Ein wendiger Revolutionär für Japan

31. August 2009, 12:19
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Yukio Hatoyama hat beste Chancen auf das Amt des Premiers

Wie ein Revolutionär sah Yukio Hatoyama kurz vor dem Sieg nicht aus. Bei Pressekonferenzen schweiften die Augen des Chefs der Demokratischen Partei Japans (DPJ) nervös durch den Raum. Die Stimme klang gepresst, wenn er eine „Revolution" versprach: die Entmachtung der seit 1955 fast ununterbrochen regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) und der Zentralministerien.

Der selbsternannte Umstürzler entstammt nicht nur einer der ältesten Politikerdynastien des Landes, die oft mit den Kennedys in den USA verglichen wird. Er gilt auch als noch reicher als sein ebenfalls blaublütiger Gegner, der amtierende Regierungschef Taro Aso. Hatoyamas Urgroßvater Kazuo präsidierte im 19. Jahrhundert über das Parlament.

Sein Großvater Ichiro kickte 1955 Asos Großvater Shigeru Yoshida aus dem Amt des Premiers und gründete just jene LDP, deren Totengräber Enkel Yukio nun werden will. Vater Iichiro brachte es immerhin bis zum Außenminister. Zudem mehrte er den Reichtum der Familie, indem er die Tochter des Gründers der weltgrößten Reifenfirma Bridgestone, Shojiro Ishibashi, heirate. Hatoyamas Bruder Kunio war für die LDP Justizminister.

Yukio Hatoyama hatte allerdings schon immer einen eigenen Kopf. Anstatt wie viele Politikersöhnchen Jus oder Wirtschaft zu studieren und Sekretäre ihrer Väter zu werden, büffelte er Ingenieurwesen. 1976 erwarb er an der kalifornischen Stanford-Universität seinen Doktortitel und begann danach in Japan eine akademische Karriere. In den USA heiratete er auch seine Frau Miyuki, eine Schauspielerin.

Seine politische Laufbahn in der LDP begann erst 1986, als er im ehemaligen Wahlkreis seines Vaters in Hokkaido erfolgreich für das Unterhaus kandidierte. Glücklich war er in der LDP aber nicht. Bereits 1993 schloss er sich der Opposition an und gründete 1996 mit seinem heutigen Vize Naoto Kan die DPJ.

Politisch ist Hatoyama im konservativen Flügel seiner Partei verankert. Jedoch gilt er als wendig und wenig prinzipientreu. Derzeit ist er mit seiner DPJ auf einen eher sozialdemokratischen Weg im Stile Tony Blairs eingeschworen. Nur eines wird sich beim Machtwechsel nicht ändern: Japans Premier bleibt ein Christ. Aso ist Katholik, Hatoyama Baptist. (red, Martin Koelling/ DER STANDARD Printausgabe, 28.8.2009)

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