derStandard.at-Interview

"Es wäre klug, staatliche Unis aufzugeben"

31. August 2009 12:48
  • Artikelbild
    Foto: dpu

    Marga Brigitte Wagner-Pischel, Präsidentin der DPU, findet die Anschuldigungen der Zahnärztekammer "unfair".

Die heftige Kritik vor dem Start des neuen Zahnmedizinstudiums in Krems bezeichnet die Gründerin als "Futterneid-Diskussion"

"Private Universitäten sind eine gewisse Entlastung der staatlichen", sagt Marga Brigitte Wagner-Pischel, Präsidentin und Gründerin der Danube Private University (DPU), die in einem Monat ihre Pforten zum zwölfsemestrigen Zahnmedizinstudium öffnet. Seit zwei Jahren steht die Institution unter Beschuss der Zahnärztekammer und der Hochschülerschaft - derStandard.at berichtete. Dabei schickten die Funktionäre ihre eigenen Kinder zum Studium, kontert Wagner-Pischel. Im Gespräch mit Marijana Miljkovic kündigte sie rechtliche Schritte gegen die "verleumdungsartige Verfolgung" der Funktionäre an.

***

derStandard.at: Die Danube Private University hat noch nicht einmal eröffnet und schon sind sie mit harter Kritik konfrontiert. So moniert beispielsweise die Zahnärztekammer, dass die Qualität des Zahnmedizin-Studiums, das Sie anbieten, nicht ausreicht. Wie halten Sie entgegen?

Wagner-Pischel: Die Zahnärztekammer hat den Beschluss des Akkreditierungsrates und des Ministers nicht akzeptiert. Und sie publizieren im Internet, dass wir nicht EU-konform seien, obwohl der Akkreditierungsrat das bereits zwei Mal geprüft hat. Ich sehe das als verleumdungsartige Verfolgung der Funktionäre, die in Wien sitzen und habe einen Anwalt beauftragt, sich dagegen zu wehren. Es ist mehr als unfair, dass man auf diese Weise gegen die DPU agiert.

Der Präsident der Niederösterreichischen Kammer hat vor kurzem gesagt, dass er gar nicht dagegen sei, er müsse aber im Sinne seiner Basis und um seinen Job nicht zu verlieren, Negativ-Politik betreiben. Darauf habe ich gesagt: Ich habe kein Verständnis dafür, denn Ihre Basis schickt uns doch die Kinder zum Studium. Alle Abiturienten, die sich zum Studium angemeldet haben, sind Kinder von Zahnärzten. Das wird sich in Zukunft ändern, aber das ist aufgrund unseres Netzwerks, das wir uns in zehn Jahren erarbeitet haben, auch  Zusammenarbeit mit der Donau-Uni Krems, so entstanden. Im Vergleich zu anderen europäischen Zahnärzten hat der österreichische Zahnarzt mehr Patienten. Das ist also eine Futterneid-Diskussion, die die Funktionäre da anzetteln.

derStandard.at: Die ÖH kritisiert, dass sich Besserverdienende den Doktortitel praktisch erkaufen.

Wagner-Pischel: Man muss sich den erarbeiten. Überall auf der Welt gibt es private Universitäten. Sie sind eine gewisse Entlastung der staatlichen. Im Grunde genommen werden hier auch freie Plätze geschaffen, für die, die nicht so viel Geld haben. Der moderne Trend geht Richtung Privatunis.

derStandard.at: Drei Jahre hat das Akkreditierungsverfahren für die DPU gedauert, vergangenes Jahr wurde der Antrag vom Akkreditierungsrat noch abgelehnt. Was haben Sie dieses Jahr richtig gemacht?

