Gesuchter Extremist sprengte sich bei Empfang in die Luft - Prinz Mohammed bin Najef leicht verletzt
Riad - In der Villa des
Vize-Innenminister von Saudi-Arabien, Prinz Mohammed bin Nayef, hat
sich in der Nacht zum Freitag ein Selbstmordattentäter in die Luft
gesprengt. Der Prinz wurde an einer Hand leicht verletzt. Der
Attentäter sei tot, sagte Prinz Mohammed. Der Vize-Innenminister
leitet in dem islamischen Königreich seit einigen Jahren mit relativ
großem Erfolg den Kampf gegen die Al-Kaida-Terrorzellen, deren
Anschläge sich seit 2003 vor allem gegen Ausländer und die
Sicherheitskräfte richten.
Der König besuchte Prinz Mohammed nach dem Sprengstoffanschlag im
Krankenhaus. Das Gespräch zwischen den beiden Männern wurde im
Fernsehen ausgestrahlt. Prinz Mohammed sagte, der Attentäter sei ein
Terrorverdächtiger gewesen, der zuvor den Willen bekundet haben soll,
dem Terror abzuschwören. Er betrat das Haus des Prinzen in der
Hafenstadt Jeddah gemeinsam mit anderen Besuchern, die gekommen
waren, um Prinz Mohammed anlässlich des islamischen Fastenmonats
Ramadan zu gratulieren.
Vorwurf des Königs
König Abdullah warf dem Prinzen vor, er sei unvorsichtig gewesen.
Die Besucher hätten am Eingang alle gründlich durchsucht werden
müssen. Nach Angaben arabischer Medien wurde der Sprengsatz, der am
Körper des Mannes befestigt war, möglicherweise per Handy von einem
Komplizen gezündet.
Während des Fastenmonats Ramadan sind Angehörige des saudischen
Königshauses dazu verpflichtet, Besucher zu empfangen. Der Anschlag
habe die Regierung in ihrem Kampf gegen die Extremisten bestärkt,
sagte der Prinz. Prinz Mohammeds Vater, Innenminister Prinz Nayef,
ist ein Halbbruder von König Abdullah.
Mohammed ist für die Terrorbekämpfung des mit den USA verbündeten
Königreichs verantwortlich. Auf seinen Vorschlag hin war in
Saudi-Arabien vor drei Jahren ein Zentrum für die Wiedereingliederung
von straffällig gewordenen Islamisten und befreite saudi-arabische
Insassen des US-Gefangenenlagers Guantanamo gegründet worden. Die
Einrichtung ist eine zentrale Säule des Landes im Kampf gegen das
Terrornetzwerk Al-Kaida.
In den meisten Fällen war die Wiedereingliederung in die
Gesellschaft erfolgreich. Einige Häftlinge schlossen sich jedoch
später wieder den Terrorzellen an, die der Ideologie von
Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden anhängen.
Wie das auf die Überwachung von radikalislamischen Websites
spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, übernahmen die Taliban
die Verantwortung für den Anschlag auf den Prinzen. Es war der erste
Angriff auf ein Mitglied der Königsfamilie seit 2003. (Reuters/APA)