Freiheit nach 18 Jahren Geiselhaft in Kalifornien

28. August 2009, 19:09
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Damals Elfjährige war in der Nähe ihres Elternhauses von Ehepaar entführt worden - Mann zeugte zwei Kinder mit ihr

Es ist ein Fall, der an Natascha Kampusch und an den Fall Amstetten erinnert. Jaycee Lee D. war elf Jahre alt, als sie gekidnappt wurde. Seit 1991 verschollen, ist sie jetzt wieder aufgetaucht: als 29-jährige zweifache Mutter.

Jaycees Stiefvater hatte vor 18 Jahren im kalifornischen Lake Tahoe noch gesehen, wie sie zur Bushaltestelle lief und zwei Fremde das Mädchen in ein Auto zerrten. Lange blieb der Fall in den Medien. Eine heiße Spur gab es aber nie.

Umso größer die Euphorie, als ein Sheriff namens Fred Kollar am Mittwoch verkündete, Jaycee sei wieder da. Lebend. Die Details sind freilich grauenerregend: Die Gekidnappte soll in Antioch bei San Francisco in einem Schuppen in Geiselhaft gehalten worden sein. Druckereibetreiber Phillip Garrido hatte eine Plastikplane über die Hütte in seinem Garten gezogen und sie hinter Büschen versteckt. Ein Bewährungshelfer, der den wegen einer Vergewaltigung Vorbestraften regelmäßig aufsuchte, schöpfte nie Verdacht.

Nach Angaben der Ermittler sei Garrido sehr wahrscheinlich der Vater der heute elf und 15 Jahre alten Kinder Jaycees. Sie sollen weder in der Schule noch beim Arzt gewesen sein.

Der Täter versucht, sein Verbrechen zu einer Art Katharsis umzudeuten und gab bereitwillig ein Interview aus der Haft. "Warten Sie, bis Sie die ganze Geschichte hören. Sie werden absolut beeindruckt sein", sagte Garrido zu KCRA-TV.

Jaycees Entführung sei eine "ekelhafte Sache" gewesen. "Aber sie hat mein Leben komplett verändert", im Grunde sei es eine herzerwärmende Geschichte. Die US-Medien interessiert freilich mehr, warum Garridos Ehefrau Nancy schwieg. Ein Verwandter meint, sie sei im Bann ihres Mannes gestanden, "wie ein Roboter".

Diese Woche besuchte Garrido den Campus der University of California in Berkeley, um religiöse Broschüren zu verteilen. An seiner Seite: zwei Mädchen. Dem aktenkundigen Sexualstraftäter war es verboten, sich Kindern zu nähern, was Polizisten auffiel. Ein Treffen mit dem Bewährungshelfer wurde angeordnet. Dorthin nahm Garrido eine Frau namens Allissa mit - und es stellte sich heraus: Allissa hieß in Wahrheit Jaycee Lee D.

In den USA gilt kein Persönlichkeitsschutz wie in Österreich. Die Polizei veröffentlichte die Fotos der Beschuldigten ebenso wie das einstige Fahndungsfoto Jaycees. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30. August 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Stelle, an der das Mädchen 1991 gekidnapped wurde.

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    Auf diesem Grundstück wurde Jaycee gefangen gehalten

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