Wagner-Pischel: Das ist nicht richtig: Wir sind seit neun Jahren Partner der staatlichen Donau-Universität Krems und wir bekamen vor einige Jahren die Möglichkeit, im Burgenland eine Privatuniversität für Zahnmedizin zu entwickeln. Aufgrund der Partnerschaft mit der Donauuniversität im postgradualen Bereich hieß es seitens Niederösterreich, dass es sinnvoller wäre, wenn wir in Niederösterreich blieben und ein Konzept entwickeln. Wir haben dann, und das ist lobenswert, mit eigenen Mitteln, ohne irgendwelche Zuschüsse, über Jahre diese Fakultät konzipiert.

Es war ein Programm von 1000 Seiten. Da ich ein ganzheitlich denkender Mensch bin, hätte ich es interessant gefunden, wenn man das Studium der Zahnmedizin mit einem Studium Master of Arts, Wissenschaft der schönen Künste, unter einem Dach wiedergefunden hätte. Das war vom Akkreditierungsrat allerdings nicht gewollt und wir wurden gebeten, unsere Antrag selbst zurückzuziehen und ein zweites, der Zahnmedizin verwandtes Grundstudium zu entwickeln, um der Universität eine größere Bandbreite zu gewähren. Und darauf haben wir auch ein zweites Studium, jenes für Medizinjournalismus, konzipiert. Wir sind nie mit der Zahnmedizin abgelehnt worden. Nie.

derStandard.at: Skizzieren Sie bitte kurz, wie das Studium im Herbst aussehen wird.

Wagner-Pischel: Wir haben gar keine großen Freiheiten. Das, was wir machen, obliegt den strengen Auflagen des Rates. Wir dürfen mit maximal 44 Studierenden starten.

derStandard.at: Wie viele Studenten starten in den anderen Studiengängen?

Wagner-Pischel: Die anderen Studiengänge beginnen erst kommendes Jahr. Wir haben die Unterschrift erst bekommen und können jetzt so richtig starten. Mit der Zahnmedizin können wir aufgrund der neunjährigen Zusammenarbeit mit der Donauuni jetzt beginnen. Die Zahnärzte, die dort ihre Masterausbildung gemacht haben, schicken uns ihre Kinder zum Studium.

derStandard.at: Die erste Bewerber fanden also über Mundpropaganda zu Ihnen?

Wagner-Pischel: Genau. Man muss auch sagen, dass diese Zahnärzte einen großen Beitrag geleistet und die Wissenschaftler ausgewählt haben. Lao Tse sagt: Lernen ist wie Rudern gegen den Strom - sobald man aufhört, treibt man zurück.

derStandard.at: Wie soll geforscht werden?

Wagner-Pischel: Wie an jeder Universität: Ein Schwerpunkt ist klinische Forschung, der andere epidemologische Forschung. Und anders als bei staatlichen Universitäten, setzen wir zehn Prozent der Studiengebühren in die Eigenforschung ein. Es wird forschungsmäßig sicher das Vielfache einer staatlichen Universität geleistet werden.

derStandard.at: Wie viel Geld haben Sie in die Entwicklung des Studiums investiert?

Wagner-Pischel: Über zwei Millionen Euro. Die Studiengebühr beträgt 24.000 Euro im Jahr. Ein Studienplatz auf einer öffentlichen Universität kostet den Staat das doppelte. Es wäre klug, alle Studierenden auf eine private Universität zu schicken und die staatlichen aufzugeben oder so wie eine Private University zu organisieren. ( Marijana Miljkovic, derStandard.at, 31. August 2009)

Zur Person:

Die Sozialwissenschafterin Marga Brigitte Wagner-Pischel, 59, hat gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen Pischel die Danube Private University gegründet. Die Trägerschaft der Uni übernimmt zu 100 Prozent die von Pischel gegründete Push GmbH (Postgraduale Universitätsstudien für Heilberufe).

Im Oktober 2009 startet der Studiengang Zahnmedizin mit 44 Studienplätzen. Vier vollamtliche und 16 nebenamtliche Uni-Professoren werden unter der Leitung von Rektor Dieter Müßig unterrichten. In den kommenden Jahren soll das Angebot mit den Lehrgängen "Funktion und Prothetik" und "Ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin" sowie den Bachelor- und Masterstudien Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit, ausgeweitet werden.

