Wer von den Ferien wirklich profitiert

28. August 2009 17:20

Was die Kinderuniversität leisten kann - Eine Erwiderung von Karoline Iber

An Ferienangeboten für Kinder spiegelt sich die Gesellschaft: Nicht alle haben dieselben Chancen zu partizipieren - auch wenn die Ferienangebote kostenlos sind.

Welches Kind geht ins Museum (ob mit oder ohne Eintritt), welches Kind erhält Flötenunterricht und welches Kind wählt welche Schule - also eigentlich Fragen, die völlig unabhängig davon sind, wie lange Ferien dauern oder nicht.

Karl Heinz Gruber hat pointiert darauf hingewiesen und dabei die Kinderunis als Hort bildungsnaher einkommensstarker Eltern mit Extraförderanspruch für ihre Kinder bezeichnet sowie den Ausschluss von Kindern sozial benachteiligter Familien behauptet.

Als Kinderuniorganisatorin und Pädagogin gesagt: Ja, da hat er recht - wenn nichts dagegen getan würde. An der KinderuniWien gibt es dank Förderung, aber auch Sponsoring aus der Wirtschaft, keine Studienbeiträge, die Anmeldung kann persönlich erfolgen - Computer ist also keine Voraussetzung. Für Gruppen ist die Anmeldung sowieso ganz einfach telefonisch möglich, und durch gezielte Kooperation mit Parkbetreuungen und Jugendzentren und vielen anderen Organisationen werden jene angesprochen, deren Eltern sich nicht vorrangig um Förderung und Bildungsinteressen ihrer Kinder sorgen können.

So kommt es, dass die mittelburgenländische Dorfgemeinschaft mit allen Kindern zur Kinderuni anreist, dass nicht nur Ute Bock über Armut gesprochen hat, sondern auch Kinder asylwerbender Familien die Kinderuni besuchten.

Es kommen auch Kinder an die Universität, die sich schon mal in ihrem Park oder in ihrem Jugendzentrum begeistert mit Wissenschaftsboxen auseinandergesetzt haben oder im mobilen Hörsaal bei Kinderuni on Tour mit Wissenschaftern gesprochen haben. Fast 1000 Kinder, die am Leberberg, in der Großfeldsiedlung oder am Mexikoplatz daheim sind, haben heuer in ihrem Heimatbezirk geforscht und eindrücklich bewiesen, dass auch sie wissbegierig und interessiert sind. In der Tat ein Projekt, das medial weniger Aufmerksamkeit erregt, als die Kinderunis in den Universitäten. Warum bloß?

Es gibt sie, die Organisationen, die darauf achten, dass Kinder, deren Eltern keinen Karibikurlaub gebucht haben, spannende und anregende Ferien machen können - ob mit oder ohne Bildungsanspruch. Zum Beispiel das Wiener Ferienspiel oder die Parkbetreuungen, die auch sozialpädagogische Begleitung für Kinder - und oft auch deren Familien - bieten.

Ja, Professor Gruber - Sie haben recht: Wir sollten endlich mehr darauf schauen, wer welche Chancen zur Partizipation an Bildung, an Freizeit oder an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hat - eine zutiefst pädagogische Frage, eine politische, eine hochbrisante.

Nehmen wir das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung 2010 zum Anlass, noch viel mehr pädagogische Konzepte umzusetzen, die Benachteiligungen aufgrund regionaler und sozialer Herkunft entgegenwirken - im außerschulischen und schulischen Bereich.

Offen bleibt eine Frage: Ist das G'riss um die lustigen "cahiers de vacances" (in Frankreich verbreitete Lernhefte für die Ferien, auf die Gruber hinwies, Anm.) in den Pariser Vorstädten ebenso hoch wie in der Pariser Innenstadt? (DER STANDARD/Printausgabe, 29./30. August 2009)

 

Zur Person:

Karoline Iber hat als Leiterin des Kinderbüros der Universität Wien die KinderuniWien und andere Wissenschaftsvermittlungsprojekte für Kinder initiiert.

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    Posting 1 bis 25 von 52
    1 2
    cannery row
    30.08.2009 12:44
    Wer von den Ferien wirklich profitiert..

    alle, die freihaben.

    Erz-Schelm
    30.08.2009 10:58
    Gruber versucht...

    zum wiederholten Mal eine Bildungsdiskussion zu provozieren, die auf sehr hohlen Argumenten fußt.

