Ex-RAF-Terroristin Verena Becker verhaftet

28. August 2009, 17:37
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Auf Bekennerschreiben zum Mord an Generalbundesanwalt Buback im Jahr 1977 fand sich ihre DNA-Spur

32 Jahre nach der Ermordung des damaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback durch die RAF ("Rote Armee Fraktion") kommt wieder Bewegung in die Ermittlungen. Gegen das Ex-RAF-Mitglied Verena Becker wurde am Freitag Haftbefehl erlassen, die 57-Jährige sitzt bereits in Untersuchungshaft.

Rückblick zum 7. April 1977: An einer Kreuzung in der Innenstadt von Karlsruhe hält ein Mercedes an einer Ampel. Darin sitzen Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Personenschützer Georg Wurster. Plötzlich hält neben ihnen ein Motorrad vom Typ Suzuki GS 750 mit zwei Personen. Eine der beiden feuert vom Motorrad aus in das Auto, alle drei Insassen sterben. Wenig später bekennt sich ein "Kommando Ulrike Meinhof" zu dieser Tat. Zwar gab es nach dem Buback-Mord Verurteilungen. Die RAF-Terroristen Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt wanderten wegen gemeinschaftlichen Mordes hinter Gitter. Bis heute jedoch ist nicht geklärt, wer die Todesschüsse abfeuerte. Die Täter trugen Helme und konnten unerkannt flüchten.

Im Vorjahr war Becker nach Untersuchungen des Bekennerschreibens noch entlastet worden. Doch nun hat die Bundesanwaltschaft neue Tests in Auftrag gegeben, dabei wurden Beckers Spuren eindeutig nachgewiesen. Laut Haftbefehl soll Ex-Terroristin Becker bei den Morden vor 32 Jahren "wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags" sowie zum "Nachtatgeschehen" geleistet haben. Die Bundesanwaltschaft betont jedoch, es gebe derzeit keinen Verdacht, dass Becker auch tatsächlich die Schüsse abgegeben haben könnte. Erst vor wenigen Tagen hatte Becker in der Bild-Zeitung erklärt, sie habe damals nicht geschossen.

2007 hatte der Spiegel gemeldet, dass Buback von einem ganz anderen RAF-Terroristen - nämlich Stefan Wisniewski - ermordet worden sei. Dies habe Becker in den 80er-Jahren dem Verfassungsschutz berichtet. Gegen Wisniewski wurde daraufhin aufgrund eines Anfangsverdachts ein Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts eingeleitet. Kurzzeitig war sogar überlegt worden, Beugehaft gegen Klar, Folkerts und Mohnhaupt zu verhängen, um in der Angelegenheit endlich weiterzukommen.

Der Mord an Buback eröffnete 1977 den "Deutschen Herbst" . Damals mordete bereits die zweite RAF-Generation. Am 30. Juli 1977 wurde der Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, in seinem Haus in Hessen erschossen. Im September entführte die RAF Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Er wurde im Oktober 1977 getötet. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2009)

 

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    Buback-Mord am 7. April 1977: Polizisten sichern den Tatort

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    Die ehemalige Terroristin Verena Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto, das in den 1970er Jahren verbreitet wurde, und Generalbundesanwalt Siegfried Buback im September 1976 in Bonn.

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