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28. August 2009, 18:37
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Trotz Besucherrückgangs überzeugt Salzburg als Messestandort für den heimischen und den deutschen Kunsthandel

Bis zuletzt blieb die Zahl der Besucher der "Art Salzburg" überschaubar. Die Konkurrenz der umliegenden Seen als erfrischende Wahl während einer eher einzigartigen Hitzewelle war schlicht zu übermächtig. Bei 30 Grad und mehr flüchtete die Mehrheit der Festspielgäste im individuellen Zeitfenster bis zu den Abendvorstellungen eher nach Fuschl oder St. Wolfgang statt in die trotz dicker Gemäuer recht aufgeheizten Räumlichkeiten der Residenz.

Die 23 Aussteller quittierten es mit Schulterzucken, was soll man dem auch großartig entgegensetzen können. Die für das abschließende Wochenende angekündigte Regenfront sorgte dennoch für allgemeine Erleichterung, zumindest theoretisch erhöhte es die Chance, als alternatives Schlechtwetterprogramm zu punkten. Das funktionierte dann auch nur bedingt. Ein Drittel der Aussteller finalisierte den Ausflug an die Salzach mit Gewinn, ein weiteres bilanzierte zumindest kostendeckend, die anderen blieben von der erhofften Wirtschaftlichkeit weit entfernt.

Das vergleichsweise junge Format bleibt für die Teilnehmer trotz allem - sowohl für den heimischen, aber vor allem den aus Deutschland anreisenden Handel - die größte Verlockung im österreichischen Messekalender: Denn nirgendwo sonst ist die Dichte an internationalem und kunstinteressierten Publikum mit entsprechendem finanziellen Background sowie die Chance auf Neukunden dermaßen groß.

Die Mehrheit jener, die übers Hörensagen, die in Vier- und Fünf-Sterne-Quartieren ausgelegten Info-Folder oder per Zufall in die "Art Salzburg" stolperten, wurde allerdings ihrem Ruf gerecht. Deren Kaufkraft, so der Tenor unter den profitierenden Kunsthändlern, sei schlicht beeindruckend. Aber deren Geschmack blieb anderen das sprichwörtliche Buch mit sieben Siegeln. Als Basel-Veteran verstand Fotospezialist Johannes Faber mit seinem Programm stets das Publikum zu bedienen, das klassische Kunsthandelssegment stelle ihn dagegen irgendwie vor ein Rätsel. Der aktuell offerierte Araki-Soudek-Manassé-Koppitz-Mix erntete zwar bewundernde Blicke, sorgte aber nur eingeschränkt für den erhofften Geschäftssegen. Zeichnungen, so Manfred Langs (leidvolles) Resümee, gehören - trotz einiger Anfragen und vielversprechender Vorgespräche - jedenfalls nicht hierher.

Der aktuelle Starverkäufer blieb Wilhelm Grusdat (Galerie Terminus, München). 2008 hatte sich Sylvia Kovacek (Kovacek Spiegelgasse, Wien) diesen Titel geholt, "mit dem höchsten Messeumsatz in der Geschichte unserer Galerie" , so Kovacek, und diesen heuer zu übertreffen, sei ohnedies unrealistisch gewesen.

Gemessen an der Wirtschaftlage lief es während und in den Tagen nach der Messe überraschend gut. Für 500.000-Euro-Exponate wie den Waldmüller-Traunsee braucht es eben etwas Geduld. Auch Wienerroither & Kohlbacher ziehen positive Bilanz, Highlights wie die mit 110.000 Euro veranschlagte Kreidezeichnung Abend von George Grosz werden dann eben bei der "Art Albertina" (23.-27. September) brillieren. Den Termin für die "Art Salzburg" 2010, voraussichtlich in der zweiten Woche vor Ende der Festspiele, haben sich bereits einige Händler reserviert. Darunter auch 16 Neuanwärter, die Interesse an diesem potenziell lukrativen Ausflug an die Salzach hätten. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.08.2009)

  • Nächste Station für George Grosz' "Abend": die "Art Albertina".
    foto: wienerroither & kohlbacher

    Nächste Station für George Grosz' "Abend": die "Art Albertina".

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