"Lassen Frauen nicht im Stich"

28. August 2009, 10:52
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Ambulanz wehrt sich gegen Einmischungen der katholischen Kirche - Schwerpunkt der Tätigkeit liege bei Aufklärung - SPÖ-Mautz: Schönborn hat Grenze überschritten

Wien - Nach dem offenen Brief von Kardinal Schönborn an Bürgermeister Häupl reagiert die Geschäftsführerin des "pro.woman" Ambulatoriums am Fleischmarkt auf die Diskusson. In einer Aussendung vom Freitag stellt Elke Graf fest: "Nach mehr als 34 Jahren Fristenlösung scheinen Frauenrechte noch immer nicht anerkannt zu sein in Österreich".

"Unsere Aufgabe ist es, Frauen nicht im Stich zu lassen, wenn sie mit einer ungeplanten, ungewollten Schwangerschaft konfrontiert sind", so Graf. "Wir gehören nicht zu jenen Institutionen, die das Recht der Frauen auf eine autonome Gestaltung ihres Lebens missachten und Frauen kriminalisieren, die dieses Recht in Anspruch nehmen."

Präventivmaßnahmen willkommen

Dass durch geeignete Präventivmaßnahmen die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche reduziert werden kann, sei unbestritten. "Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist die Aufklärung. Täglich sehen wir, wie wichtig Beratung und Information zum Thema Verhütung ist. Gerade junge Frauen kommen dadurch erst gar nicht in die Situation einer ungeplanten Schwangerschaft", so Graf abschließend.

Rückenstärkung für das Ambulatorium gibt es auch von der SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Mautz. Sie forderte Kardinal Schönborn wie die Kirche insgesamt auf,  "das Selbstbestimmungsrecht von Frauen zu akzeptieren und die Fristenregelung nicht mehr in Frage zu stellen".  Und weiter: "Ich finde es unfassbar, dass die Katholische Kirche in der heutigen Zeit versucht, Veranstaltungen zu verbieten. Damit überschreitet Schönborn definitiv eine Grenze, die nicht akzeptabel ist", so Mautz in einer Aussendung vom Freitag. 

Grüne: Frauengesundheit steht auf dem Spiel

Die Aussagen der Kirchenvertreter sind für die Frauensprecherin der Grünen, Judith Schwentner, nicht nachvollziehbar: "Das pro:woman-Ambulatorium hat viel für die psychische und physische Gesundheit von Frauen getan, das ist ein Grund zum Feiern." Es sei befremdend, dass sich zum Thema Abtreibung immer wieder zuallererst Vertreter der Kirche zu Wort melden, die einen rückständigen und frauenfeindlichen Umgang mit dem Thema Sexualität propagieren.

"Keiner Frau fällt eine Abtreibung leicht. In manchen Fällen kann es für Frauen sogar aus medizinischen Gründen lebensbedrohlich sein, keinen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Mit dem verbalen Holzhammer auf eine derart sensible Materie einzuhauen, wie manche Kirchenvertreter dies medial tun, ist nur kontraproduktiv", meint Schwentner in einer Aussendung.

Generell sei mehr Unterstützung für schwangere Frauen, unabhängig davon ob sie sich für oder gegen eine Abtreibung entscheiden, notwendig. "Einen aktiven Einsatz für einen besseren und kostengünstigeren Zugang zu Verhütungsmitteln und mehr Sexualaufklärung wird von der katholischen Kirche leider auch nicht propagiert", so Schwentner abschließend. 

ÖVP plant Informationsbroschüre für Schwangere

Familienstaatssekretärin Christine Marek will im Herbst gemeinsam mit Ärzte- und Apothekerkammer eine Informationsbroschüre herausgeben. Diese soll "schwangere Frauen über die unterschiedlichen Beratungsangebote informieren und Hilfestellung geben", erklärte sie am Freitag in einer Presseaussendung. Entwickelt wurde die Broschüre unter Mitwirkung der Lebensschutzbeauftragten der Erzdiözese Wien sowie der "Aktion Leben", Ausgeben sollen diese ÄrztInnen und Apotheken beim Verkauf von Schwangerschaftstests.

Marek bezeichnet die Broschüre als "ersten Schritt" einer längerfristigen Initiative. Sie soll dazu beitragen, "in einer schwierigen Situation einen Schwangerschaftsabbruch nicht als einzig möglichen Weg zu sehen". Die Staatssekretärin betonte, für sie stehe die Fristenregelung "absolut außer Streit", allerdings fehle es bisher an "flankierenden Begleitmaßnahmen".

In der Debatte um die Jubiläumsfeier für das Wiener Ambulatorium am Fleischmarkt, das dieser Tage 30 wird, findet Marek, das Thema sei "zu ernst für Cocktailpartys". Zugleich äußerte sie ihr "Befremden" darüber, wie die Wiener SPÖ auf die Kritik an der Feier von Kardinal Christoph Schönborn reagiert hatte. Schönborn hatte die Absage der im Wiener Rathaus geplanten Veranstaltung gefordert. (APA/red)

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