen, denn es war ja eh "die Partei", die alles verbockt hat. Und nicht die Leute, die die Partei bilden.

Das Bild hing schief
00
18.10.2009, 19:25
"Also so viel Dummheit in so wenigen Zeilen"


gut zusammengefasst



Ihr Posting

Paul Scheibenpflug
01
31.8.2009, 08:30
Wasserhahn abdrehen statt aufwischen

Der Standard eröffnet in der Wochenendausgabe mit diesem Thema und bezeichnenderweise mit Prölls Appell, die Krankenkassen mögen mehr sparen: Aber wir brauchen endlich Ursachen- statt Symptombekämpfung ! "Gesundheits"kassen, Sozialministerium, AMS usw. sollten sich mit den entscheidenden Fragen auseinandersetzen, die da sind: Wie muß Arbeit gestaltet werden, Wie das Gesundheitsengagement und -kompetenz der Arbeitenden angehoben werden. Wie eine konstruktive Arbeitskultur entwickeln ? Antworten könnten z.B. aus der Bewegungsergonomie und Arbeitspsychologie kommen, aber die werden weder dort noch in der Öffentlichkeit - noch - nicht ausreichend wahrgenommen.

135
 
14
31.8.2009, 00:47
No ja, da gibt es eine Menge Klienten bei den Schwarzen,

die viel davon lukrieren.
Das Geschrei ist unerträglich, denkt man an die vielen, die auf einen Arbeitsplatz warten, dann sollte man über diese Hacklerregelung eigentlich froh sein.
Arbeitslosigkeit kommt wohl billiger, wenn man zu alt ist und hinausgeworfen wird.

Stifter
16
30.8.2009, 22:57

Warum ist es ein "Pensionsprivileg", wenn jemand nach 45 Versicherungsjahren in Pension gehen kann?

Balsamessig
41
30.8.2009, 14:32

Warum verschärft man die Hacklerregelung nicht, statt sie zu lockern?
Nicht für unter 60-Jährige, nicht für weniger als 45 echte versicherungsbezahlte Arbeitsjahre (wie Beamte, Frauen, Bauern); außer Wehr- und Zivildienst im Ausmaß der Mindestverpflichtung und Karenzzeit für ein Kind sollte nichts "angerechnet" werden.
Das würde deutlich mehr als die Hälfte der nun anfallenden Kosten ersparen.

Gerhard Schwarz
 
23
31.8.2009, 01:02

Sie Schlaumeier mit den großartigen Vorschlägen: für Beamte spart sich der Staat jahrzehntelang Pensionsbeiträge - er zahlt nämlich null.

lupus_in_fabula
00
31.8.2009, 20:47

Beamte sind nicht ASVG, es genügen die Rücknahme auf Stand vor der Novellierung Sept 2008 und Wegfall für Frauen!

10 dag Meinungswurscht - dünn aufschneiden bitte!
 
10
30.8.2009, 13:11
Ein einziger Satz ....

... in der zugrunde liegenden Gesetzesmaterie könnte für die Zukunft derartiges vermeiden.

Der bräuchte nur - ungefähr - so zu lauten:

"Für dieses Gesetz werden finanzielle Auswirkungen iHv. X Mio. budgetiert. Wird dieser Wert um mehr als 10 % überschritten, tritt die ursprüngliche Regelung wieder in Kraft!"

Ups, das waren jetzt zwei Sätze ... ;-)

maj jong
14
30.8.2009, 11:14
Für alle schwarzen Jammerer.....



nehmen sie sich ein Beispiel an Schüssel,

die Gier und der Neider heißt ÖVP!

maj jong
07
30.8.2009, 11:11
Gerade die ÖVP Bauern.........


ein Bauer im dörflichen Wirtshaus..

er wußte am Morgen als er zur Sozialversicherung der Bauern fuhr noch nicht, dass er zwei Tage später krankheitshalber Pensionist sein wird,

er den Hof seiner 46-jährigen Gattin verpachten wird, die den Hof, um später ebenfalls Pension beziehen zu können weiter bewirtschaften wird,

und er mit knapp 50 Jahren im Vollrausch sein Glück nicht für sich behalten konnte.....