Die Zahnärztekammer hatte unlängst die Qualität der Zahnärzteausbildung durch die DPU in Gefahr gesehen. Es handle sich dabei um eine auf Gewinn gerichtete, wirtschaftliche Ausbildung, hieß es. Die ÖH reagierte verärgert auf die neue Uni, weil der Bund Geld für private Unis zu Verfügung stelle, an den öffentlichen aber gespart werde.

Die DPU im Internet

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 349
1 2 3 4 5 6 7 8
Martha B.
09.10.2009 10:15
Und wieder ein Versäumnis der Politik

Würde er Staat mehr Unis gründen und mehr Geld bereitstellen für Qualität, braucht es keine Privatunis.
Aber wir bleiben lieber klein und provinziell, als uns zum Unizentrum Europas mit dem Slogan "Studenten aller Länder - hier lernt man was!" zu qualifizieren.

Österreich hat Berge, darum ist der Horizont so nah ...

dasseigesagt
 
08.10.2009 16:50

Die Studiengebühren an der Danube Private University (DPU) in Krems an der Donau (Österreich) betragen pro Semester 12.000 Euro. In die Gesamt-Studienkosten von sechs Jahren sind der Studienabschluss des "Dr. med. dent." und die Vorbereitungen zu einem "Master of Science Fachgebiet (MSc.)" eingeschlossen und diese werden nicht überschritten.

sehr schön, dann frag ich jetzt mal papa um die 750€ bearbeitungsgebühr für meinen antrag, und dann geh ich zur fußnagelpflege

Mr. Karnickel
17.09.2009 12:15
Ich will mir nicht anmaßen Studiengänge zu kritisieren, in die ich keinen Einblick habe.

Was ich aber aus verschiedenen Ärztekreisen der Salzburg Landeskliniken gehört habe, sind zumindest die Absolventen der hochgepriesenen PMU Salzburg qualitativ schlechter als Absolventen staatl. Unis (z.B. MedUni Ibk).
Und dies wiederum lässt mich schon daran zweifeln, ob kleine Private Unis die selbe Qualität bieten, wie etablierte, breit organisierte staatl. Unis. Ein weiteres Problem von gänzlich von Studiengebühren abhängigen Bildungsinstituten ist, dass gerne mal die Anforderungen an die Studenten nach unten geschraubt werden, wenn diese den Ruf als schwer schaffbar haben und die zahlende Kundschaft, der Student ausbleibt. Dieses Phänomen habe ich selbst während eines Studienaufenthaltes in den USA erlebt.

Mike Webman
12.09.2009 17:59
Danube University - Member of *IAFU??

Noch klüger wäre es, diese "Blue Danube University" wieder in eine Tschickbude rückzuwidmen.
*(International Association of Fake Universities)

Veronika Lenz
13.09.2009 16:43

bitte die privaten unis und auch die fachhochschulen einstampfen- bildung sollte dem staat so viel wert sein, dass die zweiklassengesellschaft nicht darüber triumphieren kann-
im klartext-die titelkauferei, die freunderlwirtschaft, die netzwerkbildung auf den privaten unis gehört abgeschafft
fhs dienen der reinen ausbildung und nicht der bildung daher sind sie im idealfall überflüssig

projektxat
 
02.09.2009 14:01
"...es wäre klug, die staatlichen Unis aufzugeben..."

