Turmhohe Lieder in Zimmerlautstärke

27. August 2009, 18:13
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Der große kanadische Singer-Songwriter Leonard Cohen begeisterte im burgenländischen Wiesen

Wiesen - Lauschiger hätte es nicht sein können: Am Mittwoch besuchte der Kanadier Leonard Cohen mit seinem zehnköpfigen Ensemble das Open-Air-Gelände im burgenländischen Wiesen, um an einem lauen Sommerabend einen Querschnitt durch sein Gesamtwerk zu bieten. Allesamt Stücke, die für jeden Singer-Songwriter dieser Welt neben dem Werk von Bob Dylan wie Prototypen sind.

Jedes seiner Lieder, egal ob spärlich nur von der Gitarre begleitet oder breiter mit Chor, Orgel, Schlagzeug, Saxofon und Gitarre angelegt, lässt neben seiner eigentlichen Aussage im Subtext mitschwingen: So wird es gemacht. So funktioniert der perfekte Song.

Der perfekte Song muss aber auch Gehör finden. Und das war in Wiesen nicht so leicht. Nicht weil das Publikum nicht wollte, aber der Meister hatte befunden, das Konzert in einer Lautstärke zu bestreiten, die sich ab einer gewissen Distanz zur Bühne dramatisch verflüchtigte.

Das tat vor allem an sich nachdrücklichen Stücken wie Everbody Knows gar nicht gut, verpuffte doch deren Macht auf halbem Wege zu den Empfängern. Warum der heute 74-Jährige seine charismatische Kellerstimme freiwillig um die halbe Wirkung brachte, blieb unverständlich.

Ein Open-Air-Gelände ist schließlich keine "Concert Hall" , wie er sie später im schunkelnden Take This Waltz besingen sollte, das ob der darin vorkommenden Erwähnung von "Vienna" patriotische Freude unter den 7000 Besuchern auslöste. Doch Cohens buddhistisch-bescheidener Vortrag, in dem er sich immer wieder niederkniete, wie um sich selbst kleiner und seinen Song größer erscheinen zu lassen, euphorisierte die Besucher auch noch bei Zimmerlautstärke.

Er gab eine prächtige Zeitlupen-Version von Suzanne, ließ sich von einer etwas zu fingerflinken Orgelei durch das schmerzlich-schöne Hallelujah geleiten und errichtete den Tower Of Song, dessen anschließender Beifall wieder einmal um einiges lauter als der Vortrag selbst war.

In stimmungsvollem Bühnenlicht erlebte man also eine verhaltene Weihestunde eloquenter Songwriter-Kunst, die sich mit Fortdauer der zweiteiligen Show verdichtete und mit I'm Your Man einen Höhepunkt fand. Nicht auszudenken, wie das bei angemessener Lautstärke gewirkt hätte! (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.8.2009)

 

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