Betrügereien, groß und klein

28. August 2009, 17:37
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Im Betrugsfall Stanford bekennt sich der ehemalige Finanzchef James Davis schuldig. Auch für Hassan Nemazee wird es eng

NewYork/Wien - Die Finanzkrise hat zahlreiche betrügerische Machenschaften auffliegen lassen. Denn Pyramidenspiele, wie jene von Bernard Madoff und Allen Stanford (65 Mrd. Dollar und sieben Mrd. Dollar), waren von billigem Kapital abhängig, das in der Krise aber rar wurde. Nach dem Börsencrash hatten die Finanzaufsichtsbehörden daher besonders viel zu tun.

Im Fall Stanford - dort hatte die auf Antigua beheimatete Stanford International Bank verbriefte Geldmarktpapiere begeben und so Anleger um sieben Mrd. Dollar gebracht - ist nach monatelangen Ermittlungen jetzt ein essenzieller Fortschritt erzielt worden. Finanzchef James Davis hat sich schuldig bekannt.

Deal zugestimmt

Der enge Vertraute von Stanford hat über Monate mit den Behörden zusammengearbeitet und nun einen Deal ausgehandelt. Die Behörden erhalten Zugriff auf Davis' Vermögen von bis zu einer Milliarde Dollar, um damit auch die Ansprüche zahlreicher Opfer zu bedienen, und weitere Informationen zu Mitwissern und Mitschuldigen. Davis drohen weiters bis zu 30 Jahre Haft, abhängig von den Informationen, die der heute 60-Jährige den Behörden weitergeben kann.

Stanford hat nicht an der Anhörung teilnehmen können, denn nur Stunden zuvor wurde er ins Spital eingeliefert. Richter David Hittner ließ vermelden, dass Stanford mit unregelmäßigem Herzschlag und hohem Puls in ein Krankenhaus gebracht wurde. Der 59-Jährige bekennt sich aber weiter nicht schuldig und hat seinen Finanzchef Davis bezichtigt, für den Betrug verantwortlich zu sein. Für Stanford gilt die Unschuldsvermutung.

Unternehmer Nemazee verhaftet

Diese Woche wurde zudem Hassan Nemazee verhaftet. Nemazee wird vorgeworfen, Bankdokumente gefälscht zu haben, um bei der US-Citibank einen Kredit in der Höhe von 74 Millionen Dollar (51 Mrd. Euro) zu erschleichen. Er hat der Bank Sicherheiten in dreistelliger Millionenhöhe angegeben, die allerdings bereits seit mehreren Jahren nicht mehr existierten.

Der Unternehmer und Besitzer einer Private-Equity-Firma, Nemazee Capital, sammelte für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama Spendengelder und gilt als Freund von Ex-US-Präsident Bill Clinton.

Der Investmentbanker und Fundraiser hat laut Insidern mit einer Strafe von bis zu 30 Jahren zu rechnen, wenn er des Bankbetrugs für schuldig befunden wird. Er ist nach einer Kaution in der Höhe von 25 Mio. Dollar auf freiem Fuß.

Betrugsopfer Ben Bernanke

Vor Betrügereien ist selbst US-Notenbankchef Ben Bernanke nicht gefeit. Bernanke hat in einem Interview mit dem US-Magazin Newsweek bestätigt, dass er Opfer von Scheckkartenbetrügern geworden ist. Ein Dieb hatte die Geldbörse von Bernankes Frau Anna gestohlen und mehrmals Geld von den Konten des Ehepaares abgehoben. Der Kriminelle gehörte offenbar zu einer US-weit operierenden Bande, die rund 500 Personen geschädigt hat.  (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.8.2009)

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    Zwei mutmaßliche Täter, ein Opfer: James Davis wirkte in Allen Standfords Schneeballsystem mit, ...

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    ...Hassan Nemazee soll Dokumente gefälscht haben, ...

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    ... Ben Bernanke wurde Betrugsopfer.

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