Krankhaftes Shoppen: Hinweis für tiefe Störung

28. August 2009, 16:50
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Unwiderstehlicher Impuls zum Erwerb unnötiger Waren - Studienteilnehmer mit durchschnittlich 45.000 Euro verschuldet

Stuttgart/Wien - Viel mehr Waren erwerben, als man sich leisten kann: dieses krankhafte Shoppen kann Ausdruck einer tieferen psychischen Störung sein, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen belegt. Laut einer Studie der Arbeiterkammer (AK) und des Karmasin-Gallup Instituts ist der Anteil der Suchtgefährdeten zwischen 14 und 24 Jahren in den letzten Jahren auch in Österreich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in Österreich zumindest kaufsuchtgefährdet.

Möglicherweise eigenständige Störung

Im Rahmen der deutschen Studie verglich die Ärztin und Psychologin Astrid Müller die psychische Gesundheit von kaufsüchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgestörten Menschen. Das Ergebnis: Kaufsüchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern sie leiden auch sehr häufig unter Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen. 80 Prozent der Kaufsüchtigen hatten schwere Ängste, 63 Prozent litten an Depressionen, 23 Prozent an Essstörungen. "Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausmaß psychischer Komorbidität bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten", sagt Müller. In einer Therapiegruppe der AK war fast die Hälfte der betroffenen Personen vom so genannten 'Messie-Syndrom' betroffen. Möglicherweise sei Kaufsucht keine eigenständige Störung, so die deutsche Ärtzin. 

"Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufsüchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte", schreibt Müller im Fachblatt "PPmP - Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie". 

Wie sich Kaufsucht äußert

Kaufsüchtige spüren regelmäßig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unnötiger Waren, die das finanzielle Budget weit übersteigen. Alle von Müller untersuchten Betroffenen waren verschuldet, durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit einer Verhaltenstherapie.
Die Kaufsucht zählt zu den stoffungebundenen Süchten. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. (red/APA/AP)

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    Der Sommerschlussverkauf ist für Kaufsüchtige "kein Geschenk"

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