Ausgeglichene Bilanz

27. August 2009, 17:49
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Der Film von Andreas Kleinert begleitet drei Figuren eine Zeit lang hinein in ein sich zuspitzendes Doppelspiel - Freitag auf Arte

Bernd ist mit Lena verheiratet, aber er unterhält auch eine Beziehung zu Melanie. Lena war der Arbeit wegen lange in Süddeutschland, jetzt erst ist sie ihrem Mann nach Berlin gefolgt. Sie könnte sich allmählich vorstellen, ein Kind zu kriegen. Ein verwunschenes, altes Häuschen im Brandenburgischen findet sich bei einem Ausflug - dort ließe sich als Jungfamilie gut leben, die betagte Besitzerin wird das Projekt nicht auf Dauer stören. Während Lena mit Renovieren beschäftigt ist, hat Bernd jedoch erst einmal mehr Zeit für Melanie. Diese ihrerseits hat sich in fröhlicher Abgeklärtheit halbwegs gut als Zweitfrau eingerichtet, sie lässt sich aber auch bereitwillig auf die Dinge ein, die Bernd darüber hinaus in Aussicht stellt. 

Haus und Kind von Andreas Kleinert begleitet diese drei Figuren eine Zeit lang hinein in ein sich zuspitzendes Doppelspiel, in dem allerdings die Positionen nicht so klar zugeteilt sind, wie man meinen möchte. Was anfänglich noch Züge einer sommerlichen Beziehungskomödie hat, wandelt sich mehr und mehr zu einer kühlen, pessimistischen Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, in der alle betrügen und so letztlich ausgeglichen bilanzieren. Ob das auch glücklich macht?

Das Drehbuch hat der inzwischen 78-jährige Wolfgang Kohlhaase geschrieben, eine prägende Figur des ostdeutschen Kinos. Er hat die nachmaligen Defa-Klassiker Berlin - Ecke Schönhauser, Ich war neunzehn oder Solo Sunny verfasst, seit einigen Jahren arbeitet er nun mit einer jüngeren Generation noch DDR-sozialisierter Filmemacher zusammen: Andreas Dresen verfilmte 2005 Sommer vorm Balkon, und Whisky mit Wodka kommt im Herbst ins Kino. Die Premiere von Kleinerts Fernsehfilm läuft Freitag bei: Arte, 21.00. (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 28.82.2009)

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