"Ich mache keinen Wahlkampf mit dem Skiunfall"

27. August 2009, 18:25
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Auf Standard-Fragen antwortet Althaus unwirsch

Gera - Eben noch war Dieter Althaus (CDU) gar nicht schlecht gelaunt. Nach dem Ergebnis eines Fußballspiels ist der Thüringer Ministerpräsident in Gera gefragt worden, und Sport interessiert ihn immer. Doch nun hat der Standard Fragen, die mit Sport nur entfernt zu tun haben. Ob er die Kritik an seinem Umgang mit dem Skiunfall in der Steiermark, bei dem am Neujahrstag eine junge Mutter starb, nachvollziehen könne?

Schlagartig sinkt die gefühlte Temperatur im Wahlkampfbus um 20 Grad. Althaus' Miene versteinert. „Dazu kann ich nichts sagen", erklärt er mit eisiger Stimme. Das zu glauben fällt schwer. Schließlich wird dem Ministerpräsidenten jeden Morgen eine Pressemappe vorgelegt. Und an diesem Tag konnte er darin lesen, dass die Familie der bei dem Unfall getöteten Beata C. ihn scharf kritisiert.

„Pietätlos" und ein „Vertrauensbruch" sei es, dass Althaus immer wieder den Skiunfall thematisiere, ließ sie über ihren Anwalt ausrichten. So hatte der Ministerpräsident erst vor kurzem in Bild am Sonntag erklärt, er habe im Österreichurlaub am Grab der Getöteten gebetet. Zudem sei der Unfall „ein Schub für mehr Sensibilität" gewesen. Er gehe jetzt eher auf die Menschen in seiner Umgebung ein und habe sich nach dem Unfall auch „noch einmal neu" in seine Frau „verliebt".

Zweiter Versuch: Auch die Opposition findet Althaus' Aussagen geschmacklos. So wirft ihm SPD-Spitzenmann Christoph Matschie vor, „kaltschnäuzig den Unfall für Wahlkampfzwecke auszuschlachten". Kann Althaus das nachvollziehen? Der Gefragte blickt genervt aus dem Fenster und erklärt dann erzürnt: „Die Opposition sagt jeden Tag etwas anderes. Ich mache keinen Wahlkampf mit dem Skiunfall. Ich habe ihn noch nicht einmal bei einer Wahlkampfveranstaltung erwähnt."

Also Nachhaken: „Sie geben aber Interviews und äußern sich dabei ausführlich zum Unfall." Auch diese Frage gefällt Althaus nicht: „Wenn ich gefragt werde, antworte ich", erklärt er unwirsch. Nur jetzt, vom Standard, möchte er nicht mehr befragt werden. Mittlerweile haben die Anwälte auch eine Schweigevereinbarung ausgearbeitet. Althaus darf sich nicht mehr zum Unfall und zu offenen Verhandlungen über Schadenersatz äußern. Vom Bezirksgericht Irdning war er Anfang März zu 33.000 Euro Strafe und 5000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. (bau/ DER STANDARD Printausgabe, 28.8.2009)

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