    1) Dass sich wohlhabendere und auch interessiertere Eltern Zusatzangebote leisten (und immer leisten werden - egal ob es dem Herrn Professor passt), heißt ja nicht, dass die Angebote schlecht sind.
    2) Konstruktiv würde ein Angebot von Professor Gruber so aussehen: in den nächsten Ferien (die übrigens 9 und nicht 8 Wochen lang sind) bietet er - selbstverständlich gratis und völlig offen in der Anmeldung (ein Teil der Plätze wird an beliebig ausgewählte Jugendliche verlost) - ein aus seiner Sicht pädagogisch sinnvolles Zusatzangebot an. - Wetten, dass das nie im Leben stattfindet.

    Also: Lasst doch die Kinderuni in Ruhe!

    Irma la Douce
    30.08.2009 10:37
    Bei meiner Oma "auf dem Land" hab ich vieles gelernt, was


    mir keine Kinderuni hätte beibringen können ...

    Silvio Lackner
    29.08.2009 17:35
    In den Ferien sollten Kinder spielen, schwimmen, Bücher lesen, Baumhäuser bauen, Bandenkriege führen usw.

    ..anstatt altklug und von ehrgeizigen Eltern getrieben die Schulbank drücken. Und noch mehr Zertifikate für den Anspruch auf Karriere und Wohlstand zu sammeln.

    "Bildung" ist verkommen zu einem Wetteifern in der Einbildung, was besseres und klüger zu sein. Anstatt weise zu werden. "Bildung" wird nur noch als Vorbereitung auf den Ellbogenkrieg am Arbeitsmarkt gesehen.

    Dr Mabuse
    30.08.2009 13:08
    d´accord

    und ich glaub nicht dass das auf unfähigkeit basiert,
    sondern auf system:

    http://derstandard.at/fs/125069... e-Menschen

    ...aber das ist für die meisten schon wieder zuviel "VT"...

    Poldi Fesch
    30.08.2009 14:48
    ja, aber

    der Zeuge ist mehr als ungluecklich

    korianders
    30.08.2009 11:23
    Danke für diese klaren Worte!

    Entwicklungspsychologie: Ist die individuelle, reife, freie und soziale Persönlichkeit und beruht auf dem Geheimnis(!) der intelligenten und menschenwürdigen Begleitung des Kindes ab seiner Geburt.

    Diese berücksichtigt und akzeptiert jeweils seine individuellen Bedürfnisse, seine Selbständigkeit, seine subjektive wie autonome Wahl von Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen ebenso wie auch seine besonderen Lernstrategien und Lerngeschwindigkeiten.

    Menschen sind für gelingende Beziehungen konstruiert. Wir sind aus neurobiologischer Sicht – auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen. Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben.

    so weit wo gut
    29.08.2009 16:51
    Der Text wirkt so,...


    ...als fühlte Frau Iber sich auf den Schlips getreten, als wäre sie irritiert, dass Professor Gruber das Thema öffentlich gemacht hat. Lieber wäre es ihr anscheinend, man würde nicht darüber reden. Danke Herr Gruber, so wird die Demokratie am Leben erhalten.

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    29.08.2009 11:55

    die kinder, die sich so etwas nicht leisten können, haben es ohnehin besser: die können spielen, in den wald gehen, ein baumhaus bauen, fischen, wolken beobachten.

    dieser bildungswahn von der krippe an ist der pure horror für kinder.

    Beatrix Kiddo
    29.08.2009 19:33

    Fischen??? Wolken beobachten??? Ich würd eher sagen die hängen vor der Glotze....

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    29.08.2009 20:04

    naja, hauptsache ihr obercoolen bobos läßt eure nachwuchskonsum!d!oten die zeit "sinnvoll" nutzen.

    diese arroganz der "plebs" gegenüber ist echt unerträglich.

    Beatrix Kiddo
    30.08.2009 10:58

    sie haben a) nicht verstanden was ein bobo ist und b) find ich ihr realitätsfernes, naives bild von kinderchen die in der sommerfrische fröhlich durch den wald laufen, "fischen" gehn und abends am lagerfeuer lieder trällern echt süß....zu viel radelberger werbung gesehen?

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    30.08.2009 11:45

    nö, selbst kinder großgezogen.

    ohne viel "glotze", wie ihr bobos zu sagen pflegt.

    dass ihr in wirklichkeit keine bohemiens bourgeois seid, sondern schlicht birkenstockschwarze, ist mir schon klar.

