Ärzte wissen zu wenig über Medikamente

28. August 2009, 16:50
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Forscher: "Manche Verordnungen basieren auf fälschlichen Annahmen" - Antiepileptika, Antipsychotika und Antibiotika häufig jenseits ihres eigentlichen Anwendungsgebietes eingesetzt

New York - Beim Verordnen von Medikamenten wissen viele Ärzte nicht, gegen welche Beschwerden das jeweilige Präparat überhaupt zugelassen ist. Dies geht aus einer Untersuchung an 1.200 amerikanischen Allgemeinmedizinern und Psychiatern hervor. Die mangelnden Kenntnisse könnten Mediziner dazu verleiten, Arzneimittel zu verschreiben, deren Wirkung kaum belegt sei, warnen die Forscher.

In den USA wie auch in Europa werden Medikamente für bestimmte Anwendungsgebiete zugelassen. Grundsätzlich können Ärzte zugelassene Präparate aber auch gegen andere Erkrankungen, also "off-label", einsetzen. "Unsere Studie zeigt, dass manche off-label-Verordnungen auf fälschlichen Annahmen basieren", sagt der Arzt Caleb Alexander von der Universitätsklinik Chicago.

Irrtümliche Annahmen der Ärzte

Der Forscher legte den 1.200 Ärzten eine Liste vor, auf der 22 Medikamente jeweils mit einer Indikation gepaart waren. Durchschnittlich konnten die Befragten nur bei etwa der Hälfte der Präparate richtig einschätzen, ob es tatsächlich für das angegebene Problem zugelassen war. Jene Ärzte, die ein Präparat bei der angegebenen Indikation nutzten, gingen besonders häufig irrtümlich von einer entsprechenden Zulassung aus, wie die Forscher in der Zeitschrift "Pharmacoepidemiology and Drug Safety" schreiben.

So glaubten etwa insgesamt 13 Prozent der Befragten, das Neuroleptikum Quetiapin sei zur Behandlung unruhiger Demenzpatienten zugelassen. Von jenen, die das Mittel dafür bereits verschreiben hatten, ging dagegen jeder fünfte von dieser Annahme aus. Tatsächlich mahnt die US-Zulassungsbehörde FDA, Ärzte sollten dieses Präparat bei Demenzkranken nur mit äußerster Vorsicht verwenden.

Eine früheren Studie zufolge werden in den USA 21 Prozent aller Rezepte off label ausgestellt. Für 73 Prozent dieser Verordnungen gibt es keinen wissenschaftlichen Wirkbeleg. Besonders häufig werden Antiepileptika, Antipsychotika und Antibiotika jenseits ihres eigentlichen Anwendungsgebietes eingesetzt. (APA/AP)

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    Eine Studie bescheinigt US-Medizinern dürftiges Wissen über die Zulassung von Medikamenten

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