Mahlers Lesebändchen gefällt uns gut

28. August 2009, 17:20
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Mahlers "Längen und Kürzen. Das schriftstellerische Gesamtwerk, Band 1"

Ich weiß auch nicht, wer das Buch kaufen soll, aber ist das die Aufgabe von uns Schreibern, sich über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen?" Eine berechtige Frage, die "Dein M." an die "liebe Dorothee" stellt. Nur beantwortet diese sie nicht, und so nehmen wir an einem einseitigen Briefwechsel teil. Wir lesen auch Gedichte, sechs erstaunlich kurze Kapitel aus dem geplanten Buch, viele extrem lapidare Bildergeschichten, die ebenfalls um das Problem einer Veröffentlichung kreisen, und sogar zwei Faxe: "P.S.: Wie gefällt Dir das Lesebändchen?"

Das Lesebändchen gefällt uns gut, wie überhaupt das ganze Unterfangen. Denn hinter "M." steckt Mahler, der Produzent dieser Farce über Längen und Kürzen, nämlich der Zeichner Nicolas Mahler. Der hat sich vor Jahren schon die Scheinwelt der Kunstakademien vorgeknöpft. Diesmal sind es Anspruch und Wirklichkeit des Autorendaseins, die er in seinem "schriftstellerischen Gesamtwerk, Band 1" zerlegt - in verschiedene Ebenen der Reflexion. So gewollt spartanisch sich die Bestandteile dieses Werks zwischen fast weißen Buchdeckeln versammeln, so triftig und giftig sind die Versuche von "M.", sich Respekt zu verschaffen. Er dichtet

"NOCH EIN GUTER TITEL
FÜR EIN GEDICHT
u.s. feldhosen
in übergrössen
2XL bis 7XL" ,

und wir fragen uns, herrscht hier Verzweiflung oder Spott? Wollen wir uns darüber nicht den Kopf zerbrechen. (Michael Freund, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.08.2009)

Mahler, "Längen und Kürzen. Das schriftstellerische Gesamtwerk, Band 1" . € 16,00/128 Seiten. Luftschacht, Wien 2009

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