    Aus dem Bauch heraus
    30.08.2009 19:08

    und Ihre Kinder sind in einer sozial schwachen bildungsfernen Familie aufgewachsen?

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    30.08.2009 19:17

    meine kinder nicht, aber ich.

    Aus dem Bauch heraus
    30.08.2009 19:27
    wann?

    In einer Zeit, als nicht soviele Leute einen Fernseher hatten? Hatte Ihre Familie überhaupt einen? Gab es Computer und Computerspiele damals?

    Die Welt der Kids heut schaut ziemlich anders aus als die als wir jung waren.

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    30.08.2009 19:53

    und ?

    was lernen wir daraus ?

    Aus dem Bauch heraus
    30.08.2009 20:11

    dass leute, die in einem elfenbeinturm wohnen, keine ahnung von der realität haben, aber gern auf alle schimpfen, die sie ihnen vor augen führen alá we shoot the messenger?

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    30.08.2009 21:57

    an wen denkst du da konkret ?

    Aus dem Bauch heraus
    30.08.2009 22:13

    an Sie? Sie pöbeln die Leute an, die sagen, was heute oft traurige Realität ist.

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    30.08.2009 22:22

    die realität für kinder in sozial starken, bildungsnahen schichten ist oft noch viel trauriger.
    da wird ausbildung von der kinderkrippe an mit bildung verwechselt, herangezüchtet werden angepasste "leistungstragende" konsum!d!oten.

    und sozial schwach und bildungsfern heißt noch lange nicht flodder. da gibt es eine menge leute, die denen, die sich da als moralapostel aufspielen, menschlich weit überlegen sind.

    und was das "anpöbeln" betrifft: wie man in den wald hineinschreit...

    Aus dem Bauch heraus
    30.08.2009 22:53

    Wer redet von Flodder? Nicht jeder computerspieler wird ein irrer Gewalttäter.

    Ich weiß ja nicht in welchem Umfeld Sie sich normalerweise bewegen, aber ich kenne nur sehr wenige (und die haben meist einen leichten Hieb), die ihre Kinder ab der Krippe bereits ausbilden wollen. Es sei denn, Sie verwechseln einen Museumsbesuch oder ein Gesellschaftsspiel schon mit Ausbildung.

    Irgendwelche Leistungsträger muß es ja geben, die die Flodders durchfüttern. Und wenn man sich anschaut, wer bei diversen Versandhäusern etc verschuldet ist und auf einem Haufen Konsumschulden sitzt, dann ist der Anteil der sozial schwachen Schichten wesentlich höher als bei solchen, die eine höhere Bildung genossen haben.

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    31.08.2009 10:46

    und warum verschulden sich die ?

    weil ihnen mit einer ungeheuren werbemaschinerie eingeredet wird, dass sie den ganzen misst unbedingt brauchen, und das kann sich doch auch der mann mit der kleinen brietfasche leisten und kauf jetzt, zahl erst 2012, usw. und viele fallen eben darauf herein.

    und die sogenannten "leistungsträger" füttern überhaupt niemanden durch. buchgeld hin- und herschieben erzeugt keinen mehr- geschweige denn
    nährwert.

    ich rede nicht von einem gelegentlichen museumsbesuch und ähnlichem, aber denk einfach mal nur über das wort "kinderuni" ein wenig nach.

    die sprache ist ein ziemlich tückischer verräter.

    Aus dem Bauch heraus
    31.08.2009 11:23

    und zur Kinderuni: ich kenne die nicht im Detail und die Programme dort auch nicht, aber wer glaubt, eine Universität hätte nur etwas mit Ausbildung und nicht auch etwas mit Bildung zu tun, kann nie auf einer Uni gewesen sein oder kennt nur die WU. Oder gehört zu jenen, die schon eine unzumutbare Belastung von Kindern orten, wenn diese dazu animiert oder dafür begeistert werden, hin und wieder ein Buch zu lesen.

    Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
    31.08.2009 11:31

    universität = hochschule. dort hat ein kind nichts verloren.

    ich habe an der tu studiert und mein jüngerer sohn hat noch bevor er in die volksschule kam, sich das lesen selbst beigebracht und sein erstes buch alleine gelesen. das hat er ganz aus eigenem antrieb gemacht, eben deshalb, weil wir ihm bildung als wert an sich und nicht im sinne von ausbildung nahegebracht haben.

    also hör endlich auf, mich "anzupöbeln". was bezweckst du eigentlich mit diesen ständigen unerstellungen ?

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    Posting 1 bis 25 von 52
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