Staatshilfe kommt, Chef geht

28. August 2009, 18:11
68 Postings

Die Bawag kehrt im Halbjahr zurück in die Gewinnzone. Ihr Chef, David Roberts, kehrt der Bank den Rücken. Er müsse aufgrund einer Herzerkrankung seinen Lebensstil ändern. Neuer Boss wird Finanzchef Byron Haynes

Die Bawag kehrt im Halbjahr zurück in die Gewinnzone. Ihr Chef, David Roberts, kehrt der Bank den Rücken. Er müsse aufgrund einer Herzerkrankung seinen Lebensstil ändern. Neuer Boss wird Finanzchef Byron Haynes.

***

Wien - "Die Bawag ist gesund, ich bin es nicht." Mit diesen Worten hat sich Bankchef David Roberts (46) am Freitag aus dem Bawag-Management zurückgezogen. Der Rücktritt erfolge aus "gesundheitlichen Gründen" , wie Roberts betonte. Er sei herzkrank und wolle sich daher aus dem Job, "in dem man 150 Prozent geben muss", zurückziehen. Damit dementierte Roberts auch Gerüchte, dass es zu Unstimmigkeiten mit dem Aufsichtsrat oder den Eigentümern gekommen sei.

Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann sprach von einem großen Verlust für die Bank. Roberts habe gezeigt, dass es in der Bank möglich sei, als Team zu arbeiten. Roberts Nachfolger wird mit 16. September der bisherige Finanzvorstand Byron Haynes, der die Funktion für drei Jahre und zusätzlich zu seinen jetzigen Agenden übernimmt.

Der Brite Roberts war 2008 von Cerberus an die Spitze der einstigen Gewerkschaftsbank geholt worden. Er hat in den vergangenen Tagen mit seinem Vize Stephan Koren noch den Vertrag über den Einschuss staatlichen Kapitals für die Bank ausverhandelt.

Deal mit dem Staat steht

"Der Deal mit der Republik steht" , sagte Roberts am Freitag. Unterschrieben sei das Papier aber noch nicht. Gibt es für das staatliche Partizipationskapital (PS-Kapital) grünes Licht von der EU (dieses wird bis Jahresende erwartet), dann sieht der Deal wie folgt aus:

  • Der Staat zeichnet PS-Kapital in der Höhe von 550 Millionen Euro. Die Bawag zahlt dafür jährlich 9,3 Prozent Zinsen.
  • Zusätzlich übernimmt der Staat Garantien von 400 Millionen Euro für bestimmte Assets der Bank.
  • Für den Fall, dass die Bawag die Zinsen zwei Jahre lang nicht bedienen kann, hat der Staat ein Wandlungsrecht - womit das PS-Kapital in Stammkapital umgewandelt wird und die Regierung an der Bank beteiligt ist.

Da die Eigentümer im Juli und August ohnehin schon "beträchtlich viel Kapital" eingeschossen hätten - 80 Mio. Euro im Juli und 205 Mio. Euro im August - und die Bank zuletzt nicht schlecht verdient hätte, bräuchte man das Geld vom Staat eigentlich nicht, betonte Roberts. Warum man das Geld dennoch haben will, erklärt Koren so: "Wir werden künftig mit mehr Ausleihungen konfrontiert sein, und diese müssen besichert werden." Zudem führte Koren "wettbewerbsrechtliche Gründe" an, weil andere Banken ja auch bereits PS-Kapital bekommen haben.

Rückkehr in die Gewinnzone

Die Bawag hat am Freitag auch ihre Zahlen zum Halbjahr vorgelegt und eine Rückkehr in die Gewinnzone präsentiert. Zum ersten Mal seit etwas mehr als zwei Jahren schreibt die Bawag damit wieder schwarze Zahlen. Von Jänner bis Juni wies die Bank unterm Strich einen Nettogewinn von 13,3 Mio. Euro aus, nach einem Verlust von 40,5 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2008.

Aus heutiger Sicht werde die Bawag auch im Gesamtjahr profitabel sein, sagte Roberts. Und das, obwohl die Kreditrisikovorsorgen weiter signifikant steigen dürften. Die Risikovorsorge wurde zum Halbjahr um 71,4 Mio. Euro (plus 133 Prozent) angehoben auf 96,6 Mio. Euro. Darin enthalten seien aber auch die Vorsorge für das Kreditgeschäft, heißt es.

Die Altlasten aus strukturierten Produkten sind nach Bankangaben geringer, Veranlagungen "restrukturiert" worden. Diese "Assets" hatten im Vorjahr zu den hohen Verlusten geführt. Gegenüber dem Ultimo habe sich der Buchwert des strukturierten Kreditportfolios um 20 Prozent auf 1,47 Mrd. Euro reduziert. Trotzdem werden weitere Belastungen daraus im zweiten Halbjahr nicht ausgeschlossen, heißt es. Ganz sicher ist sich der Vorstand, dass wegen der Wirtschaftskrise die Kreditausfälle und damit die Kredit-Risikokosten weiter signifikant zunehmen.

Kein weiterer Jobabbau

Der Verwaltungsaufwand ist um 15 Prozent auf 306,4 Mio. Euro gesenkt worden. Der Schwerpunkt dabei lag auf der Reduktion des Sachaufwandes. Weitere Personaleinsparungen (400 Jobs wurden in den vergangenen Jahren abgebaut) soll es nicht geben: "Jetzt muss die Produktivität gesteigert werden", sagte Roberts.

Stichwort "Kellerakten": Dass auf die Bawag nach Ermittlungen wegen kolportierter jahrelanger Begünstigungen von SPÖ und ÖGB, DER STANDARD berichtete exklusiv, neue Belastungen zukommen werden, glaubt Koren nicht. "Wir haben das interessiert in der Zeitung gelesen. Wir gehen nicht davon aus, dass es gravierende Belastungen für die Bank gibt." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    David Roberts räumt vorzeitig den Chefsessel in der Bawag. Sein Gesundheitszustand veranlasse ihn, kürzerzutreten.

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.