ÖBB will Frist für Railjet bis 2011 strecken

27. August 2009, 17:52
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Einsatzgebiet und Geld für neuen Schnellzug gesucht – Storno kann Millionen kosten

Wien - Das Match um die Option auf den Kauf weiterer 16 ÖBB-Railjet-Schnellzüge verspricht Hochspannung. Es geht um 16 Zugsgarnituren (und nicht um 17, wie dem Standard seitens der Bahn irrtümlich mitgeteilt worden war, Anm.), über deren Kauf die ÖBB-Personenverkehr AG den Elektromulti Siemens bis Jahresende grünes Licht geben muss. Ordern die Eisenbahner die Railjet-Züge - entgegen der im Herbst 2007 fixierten Order - doch nicht, könnte ihnen aus dieser Option eine Abschlagszahlung in Höhe von bis zu vier Millionen Euro entstehen.
Dass derartige Mehrkosten je fällig werden könnten, erwartet die für den ÖBB-Personenfernverkehr zuständige Vorstandsdirektorin Gabriele Lutter allerdings nicht. Siemens könne der ÖBB im Fall eines Stornos allenfalls jene Kosten in Rechnung stellen, die im Jahr 2009 für jene 16 Railjets angefallen sind, die 2013 und 2014 ausgeliefert werden sollen, erklärt Lutter das Procedere. Bei einer Entwicklungszeit von zwei bis drei Jahren seien Vorarbeiten allein im Jahr 2009 im Volumen von auf vier Millionen schlicht nicht plausibel.
Produktions- und Verkehrstechnik-Experten sehen das . Es sei kein Problem, eine Forderung in dieser Größenordnung (die Siemensianer in der Bahn bereits deponiert haben sollen), darzustellen. Rohstoff- und Ersatzteil-Orders seien in der Hochkonjunktur teils in Langfristverträgen geordert worden, massive Preisschwankungen inklusive.

Zwei Möglichkeiten

Laut Lutter hat die ÖBB im Prinzip zwei Möglichkeiten: Sie kauft die 16 Züge vereinbarungsgemäß und stockt so ihren Fahrzeugpark auf 67 Railjets auf, oder sie storniert die Bestellung. Letzteres wäre eine Kriegserklärung und würde wohl Streit mit Siemens bedeuten.
„Ob wir die Option ziehen, hängt davon ab, wo wir den Railjet wirtschaftlich sinnvoll einsetzen können", sagt Lutter, „und ich bin überzeugt, wir werden sie finden." Auf der Südbahn wohl eher nicht, denn auf Fahrten bis Wiener Neustadt mit subventionierten Verkehrsverbundtickets lässt sich kaum Geld verdienen. Lutter denkt eher an die Westbahn und das Ausland. Bis Strecken gefunden sind, versucht die Bahn, die Kaufoption bis Ende 2010 zu verlängern. Diese Atempause will man nützen, um das fehlende Geld für die in drei Tranchen (23, 28 und 16) ausgelieferten 67 Railjets um 816 Mio. Euro aufzutreiben.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.8.2009)

 

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