Kim zwitschert doch nicht

28. August 2009, 14:03

Wie ein Österreicher mit einem falschen Twitter-Account die Weltpresse in die Irre führte

Da kaum Nachrichten aus Nordkorea die Weltöffentlichkeit erreichen, üben die in holprigem Englisch verfassten Meldungen der offiziellen Nachrichtenagentur der Volksrepublik einen eigenartigen Reiz aus. Zwar sind auf der offiziellen Webseite großteils Lobeshymnen auf Staatschef Kim Jong Il zu lesen, aber es gibt dort auch Schwerpunktseiten zu den nordkoreanischen Atomtests und über den Prozess gegen die US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee.

Kim selbst soll technisch interessiert sein: als die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 2000 Pjöngjang besuchte, fragte er sie nach ihrer Email-Adresse. Als Anfang April auf dem Microblogging-Dienst Twitter ein User namens kcna_dprk auftauchte, der sowohl Links zu offiziellen Pressemeldungen als auch Hintergrundinformationen veröffentlichte, stürzten sich die Medien auf die Geschichte.

"Guardian" empfiehlt, KCNA zu lesen

Die angesehene kanadische "Globe and Mail" berichtete über die Sensation, der britische "Guardian" empfahl, den KCNA-Feed zu abonnieren, um einen Einblick in das Land zu erhalten, und als die US-Nachrichtenagentur Associated Press über den Feed berichtete, war das Thema endgültig in der Weltpresse angekommen. Mittlerweile folgen 4.500 User den täglichen Updates.

Nur Andy Greenberg, ein Reporter des US-Magazins Forbes, kam Ende Mai auf die Idee, bei der KCNA nachzufragen. „Wir erlauben nicht, dass KCNA auf Twitter erscheint und haben uns mit dem Betreiber des Dienstes in Verbindung gesetzt" erfuhr er dort

Der Mitarbeiter des US-Magazins "Foreign Policy", der den Besitzer des Twitter-Accounts Anfang August um ein Interview ersuchte, hatte den "Forbes"-Artikel offenbar nicht gelesen. Erst als er die Antworten fertiggestellt hatte, erhielt David Sowka, der Besitzer des Accounts, ein Email, in dem ihm der Journalist zu der gelungenen Fälschung gratulierte.

"Wie ist die Stimmung in Pjöngjang?"

Im Gespräch mit derStandard.at erklärt der Betreiber der Satire-Webseite "Stupidedia" , dass er nie auf die Idee käme, seine mühsam erworbene Glaubwürdigkeit durch die Verbreitung falscher Nachrichten aufs Spiel zu setzen. "Ich erhalte zahlreiche Anfragen auf Twitter", erzählt Sowka,"ein kanadischer Journalist wollte zum Beispiel nach dem Atomtest im Mai wissen, wie die Stimmung in Pjöngjang sei. Er machte sich nämlich Sorgen um die Stabilität Asiens, aber ich konnte ihn beruhigen."

Für Medien, die über Twitter verbreitete Meldungen ungeprüft übernehmen, zeigt Sowka Verständnis:" Die Journalisten stehen ja unter enormem Zeitdruck". Vom Betreiber des Microblogging-Dienstes hat er bisher noch nichts gehört, obwohl die Nordkoreaner laut eigenen Angaben bereits dort interveniert haben. Falls der Löschantrag aus Pjöngjang doch erhört werden sollte, hat Sowka jedenfalls noch mehrere andere Twitter-Accounts. (bed/derStandard.at, 28.8.2009)

 

Kommentar posten
20 Postings
friedrich wilhelm voigt
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28.11.2009, 17:37

viel lustiger als die texte auf der offiziellen korean news agency (http://www.kcna.co.jp) kann das nicht sein... das muß man mal gelesen haben

eleon
00

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knievel
52
31.8.2009, 10:32
pfau

ein echter held.
sicher ein vorbild für myriaden andere couchpotatoes sich aufzuraffen und was sinnvolles mit ihrem leben anzufangen :-)

frage: warum haben sie diese internet-identität vorgetäuscht?
antwort: ich wollt nur wissen ob's geht...

frage: warum sind sie beim merkur eingebrochen?
antwort: ich wollt nur wissen ob's geht...

Im Exil
00
die kategorie "unnötig"

wurde für postings wie das ihre erfunden.

Herzerzog Johann
00
30.8.2009, 18:56
offizielle Webseite

Wieso stehen deren Server in Japan?

Ardjan
05
31.8.2009, 10:55
weil es dort Elektrizität gibt?

Magic Wand
 
00
30.8.2009, 14:06
also, angenommen es wäre auf der anderen Seite


wirklich ein Politiker gesessen, wieviel glaubwürdiger wären die Tweets gewesen ?

.MS.
00
30.8.2009, 01:48
Coole Aktion

Ich möcht mich jetzt auch nicht groß darüber lustig machen, dass die EchtZeit|ung zweieinhalb Monate braucht, um einen Telepolis Artikel von David Sowka selbst zu übernehmen, damit er nicht gleich wieder in der Versenkung verschwindet - das passiert dann nämlich.

GrexMachine
00
29.8.2009, 12:16
Super, David! :D

Ava Tar
15
28.8.2009, 15:42
Narrenkappe 2.0

"I asked Kim Jong Il on twitter whether everything's fine in Pjöngjang in the aftermath of the nuke test, and he answered 'Yes, everything's fine'"

Nominierung für den Dullitzer Price ! ;o)

griaß enk, i bin's - da konrad plautz
03
28.8.2009, 14:06
bravo

großartige aktion!!!

untitled
00
28.8.2009, 17:46

und was genau soll daran so großartig sein?

her wig
00
29.8.2009, 10:09

Vllt. die Aufdeckung der Informationsflüsse und deren Anfälligkeit für Fälschungen, und das auf humorige Weise?

Trolling is a art.
00
29.8.2009, 10:34
Nette Umschreibung für erfolgreiches Trollen!

her wig
00
29.8.2009, 15:15

Netter Nick.

aenema_lateralis
 
00
30.8.2009, 08:06
stimmt..

..wenn auch grammatikalisch nicht ganz richtig..

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
01
30.8.2009, 09:11

vielleicht steckt ein vorarlberger user dahinter?

aenema_lateralis
 
00
30.8.2009, 10:29
hm

auch vorarlberger user haben irgendwann mal englischunterricht in der schule gehabt, oder irre ich mich hier fürchterlich? welche ist denn eigentlich die zweit-sprache? deutsch?
hm fragen über fragen

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
01
30.8.2009, 15:58
trolling is a art.

in vorarlberg reicht auch so a art englisch, ums zu was zu bringen. mit glück auch bis zum minister in wien.

Ivan Fedorov
00
30.8.2009, 15:30

damit meinte er wohl, dass man "is a art" auch als "ist eine art" auf vorarlbergerisch interpretieren kann.
"is" statt "ist" würde in vbg aber niemand sagen :P

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