Gerhard Schwarz
 
07
30.8.2009, 15:10

Den Bauern werden auch beitragsfreien Arbeitszeiten etwa am Bauernhof der Eltern wie Beitragszeiten angerechnet, was zu einem erheblichen Anteil der Bauern an den Anspruchsberechtigten der "Hacklerpension" führt - auch wenn sie später in einen anderen Beruf umgestiegen sind. Die ÖVP hat sehr erfolgreich Klientenpolitikauf Kosten der Arbeiter und Angestellten betrieben. Für Bauern und Hochverdiener. Nicht zu vergessen das defacto Einfrieren der Einheitswerte für die Steuerbemessung, die gigantischen Agrarsubventionen und Exportstützungen, der Entfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Faktum ist die überaus erfolgreiche ÖVP-Klienten-Politik für Bauern und Hochverdiener. Das ist anerkennernswert. So betreibt man effizient Klassenkampf

Gerhard Schwarz
 
05
30.8.2009, 15:01

Das Glück des Bauern heißt ÖVP: erstens hat er frühestens ab Anfang der 1970er Jahre (also höchstens etwa 37 Jahre) in die Sozialversicherung eingezahlt. Weil es vorher gar keine SV für Bauern gab, sondern nur das "Ausgedinge" (Altbauer wurde von Jungbauer miternährt). Die Kreisky-SPÖ-Alleinregierung schuf erst die Sozialversicherung der Bauern - was damals von den Schwarzen als "Enteignung des Bauernstandes durch die Roten" wüst bekämpft wurde. Zweitens gelten dank ÖVP ALLE Bauern von Vornherein als "Schwerarbeiter", während es für die übrigen ASVGler nur eine detailliert definierte Berufsgruppenliste gibt. Drittens sind die SV-Beiträgssätze der Bauern (und der Selbständigen) generell niedriger bei voller Leistung. Klar daß Bauern ÖVPlern.

lieschen müller
27
30.8.2009, 10:23
Grundsätze

Grundsätzlich nimmt der Standard eine Position ein,die seiner Meinung nach die Stimmung "der Jungen und gut gebildeten" ausdrücken soll.Offenbar nimmt man auf seine (Haupt)leserschaft sehr viel Rücksicht.Das ändert aber nichts an der völligen Fehlinterpretation von Fakten,die überall nachzulesen sind.Egal ob Eigenfinanzierungsgrad der Langzeitversicherten,Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt für über 50zig jährige,die bekannte Höhe der Beamtenpensionen usw.usw.Die Hatz auf die Langzeitversicherten,die eigentlichen Systemträger der jetzt in Pension befindlichen Generation ist unerträglich.Die Welt sieht mit 50 anders aus als mit 25 und das wird auch die junge Standardleserschaft noch entdecken (müssen).

Gerhard Schwarz
 
06
30.8.2009, 15:20

Ein erheblicher Teil der STANDARD-Leserschaft besteht aus "Ich-AGs", denen solidarisches Verhalten ein Gräuel ist. Freiberufliche Tätigkeit auf Honorarbasis ermöglicht vielen "Kreativen" ebenso kreativen Umgang mit der Steuer- und Sozialversicherungspflicht und mehr cash brutto für netto im BoBoBörsel. das führt zwangsläufig - wenn man nicht mehr jungdynamischgesund jobhoppen kann, zu geringeren Leistungen aus der Sozialversicherung, weil ja die Einzahlungsbemessungs- Grundlagen bewusst niedrigstmöglich gehalten werden. Wenn dann noch unverschuldete Abstürze infolge Wirtschaftskrise dazukommen, wird wirklich eng. Das ist der Preis für entsolidarisierenden Egozentrismus, Gewerkschaftsfeindlichkeit und Steuersenkungsmanie.

lupus_in_fabula
01
30.8.2009, 15:14
"Hacklerpension" mit 55 oder 56

Frauen mit Karenzanrechnungen, Krankenstandsgeldbezugszeiten, ev. Schulzeitennachkauf, womöglich Bauernkinder sind mit 55 oder 56 Jahren überhaupt nicht "langzeitversichert", das stellt sich nur ein naives Lieschen Müller so vor!

lieschen müller
00
30.8.2009, 21:07
Wohltaten

Bedanken Sie sich bei Schüssel für diese gute Taten,ich rede von den ehrlichen Beitragszahlern die die Wohltaten für die anderen finanzieren.Und naiv bin ich schon seit meiner Volksschulzeit nicht mehr.

lupus_in_fabula
00
30.8.2009, 23:12

Recht ungenau, Lieschen Müller, die meisten der in meinem Posting erwähnten "Wohltaten" (Krankenstandszeiten und Schulzeitennachkauf "hacklerregelungsanrechenbar", Bauernbevorzugung) wurden erst vor knapp einem Jahr im Parlament beschlossen (außer Karenzanrechnung).

lieschen müller
00
31.8.2009, 19:55
egal

Ja und? Was ändert das! Ich bin absolut gegen Geschenke der Zahlenden an die Nichtzahlenden egal welcher Art.

Paolo64
04
30.8.2009, 09:15
Man kann auch sagen...

... das sich die hochbezahlten Experten um 100% verschätzt haben.

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