Keine Werbung für Doku "Videocracy"

28. August 2009, 11:46
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RAI sieht in "Videocracy" Diffamierung Berlusconis - Halbnackte Frauen und Statistiken über Chancengleichheit in Italien zu sehen

Rom - Die öffentliche italienische Sendergruppe RAI hat Werbung für einen fernsehkritischen Dokumentarfilm abgelehnt, weil sie darin einen Angriff auf Ministerpräsident Silvio Berlusconi vermutet. Der schwedische Film "Videocracy" setzt sich kritisch mit dem Einfluss des Fernsehens auf die italienische Gesellschaft in den vergangenen 30 Jahren auseinander. In zwei 30 Sekunden langen Werbespots für den Streifen kommt auch der grinsende 72-jährige Medienmagnat Berlusconi vor, der zum dritten Mal Regierungschef ist.

Nackte Frauen und Statistiken über Chancengleichheit

Die RAI sah in den Werbefilmen einen "Angriff auf die Ehre und die Reputation des Ministerpräsidenten", wie aus einem Schreiben hervorging, das der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag vorlag. In einem der Werbspots sind spärlich bekleidete Frauen zu sehen, die über die Jahre im italienischen Fernsehen aufgetreten sind. Im zweiten Spot werden Statistiken zitiert, die Italiens schlechten Stand bei Chancengleichheit und Pressefreiheit thematisieren.

Ehrverletzung

Die RAI bezog sich bei der von ihr vermuteten Ehrverletzung besonders auf die spärlich bekleideten Damen. Dies beziehe sich wohl auf die jüngsten Skandale in Berlusconis Privatleben, hieß es. Der schwedisch-italienische Filmemacher Eric Gandini wies dies zurück. Der Film sei bereits vor den jüngsten Debatten abgeschlossen gewesen. Berlusconi hat mit seinem Medienimperium Mediaset ein Vermögen gemacht. Mediaset und die drei Kanäle der RAI stehen zusammen für 90 Prozent des italienischen Fernsehens.

Doku bei Filmfestival in Venedig

Mediaset hat die Werbespots ebenfalls abgelehnt. Die RAI erklärte, die Clips könnten gesendet werden, wenn ein beigestellter zweiter Beitrag einen anderen Standpunkt vertrete. Gandini sagte daraufhin, dass Mediaset und RAI per se die andere Sichtweise zeigten. "Auf sechs Kanälen, 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche", sagte Gandini. "Videocracy" hatte am Donnerstag in Schweden Premiere, nächste Woche wird die Produktion auch beim Filmfestival in Venedig gezeigt. (APA/AP)

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    Werbeplakat für "Videocracy".

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