Wien-Museum erhält Neubau

28. August 2009, 12:55
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Mailath-Pokorny will "Rufzeichen der Moderne" setzen - Adaptierung des bestehenden Baus nicht seine erste Wahl

Wien - Lange hatte Wien-Museums-Direktor Wolfgang Kos darum gekämpft, nun scheint das Bemühen Früchte zu tragen: Sein Haus am Karlsplatz soll nach Aussagen von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny einen Neubau bekommen. Dies kündigte der SPÖ-Politiker im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Presse" an. Mailath-Pokorny schloss dabei die lange von Kos favorisierte Variante, den bestehenden Bau von Oswald Haerdtl zu adaptieren, nicht gänzlich aus, stellte aber zugleich fest, dies sei "aber sicher nicht meine erste Wahl."

Der Bau soll noch in der kommenden Legislaturperiode erfolgen, die spätestens im Herbst 2010 startet. Zunächst solle aber Kos innerhalb von maximal neun Monaten seine bestehenden Konzepte adaptieren oder neue erarbeiten. In dieser Zeit wolle man auch den neuen Standort finden.

Neuausrichtung

Architektonisch solle der Neubau ein "Rufzeichen der Moderne" werden, so Mailath-Pokorny gegenüber der "Presse". Zugleich müsse mit dem Bauvorhaben auch eine inhaltliche Neuausrichtung einhergehen, um die virulenten Platzprobleme des bestehenden Hauses zu lösen.

Demnach solle das neue Wien-Museum eine Plattform für städtische Debatten werden, einen erhöhten Fokus auf Kinder richten und als Besucherzentrum für Touristen dienen, im dem die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten vorgestellt werden. Ein möglichst zentraler Standort des Neubaus ergebe sich nicht zuletzt aus dieser Funktion als Besucherzentrum, hieß es am Freitag aus dem Büro des Kulturstadtrats. Auf Diskussionen über das Vorhaben scheint sich Mailath-Pokorny jedenfalls zu freuen: "Nicht schlimmer für ein Kulturprojekt, als wenn alles glatt über die Bühne geht."

Bereits Mitte Juli hatte Kos erstmals die Idee eines kompletten Neubaus an anderer Stelle für sein Haus aufgebracht. Dabei hatte er betont, dass dieses neue Haus jedenfalls sehr zentral liegen müsse: "Eine periphere Lage wäre für ein Stadtmuseum kontraproduktiv." Zugleich hatte Kos stets betont, dass vieles dafür spräche, den Standort am Karlsplatz beizubehalten.

Erste Reaktion

 

Beim Wien-Museum zeigte man sich erfreut über die Ankündigung - zumal man in der Vergangenheit bereits intensiven Kontakt in dieser Frage gehabt habe, meinte ein Sprecher des Museums.Mit der Idee, den bestehen Bau des Architekten Oswald Haerdtl am Karlsplatz verlassen zu müssen, kann man sich durchaus anfreunden. Man habe alle Argumente vorgebracht, die für den ersten Museumsneubau der zweiten Republik sprächen, dessen Adaptierung prinzipiell auch sicher möglich wäre. "Aber wenn die erste Option für Stadtrat und Bürgermeister ein Neubau ist, dann ist das für uns natürlich auch sehr erfreulich", unterstrich der Sprecher.

Der von Mailath-Pokorny vorgegebene Zeitrahmen von sechs bis neun Monaten zur Erstellung eines Konzepts sei sicher einzuhalten. Schließlich habe man bereits mit zahlreichen Machbarkeitsstudien Vorarbeit geleistet. Die Grundvoraussetzungen für einen Architekturwettbewerb könnten in dieser Zeit jedenfalls geliefert werden. Und auch der Idee, künftig unter anderem auch als Besucherzentrum für Touristen zu fungieren, denen die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten vorgestellt werden, gewinnt man im Wien-Museum Positives ab: "Es ist nicht schlecht, wenn so Leute in ein Haus kommen, die sonst nicht ins Museum kämen." (APA)

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