Neuer Anlauf für Zahlungsverkehrsfabrik der Banken

27. August 2009, 18:01
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Wien - Fünf Jahre, nachdem ein erster Anlauf für eine Teilfusion des Zahlungsverkehrs der Großbanken in Österreich gescheitert ist, unternimmt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) einen neuen Vorstoß, die Banken auf eine Zusammenlegung ihrer Zahlungsverkehrsaktivitäten einzuschwören. Waren es 2004 die Kosten, die mit Parallelstrukturen und inkompatiblen Banken-EDV-Systemen verbunden sind, so argumentiert OeNB-Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek nun mit der größeren Krisen- und Ausfallsicherheit eines nationalen Clearinghauses.

"Es geht nicht mehr nur um die betriebswirtschaftliche Dimension, sondern um die Ausfallsicherheit", betont die Notenbankführung. Die OeNB sei für die Sicherheit des Zahlungsverkehrs zuständig. Auch gebe es eine ausdrückliche Empfehlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Branche möge in Clearingsysteme investieren.

Einer ersten Gesprächsrunde mit den Bankern vor dem Sommer sollen im September weitere Gespräche folgen. In der OeNB erwartet man eine Grundsatzentscheidung schon für Ende September.

Eingeräumt wird auch von der Notenbankführung, dass der Übergang auf eine gemeinsame Zahlungsverkehrsinfrastruktur bei den Banken entsprechende Abschreibungen für ihre bestehenden Systeme nötig machte.

Kein Bedarf

Reserviert gaben sich am Donnerstag Großbanken. "Das bestehende Zahlungsverkehrssystem hat sich gerade auch jetzt, mitten in einer nie dagewesenen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, bewährt", hieß es heute aus einer Bank in Wien. "Es funktioniert gut. Es besteht kein Bedarf, dieses stabile System gegen ein anderes zu tauschen."

"Glücklicherweise hat sich die Krise bisher nicht auf den Zahlungsverkehr ausgewirkt", sagte OeNB-Direktor Duchatczek am Mittwochabend vor Journalisten. Aber ein Ausfall durch Krisen sei ein Thema, mit dem man sich befassen müsse. Österreich sei das einzige Land, das im Interbanken-Zahlungsverkehr anstelle eines Clearinghauses immer noch das Korrespondenzbanking praktiziere.

Ein Clearingsystem sei sicherer, effizienter, liquiditätsschonender, auch ein "Versicherungsthema", argumentiert die OeNB. Bisher, so die Notenbank, sei in einem dichten Netz von Korrespondenzbankbeziehungen durch die traditionell starke Streuung auf eine Vielzahl von Teilnehmern keine "Systemrisikodimension" gesehen worden. Die OeNB verweist nun allerdings auf Konzentrationstendenzen, womit das Risikopotenzial steige. "Weiters gibt es in jedem Land eindeutige regionale Marktführer", heißt es dazu im neuen "Zahlungsverkehrsbericht", und: "von einer derart marktbeherrschenden Korrespondenzbank ausgehende Liquiditätsrisiken und Kreditrisiken könnten folglich systemische Dimensionen erlangen."

Hindernis am Weg zur Harmonisierung

In Deutschland betreibt die Bundesbank eine Clearingstelle für alle deutschen Banken, die damit 20 Prozent des Marktes abdeckt. In den USA operiert die US-Notenbank Fed als "Haupt-Clearinghaus". Für die Vision eines paneuropäischen Clearinghauses wären die jeweiligen Einzel-Systeme der Banken ebenfalls ein Hindernis am Weg zur Harmonisierung.

In jedem Fall würde die OeNB zumindest am Anfang maßgeblich dabei sein, sollte es zur Kooperation der Banken in Österreich kommen. Eine kritische Masse wäre schon nötig, damit sich eine solche Kooperation betriebswirtschaftlich rechnet. Also im Minimum vorerst 20 Prozent aller Transaktionen.

Das bedeutet, dass neben kleineren Banken zumindest zwei der "Big Five" mit dabei sein müssten, meinen Experten. 2004 hatten die Großbanken - nach immerhin mehr als 15 Jahre lang dauernden Überlegungen für eine Zahlungsverkehrsallianz - schon einen Letter of Intent zur Zusammenführung der Daten und Systeme unterschrieben. Weil damals aber der Streit zwischen Bank Austria und Erste Bank wegen des Haftungsverbunds eskalierte und sich auch Raiffeisen sperrte, wurde das Vorhaben damals begraben. Einzelne Banken fanden sich zu Teilallianzen, praktisch alle investierten selber in den Ausbau der EDV-Systeme. (APA)

 

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