Schwarze Braut der deutschen Terrorszene

28. August 2009, 19:04
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Ex-RAF-Terroristin Verena Becker wurde erneut verhaftet

Wie sie heute aussieht, wissen nur wenige Leute. Für die Öffentlichkeit existiert Ex-RAF-Terroristin Verena Becker bloß als blasses rundes Gesicht mit starrem Blick aus dunklen Augen. Es stammt von einem Fahndungsplakat aus dem Jahr 1975. In dieser Zeit war die damals 23-Jährige einer der meistgesuchten Menschen Deutschlands.

Jetzt sitzt Becker in Untersuchungshaft, und noch mehr als die Frage, ob sie ihrem Fahndungsfoto noch ähnlich sieht, interessiert die Deutschen: War sie 1977 in Karlsruhe tatsächlich am Attentat auf Bundesgeneralanwalt Siegfried Buback beteiligt? Hat womöglich sie die tödlichen Schüsse abgefeuert? Die Bundesanwaltschaft sieht 32 Jahre danach genügend Hinweise dafür. Damit rückt schlagartig wieder eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte in den Fokus: der Terror der RAF.

Becker gehörte vor 30 Jahren bereits zur "zweiten Generation" der RAF. Die Anfänge ihrer Terrorkarriere verliefen vergleichsweise harmlos: Zu Beginn der 70er-Jahre zertrümmert sie in Berlin die Schaufenster von Sex-Läden und hinterlässt einen Aufkleber mit der Aufschrift "Die schwarze Braut".

Doch schon die erste Aktion mit der Berliner Stadtguerilla "2. Juni", der sie sich wenig später anschließt, verläuft tödlich. Bei einem Sprengstoffanschlag auf den britischen Yachtklub stirbt ein Hausmeister. Becker wird zu einer sechsjährigen Jugendstrafe verurteilt, muss diese aber nicht antreten. Denn um den von der Bewegung "2. Juni" entführten Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz wieder freizubekommen, lässt sich die Bundesregierung (zum einzigen Mal) auf einen Deal mit Terroristen ein: Sie dürfen in den Jemen ausreisen.

Dort trainieren sie in einem Militärcamp den Umgang mit Waffen und lernen Mitglieder der ersten RAF-Generation kennen, die Becker schnell auf ihre Seite ziehen. Sie soll helfen, die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Gründer (Ulrike Meinhof, Andreas Baader) freizupressen. Dazu zählt auch der Anschlag auf Buback.

Becker wird vier Wochen danach verhaftet und liefert sich eine wilde Schießerei mit der Polizei. Für diesen "sechsfachen Mordversuch" bekommt sie lebenslang. Doch das Gefängnis zermürbt sie. Sie will raus, dient sich dem Verfassungsschutz als Informantin an und liefert auch Hinweise über den Buback-Mord. Nach zwölf Jahren wird sie begnadigt. Das Gefängnis verlässt sie am 30. November 1989. Es ist der Tag, an dem die RAF den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, in die Luft sprengt. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2009)

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