Mehr Energie für Asien

27. August 2009, 19:14
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Bis 2030 sollen umgerechnet rund 1300 Milliarden Euro in Energieeffizienz und neue Kraftwerke investiert werden

Die russische Regierung plant, die Diversifizierung seiner Energieexporte voranzutreiben. Nach der am Donnerstag beschlossenen „Energiestrategie bis 2030" soll der Anteil der Ölexporte nach Asien von derzeit sechs auf 20 bis 25 Prozent steigen. Bei den Gaslieferungen wird bis 2030 ein Anteil von 20 Prozent angepeilt.
Wegen fehlender Pipelines in den Osten verkauft Russland derzeit nur Erdgas in den Westen. 2030 soll der europäische Anteil an den russischen Öl- und Gasexporten auf dem Niveau von 2008 liegen.
Mit seiner Umorientierung Richtung Osten reagiert Russland auf die seit Jahren schwelenden Konflikte mit Transitländern wie der Ukraine und Weißrussland. Seit 2005 kommt es jeden Winter zu Lieferunterbrechungen nach Europa, da sich die Streitparteien nicht auf einen Gaspreis einigen können und Rechnungen nicht im vollen Umfang beglichen werden.

Wenig realistische Pläne

Energieexperten bezeichneten die Pläne der Regierung, die Gasexporte nach Asien in dem geplanten Ausmaß zu steigern, wegen der geringen Nachfrage als wenig realistisch. So sei China laut Michail Krutichin, Energieexperte von _RusEnergy, nicht bereit, Gas zu dem von Russland verlangten Preis zu kaufen, Korea konsumiere generell nur wenig Gas, und Japan sei vor allem an Flüssiggas interessiert.
Ambitioniert sind auch die in der Energiestrategie festgelegten Produktionsziele. Demzufolge will Russland im Jahr 2030 rund 530 Tonnen Öl, 880 bis 940 Milliarden Kubikmeter Gas und 1800 bis 2200 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren. 2008 wurden in Russland 488 Tonnen Öl gefördert. In diesem Jahr geht man von einer Gasproduktion von 620 bis 644 Milliarden Kubikmeter aus. Russland plant, die Ölexporte um 48 Prozent auf 329 Millionen Tonnen und die Gasausfuhren auf 368 Milliarden Kubikmeter fast zu verdreifachen.

Neue Lagerstätten

Dazu ist es nötig, bis 2030 neue Öl-, Gas- und Kohlelagerstätten in Ostsibirien, dem fernen Osten und in der Arktis zu erschließen, neue Pipelines zu bauen, die Atom- und Wasserkraft zu entwickeln und energiesparende Maßnahmen einzuführen, heißt es in dem Strategiedokument der Regierung. Insgesamt seien in den nächsten 20 Jahren Investitionen von 60 Trillionen Rubel, das sind umgerechnet rund 1300 Milliarden Euro, notwendig. Unklar ist, woher das Geld für die benötigten Investitionen kommen soll. Der Regierung zufolge sollen 90 Prozent der Investitionen von den Unternehmen gestemmt werden.
Wie dringend der russische Energiesektor Investitionen benötigt, hat der jüngste Unfall im sibirischen Wasserkraftwerk Sajano-Schuschenskaja am Jenissej gezeigt. Dort kam es vergangene Woche vermutlich aufgrund einer Materialschwäche zu einem Wassereinbruch in einer Turbinenhalle. Mehr als 70 Menschen starben.(Verena Diethelm, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.8.2009)

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