Die Krise geht, der Mini bleibt

28. August 2009, 16:37
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Der Mini war 1959 ein Mangelauto, wurde aber in kürzester Zeit zur Kultkiste - spätestens seit er die Porsches bei der Rallye Monte Carlo putzte

Der Mini war ein Kind der Krise. 1956 sperrten die Ägypter den Suezkanal und damit die wichtigste Route der britischen Öltanker. England, Frankreich und Israel schickten Truppen, die arabische Welt stoppte ihre Öllieferungen, die Suezkrise hatte begonnen. England muste Heizöl und Benzin rationieren. Die British Motor Company (BMC) reagierte: Sie beauftragte den Ingenieur Sir Alec Issigonis, ein familientaugliches Auto zu entwerfen, das wenig Sprit verbrauchte. Am 26. August 1959 wurde der Mini der Öffentlichkeit vorgestellt.

Er war 3,05 Meter lang, 1,41 breit und 1,35 hoch und hätte damit in einem VW-Bus parken können. Vier Leute hatten in ihm Platz, sein Kofferraum fasste 195 Liter. Sein Verbrauch von 4,5 Litern auf 100 Kilometer war ideal in Zeiten des rationierten Benzins. Trotzdem wollte das "hässliche" Auto (Einschätzung Enzo Ferrari) anfangs niemand haben. Erst als Lord Snowdon, Gemahl von Prinzessin Margaret, mit dem kleinen Flitzer die Londoner Straßen unsicher machte, wurde der Mini gesellschaftsfähig. Queen Elizabeth ließ sich in ihm durch die Gärten von Windsor kutschieren, John Lennon bestellte einen, obwohl er keinen Führerschein besaß.

Dann, 1964, gewann Rauno Aaltonen im Mini Cooper S mit 70 PS die Rallye von Monte Carlo. Gegen Konkurrenz wie den Porsche 911 (160 PS) oder den Renault Alpine (140 PS). David schlug Goliath in den Bergen der Côte d'Azur, und für 497 britische Pfund konnte jeder David kaufen.

Die Suezkrise ging, der Mini blieb. Bis 2010 soll er sich sieben Millionen Mal verkauft haben. Zum fünfzigsten Geburtstag des Kleinwagens zeigt nun Eigentümer BMW (seit 1994), wie es mit dem Mini weitergehen könnte: mit einem Coupé und einem Roadster. Die Karosserie der beiden Zweisitzer gleicht bis zur Fensterlinie exakt dem aktuellen Cooper S. Die Windschutzscheibe bleibt näher an der Waagrechten, das Coupé bekommt auf den bewährten Unterbau ein goldenes Dach gesetzt. Motorisiert werden sie beide wie gehabt mit einem quer eingebauten Vierzylinder. 50 bis 80 Kilo leichter und 65 Zentimeter niedriger als ihre Vorgänger sollen sie sein.

Gert Volker Hildebrand, Mini-Chefdesigner, nennt seine Zwillinge "Pocket Porsches". Vorbilder sind die "Kit Cars" der 60er- und 70er-Jahre. Mini-liebende Bastler konnten sich eine Karosserie per Post bestellen und selber um Mini-Motor und Fahrwerk herumbauen. Diverse Firmen boten Modelle an, darunter auch zahlreiche Coupés.

Für den Feinschliff musste Jack Brabham, Formel-1-Weltmeister von 1959, herhalten. Seinem blauen Rennanzug und goldenen Helm verdankt das Coupé seine Farbe. Der Roadster wurde von Jackie Kennedy inspiriert, Mode-Ikone der 60er. Wenn die Studien dem Publikum auf der IAA in Frankfurt im Herst gefallen, könnten sie in zwei Jahren in Serie gehen.

Die beiden Flitzer sollen dem Konzept der "efficient dynamics" folgen, BMWs Idee für die Zukunft. Adrian van Hooydonk, Designchef von BMW, stellt sich den künftigen Sportwagen als kleines Fun-Car vor, nicht als rasendes Schlachtschiff. Viel Glas, wenig Gewicht, verbesserte Aerodynamik und ein optional zuschaltbarer E-Motor sollen umweltfreundliche Leistung bringen.

50 Jahre nach seiner Markteinführung haben sich die Krise und der Mini verändert. Beide sind sie größer geworden. Geht es nach BMW, wird auch diesmal die Krise gehen und der Mini bleiben. (Tobias Müller/DER STANDARD/Automobil/28.8.2009)

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  • Konzept eines Mini-Coupés, wird anlässlich des 50. Geburtstags der britischen Marke von Eigner BMW auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (15. bis 27. September) hergezeigt.
    foto: werk

    Konzept eines Mini-Coupés, wird anlässlich des 50. Geburtstags der britischen Marke von Eigner BMW auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (15. bis 27. September) hergezeigt.

  • Rechts der menschliche Held: Der finnische "Rallye-Professor" Rauno
Aaltonen (71) gewann mit dem authentischen Kultauto (Mitte) 1964 die
berühmte Rallye Monte Carlo. Links ein sogenanntes Kultauto.
    foto: werk

    Rechts der menschliche Held: Der finnische "Rallye-Professor" Rauno Aaltonen (71) gewann mit dem authentischen Kultauto (Mitte) 1964 die berühmte Rallye Monte Carlo. Links ein sogenanntes Kultauto.

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