Wohin das führt, sehen wir ja im Mutterland des Neoliberalismus, den USA: Die Ausbildung auf Privatunis kostet ein Vermögen und die Ausbildung auf den staatlichen Unis ist nichts wert...

gustav gans42
01.09.2009 14:18
CitizenDick
01.09.2009 15:28

also ein Familienunternehmen

HagenvonTronje
01.09.2009 11:57
lächerliche Kommentare

die sich hier unten mal wieder bieten; alle fürchten um ihr (beschissenes) staatliches Unisystem, das komplett abhängig ist von der Hand, die es füttert, teilweise mieseste Qualität bietet und obendrein kaum Raum für kritisches Denken bietet (wie denn auch, wenn der Staat für alles aufkommt). Da gibt es Alternativen dazu, die in den Kinderschuhen stecken und der Mob rebelliert, als ginge es ums tägliche Brot. Widerlich, wie gehirngewaschen die Standard- Leser zu sein scheinen.

smea_gol
02.09.2009 00:05

was Hirnwäsche angeht - nicht mit VP-Kotzbrocken um sich werfen, wenn man im Glashaus sitzt.
Wir wissen ja, was HagenvonTronje für ein Zeitgenosse war...

Der Kreter
 
01.09.2009 15:31

Sehen Sie bei Frau Marga Brigitte Wagner-Pischel und ihresgleichen die Bildungs- und Forschungsaufgaben tatsächlich besser aufgehoben als beim Staat? Und wenn nicht, in wessen Hand würden Sie diese Aufgaben sonst legen wollen?

Wie sehen Ihre Alternativen aus?

per verser
01.09.2009 14:38

braver auftragserfüller, sie kriegen dafür sicher lob und werden übers kopferl gestreichelt.

Kamine glühen leise
01.09.2009 10:44

staatliche unis aufgeben?
ob die gute dame weiß, dass wir eine schlechte akademikerquote haben?

HagenvonTronje
01.09.2009 11:55

"staatliche unis aufgeben?
ob die gute dame weiß, dass wir eine schlechte akademikerquote haben?"

was bringen viele extrem schlechte Akademiker?

smea_gol
02.09.2009 00:06

hmm, sie scheitern aber auch am verständnis einfachster zusammenhänge.

torch
 
07.10.2009 00:49

... das war aber auch das Schicksal dieses Mannes ...

skyrock
01.09.2009 13:25
es geht nur um die Quote

nicht um das Niveau

natoll
01.09.2009 09:56

o-ton: "Alle Abiturienten, die sich zum Studium angemeldet haben, sind Kinder von Zahnärzten"

bringt die sache und das problem ziemlich auf den punkt.

Gendo
01.09.2009 10:32

Ist doch super Klassen/ kasten denken.
Keiner braucht sich mehr sorgen zu machen wo seine Stärken liegen was ihn interessiert, wo er sich Optimal einbringen kann. Einfach Papa oder Mama anschauen und seine Zukunft sehen. Hat doch früher auch gut Funktoniert, damlas als alles noch super war!

systemfehler1
01.09.2009 09:46
ES wäre klug,

Sie ist es nicht.

Roter Baron
01.09.2009 09:31
alles privat ist die lösung

da wird nurmehr angeboten was sich verkauft
wirtschaft, jus und zahnarzt
passt
oder brauchen wir noch was anderes in Ö ?


roter baron

CitizenDick
01.09.2009 09:20

wenn das Photo nicht so unsympathisch wär hätt ich mir das Interview vieleicht durchgelesen
ich bin ein oberflächliches Schwein

Flann O'Brien
01.09.2009 09:18

Eigentlich schlimm, was sich mittlerweile alles "Universität" nennen darf.
Ich bin jedenfalls schon auf den Forschungs-Output dieses Machwerks gespannt.

homo heidelbergensis
01.09.2009 09:14

das Bild sagt mehr als tausend Worte.

el dus
 
01.09.2009 09:08
Seid doch froh! Die G'stopften verstopfen nicht mehr die staatlichen Unis.

Dort dürfen nun mehr "Arme" ein Lehrangebot nutzen, das sogar qualitativ besser sein soll, als das für die "Reichen", wie von der Zahnärztekammer behauptet wird. Warum jammern Sie dann eigentlich? Das G'stopfte für ihre Kinder Geld ausgeben kann Sie doch nicht stören?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 349
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.