Voestalpine beendet Kurzarbeit früher

28. August 2009, 18:44
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Voestalpine spürt Nachfrageschub - 3470 Mitarbeiter ab Dienstag in normalem Schichtbetrieb

Linz/Wien - Für den Stahlkonzern Voestalpine, der in den ersten Monaten dieses Jahres einen dramatischen Einbruch der Nachfrage in fast allen Produktsegmenten zu verkraften hatte, ist der Ausblick nicht mehr so schwarz wie noch vor kurzem. Weil die Nachfrage nach hochwertigen Flachstahlprodukten in Europa wieder deutlich anzieht, wird die Kurzarbeit im Werk Linz um zwei Monate früher als ursprünglich geplant beendet.

Statt Anfang November arbeiten die von Kurzarbeit betroffenen 3470 Voestler in Linz schon ab Dienstag, 1. September, wieder normal lang. An anderen Standorten wird mit Kurzarbeit wie gehabt weitergemacht.

"Insgesamt bleiben noch rund 5500 Mitarbeiter in Kurzarbeit, 2500 in Österreich, etwa 3000 an diversen Standorten im Ausland", sagte Voest-Sprecher Peter Schiefer dem STANDARD.

Während die Anlagen in Linz zuletzt nur zu rund 70 Prozent ausgelastet waren, liege man jetzt wieder bei gut 80 Prozent Auslastung. Grund sei unter anderem die bessere Performance der europäischen Automobilindustie. Voestalpine liefert Spezialbleche und profitiert damit indirekt von der stärkeren Nachfrage nach Autos. Auch in der Haushaltsgeräteindustrie, ebenfalls ein Großabnehmer von Voest-Blechen, zeigten sich Erholungstendenzen, sagte Schiefer.

Schwache Nachfrage im Anlagenbau

Nach wie vor schwach sei hingegen die Nachfrage aus dem Bereich Maschinen- und Anlagenbau. Deshalb sei Voestalpine gezwungen, am steirischen Standort Kapfenberg bis auf weiteres an Kurzarbeit festzuhalten. Dort werden Edelstähle hergestellt, die u.a. an Kunden wie Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment gehen.

Der Ölfeldausrüster aus Ternitz (NÖ), der die internationale Öl- und Gasbohrindustrie mit hochkomplexen Bohrgestängen aus Edelstahl beliefert, hat mit 1. Juli selbst Kurzarbeit eingeführt. Derzeit arbeitet etwa die Hälfte der knapp 300 Mitarbeiter in Ternitz fallweise 70 statt 100 Prozent der regulären Arbeitszeit. Die Kurzarbeit ist bis Jahresende angemeldet; damit hofft Schoeller Bleckmann, über die Runden zu kommen.

Neben Kapfenberg sind auch die Voest-Standorte Mürzzuschlag und Krems von Kurzarbeit betroffen. In Krems, wo Stahlprofile für Lkws, Landwirtschaft und Bauindustrie hergestellt werden, wurde Kurzarbeit erst vor wenigen Wochen eingeführt.

Nach Angaben des Arbeitsmarktservice haben in Österreich zurzeit 322 Betriebe Kurzarbeit für insgesamt 54.500 Mitarbeiter angemeldet. Wie viele Personen tatsächlich kurzarbeiten, lässt sich nicht sagen. Die meisten Betriebe, die kurzarbeiten, gibt es mit 81 in Niederösterreich. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.8.2009)

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