Zeit für neue Helden

28. August 2009, 17:25
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Unverwundbar, fliegend, teleportierend taumeln die Superfreaks durch emotionale Ausnahmezustände und ringen ums Schicksal der Erde

Die Götter im Olymp, die symbiotisch mit ihren menschlichen Bewunderern in einer Welt voller Dramatik zusammenlebten, sie degenerierten - oder avancierten - in Zeiten der Massenkommunikation zu Superhelden. Aus Zeus wurde Superman, aus Ares der schreckliche Hulk. Die Stars neuerer Superhelden-Mythen holen die Götter endgültig aus dem Olymp. Sie sind Schwache mit dem Makel besonderer Fähigkeiten, nur zufällig einen Evolutionsschritt voraus. 

Die TV-Serie Heroes feiert die schwachen Götter und geht nun auf ATV und RTL 2 in die dritte Staffel. (NBC ist bereits bei Staffel 5.) Unverwundbar, fliegend, teleportierend taumeln die Superfreaks durch emotionale Ausnahmezustände und ringen ums Schicksal der Erde. Die erste Staffel, die sukzessiv in diese Welt einführte, die Charaktere ihre Kräfte entdecken ließ, hatte mit Sylar auch einen Bösewicht, der sich sehen ließ. Ein Kult war begründet. Seit Sylar-Darsteller Zachary Quinto der Spock in Star Trek ist, wurde er unglücklicherweise viel sympathischer. 

Streikbedingt verkürzt zerfiel die zweite Staffel zwischen weit auseinandergeführten Handlungssträngen. Und in den neuen Folgen wurde der Plot so kräftig durchgeschüttelt, dass jede Kontinuität abhanden kam. Der Vorzug langsamen Handlungsaufbaus, der für solche Mythenschreibung von Vorteil ist, ging verloren. Sylar ist plötzlich nett. Das Epos scheint in wilden Handlungsschlingen zu erblassen. Heroes ist heuer zwar beliebtester illegaler Download. Dennoch, es ist Zeit für neue Helden. (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 29./30.8.2009)

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    foto: rtl 2
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