Wien ist nicht zu stoppen

28. August 2009, 13:45
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Noch ist kein Ende der ATX-Rallye in Sicht. Bei Engagements auf Einzelaktien sollten defensivere Zertifikate in Erwägung gezogen werden - Von Christian Scheid

Der österreichische Leitindex hat in den vergangenen Wochen einen weiteren großen Schritt nach oben getan. 2.561 Zähler lautet das neue Jahreshoch, das der ATX diesen Dienstag markiert hat. Bis zur Marke von 3.000 Punkten fehlen damit nur noch etwas mehr als 400 Zähler. Das Plus seit Silvester beträgt inzwischen stattliche 46 Prozent. Seit dem Tiefpunkt im März ist gar ein Gewinn von mehr als 85 Prozent aufgelaufen. Die übrigen Börsen in der Eurozone, repräsentiert durch den EURO STOXX 50 konnten da bei weitem nicht mithalten.

Wie im Rest von Europa und in den Vereinigten Staaten war die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2009 der Kurstreiber Nummer eins. Noch haben zwar nicht alle ATX-Unternehmen die Bilanz für den Zeitraum April bis Juni vorgelegt, doch schon heute ist ein klarer Trend erkennbar: Die Konzerne können noch so schlechte Zahlen melden, die Aktienkurse steigen trotzdem. Die Erklärung für dieses Phänomen ist recht einfach und hat mit der Erwartungshaltung der Börsianer zu tun. In den meisten Fällen rechneten Anleger nämlich mit noch weitaus schlimmeren Auswirkungen der Rezession auf Umsatz und Ergebnis, weshalb es im Anschluss an die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zu regelrechten Erleichterungsrallys kam.

Beispiel Wienerberger: Der Ziegelproduzent hat Mitte August Daten zum ersten Halbjahr vorgelegt. Demnach brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 898 Mio. Euro ein. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank sogar um 94 Prozent auf 7,8 Mio. Euro. Allerdings erfreute die Börsianer, dass sich der Umsatzrückgang von minus 37 Prozent im ersten Quartal auf minus 22 Prozent im zweiten Jahresviertel verlangsamt hat. Zudem honorierten Anleger, dass der die Gesellschaft seinen Sparkurs verschärfen will. Statt der ursprünglich geplanten 20 sollen nun 26 Werke geschlossen werden. Dafür fallen zwar Kosten von 100 Mio. Euro an, doch die Anpassung der Kapazitäten an die schwächere Nachfrage ist unum¬gänglich. Da die meisten Werke nur vorübergehend stillgelegt werden, ist eine rasche Reaktivierung möglich, sobald die Nachfrage wieder ansteigt.

Im Anschluss an die Meldung startete die Wienerberger-Aktie durch. Aktuell steht das Papier bei rund 16,00 Euro und damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Mit mehr als einer Verdreifachung seit dem Gesamtmarkttief am 9. März ist Wienerberger damit der zweitbeste Titel im ATX. Angesichts der überkauften Lage der Aktie sollten Anleger lieber zu einem Discount-Zertifikat greifen. Bei einem von der Raiffeisen Centrobank (RCB) mit einem Cap von 12,00 Euro (ISIN AT0000A0EF04) wird die Maximalrendite von 12,1 Prozent bzw. 8,5 Prozent p.a. selbst dann noch erreicht, wenn die Wienerberger-Aktie am Laufzeitende im Jänner 2011 um rund 28 Prozent tiefer steht als heute.
Auch die Voestalpine-Aktie hat positiv auf die jüngste Meldung zur Geschäftsentwicklung reagiert. Im ersten Quartal 2009/10 (per Ende März) brach zwar der Umsatz um 36,3 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro ein. Erfreulich ist aber, dass der Stahlkonzern trotz dieses Rückgangs ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erzielen konnte. Freilich blieb es mit 134,9 Mio. Euro klar hinter dem Vorjahreswert von 542,6 Mio. Euro zurück. Dennoch kann sich die deutlich positive Ebitda-Marge von 6,5 Prozent angesichts der Absatzflaute sehen lassen. Auch im Gesamtjahr will Voestalpine im Plus landen.

Die Voest-Aktie hat in den vergangenen Tagen den Ausbruch über den Widerstand bei 22,00 Euro geschafft. Weil nun weitere Kursgewinne zu erwarten sind, ist ein Mini Future von der BNP Paribas (ISIN DE000BN3JDQ6) mit einem Hebel von moderaten 1,9 interessant. Alternativ können vorsichtiger agierende Anleger zu einem Discounter greifen. Bei einem Rabatt-Papier der Deutschen Bank (ISIN DE000DB5NRR3) ist im Juni 2010 eine Rendite von maximal 15,7 Prozent bzw. 19,5 Prozent p.a. drin, sofern die Voest-Aktie dann bei 20,00 Euro oder darüber steht.

Nicht zu schlagen war in den vergangenen knapp sechs Monaten die Aktie der Erste Group Bank. Mit einem Zugewinn von mehr als 300 Prozent stellte sie alle anderen ATX-Mitglieder in den Schatten. Der Kurs profitiert enorm von der Stabilisierung in Osteuropa, wo die Bank stark engagiert ist. Das Wiener Geldhaus hat trotz höherer Kreditvorsorge im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von knapp 500 Mio. Euro erzielt, nur rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Aufgrund der erfreulichen Geschäftsentwicklung ist Erste-Chef Andreas Treichl optimistisch, dass sein Unternehmen die Hilfe des Staates kein weiteres Mal in Anspruch nehmen muss.
Wegen des zuletzt starken Anstiegs der Erste-Aktie sollten Anleger ein ein Bonus-Zertifikat dem direkten Aktienengagement vorziehen. Passend dazu kommt aus dem eigenen Hause der Erste Group ein interessantes Produkt (ISIN AT0000A0EQU6): Im September 2010 ermöglicht es eine Bonus-Rendite von 12,3 Prozent bzw. 11,7 Prozent p.a., sofern die Aktie bis dahin niemals die Barriere von 17,00 Euro verletzt. Der Risikopuffer beträgt satte 43,8 Prozent.

Einige Aktien hinken der Entwicklung des Gesamtmarkts seit Monaten hinterher, zum Beispiel Intercell. Dabei kann sich die Geschäftsentwicklung des auf Impfstoffe fokussierten Konzerns durchaus sehen lassen: Allein im zweiten Quartal hat Intercell den Erlös um rund 66 Prozent auf 14,9 Mio. Euro gesteigert. Der Verlust sank von vier auf 3,1 Mio. Euro. Erstmals erzielten die Österreicher im gesamten ersten Halbjahr Produktumsätze von 2,9 Mio. Euro. Das zeigt: Die Intercell-Story ist weiterhin intakt. Den Chancen, die der Titel bietet, können Anleger mit einem von der RCB angebotenen Bonus-Papier (ISIN AT0000A0EB57) gerecht werden. Sofern die Barriere von 20,00 Euro bis zum Laufzeitende im Jänner 2011 hält, ist hier eine Bonus-Rendite von 41,3 Prozent bzw. 28,0 Prozent p.a. möglich. Das Zertifikat ist allerdings nichts für schwache Nerven. Denn die Barriere liegt nur knapp 20 Prozent vom Aktienkurs entfernt.

Fazit: Die seit März laufende Rally hat den ATX bislang um rund 85 Prozent, einzelne Indexmitglieder sogar noch stärker nach oben getrieben. Nach solchen Anstiegen sind Korrekturen natürlich jederzeit möglich. Anleger begegnen diesem Risiko mit Investments in Teilschutz-Zertifikate.

 

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