Philantrop gesucht

28. August 2009, 18:36
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Christie's bringt mit Frank Lloyd Wrights 1924 erbautem "Ennis-House" ein Architekturjuwel auf den Markt

Nicht weniger als siebenmal wechselte das 1924 nach den Plänen von Frank Lloyd Wright fertiggestellte Ennis-House bislang den Besitzer, jetzt wurde "Christie's Great Estates" , die auf Immobilien spezialisierte Tochtergesellschaft des Pinault-Imperiums, mit der Suche nach dem nächsten Bewohner beauftragt. 15 Millionen Dollar lautet die offizielle Verhandlungsbasis, allein, bei diesem Betrag wird es nicht bleiben.

Bereits 1980, als der letzte Privatbesitzer das Anwesen der späteren "Ennis House Foundation" stiftete, hatte man die Restaurierungskosten auf fünf bis sieben Millionen Dollar geschätzt. Seit 2003 gilt es offiziell als eines der 100 am meisten gefährdeten Monumente weltweit. Die Jahre setzten dem ohnedies aufgrund seiner Konstruktion empfindlichen Bau schwer zu.

Die Qualität der verarbeiteten und durch Stahlstreben zusammengehaltenen Betonblöcke erwies sich als wenig witterungsbeständig, die 27.000 verbauten Klötze begannen zunehmend zu zerbröseln, ein Erdbeben (1994) und Überschwemmungen (2004/2005) taten das ihrige. Vergangenes Jahr gelangte im Rahmen einer Designauktion bei Sotheby's einschlägiges Beweismaterial zur Auktion: 8750 Dollar spielte einer dieser völlig verwitterten, rund 30 mal 42 cm großen Bausteine ein.

1922 erkor der amerikanische Architekt den Betonblock zum bevorzugten, weil über die Modulbauweise günstig zu verarbeitenden Material. Mit dem Millard-, dem Storer-, dem Freeman- (alle 1923) sowie dem Ennis-House (1924) wurden insgesamt vier dieser wegen der brokatstoffähnlichen Struktur der Betonwände als "textile-block houses" bezeichneten Projekte realisiert. Das in den Hügeln in Los Feliz erbaute Ennis-House (Wohnfläche rund 557 m²) - mit Blick auf Griffith Park, das Stadtzentrum von Los Angeles im Osten, Hollywood im Süden sowie Beverly Hills und den Pazifischen Ozean im Westen, bekannt auch aus Filmen wie Blade Runner und Twin Peaks - ist nicht das einzige derzeit zum Verkauf stehende und unter der Regie von Frank Lloyd Wright errichtete Haus dieser Werkgruppe.

In Pasadena harrt derzeit das Millard-House für taxierte 7,73 Millionen einem neuen Besitzer. Zuletzt wechselte das Storer-House (Los Angeles) für das vergleichsweise Schnäppchen von 2,9 Millionen Dollar den Besitzer. Für das stark restaurierungsbedürftige Ennis-House - tatsächlich reichten die finanziellen Mittel der Foundation stets nur für das Dringlichste - bedarf es allerdings eines engagierten und investitionsfreudigen Architektur-Philanthropen. Dieser findet sich in der Kunstwelt wohl eher als im Kreise von Immobilienspekulanten.

Neben der unternehmenseigenen Maklergesellschaft sammelte Christie's im Laufe der Jahre einige Erfahrungswerte in der Vermittlung von Architekturjuwelen, nicht immer mit positivem Ausgang: Im Mai 2008 fiel für Richard Neutras 1946 erbauten Kaufmann-Bungalow in Palm Springs samt zugehöriger Obstplantage der Hammer bei etwas mehr als 19 Millionen Dollar.

Nur wenige Wochen später war der Deal vom Tisch. Offiziell wollte der neue Besitzer dem Kaufvertrag nicht in vollem Umfang zustimmen. Inoffiziell war der Abschluss schließlich an den diversen Klauseln der um den Originalzustand bemühten Vorbesitzer gescheitert. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.08.2009)

  • 15 Millionen Dollar soll Frank Lloyd Wrights in den Hügeln von Los Angeles liegendes Ennis-House kosten.
    fotos: christie's great estates

    15 Millionen Dollar soll Frank Lloyd Wrights in den Hügeln von Los Angeles liegendes Ennis-House kosten.

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