Ex-Häftling will USA verklagen

27. August 2009, 17:00
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Mohammed Jawad war einer der jüngsten "Gitmo"-Insassen

Kabul - Nach seiner Freilassung will Mohammad Jawad, einer der jüngsten Guantanamo-Häftlinge, von den USA eine Entschädigung für seine siebenjährige Gefangenschaft erstreiten. Zudem fordere er eine sofortige finanzielle Unterstützung für Essen und Unterkunft, sagte sein Anwalt Eric Montalvo am Donnerstag in Kabul.

Es sei "inakzeptabel", Jawad nicht bei seiner Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu helfen, nachdem er sieben Jahre lang festgehalten wurde. Gegen Jawad war nie Anklage erhoben worden, da seine Aussagen nach Einschätzung der US-Justiz unter Folter erzwungen worden waren. Anfang der Woche wurde er nach Kabul geflogen.

Die USA verdächtigten Jawad, mit einer Handgranate einen Anschlag auf ein US-Militärfahrzeug verübt zu haben. Seiner Familie zufolge war er erst zwölf Jahre alt, als er Ende 2002 in Kabul festgenommen und in das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht wurde. Das US-Verteidigungsministerium erklärte hingegen, er sei bei seiner Festnahme 16 oder 17 Jahre alt gewesen.

Jawad gab später bei einem Verhör durch afghanische Beamte die Tat zu, widerrief sein Geständnis aber später mit der Begründung, dass er bei der Vernehmung gefoltert worden sei. Ein Militärrichter in Guantánamo Bay räumte voriges Jahr ein, dass es außer dem durch Folter erpressten Geständnis keinen Beweis für Jawads Schuld gebe. Ende Juli hatte eine US-Bundesrichterin seine Entlassung verfügt, nachdem die amerikanische Regierung ihren Widerstand gegen einen solchen Schritt aufgegeben hatte.

Zwar habe der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak Jawad Unterstützung versprochen, sagte Montalvo. Dennoch müssten auch die USA seinem Mandanten helfen, da mangelnde Bildung und die Armut seiner Familie dessen Rückkehr in ein normales Leben erschwerten.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai begrüßte die Freilassung Jawads. In einer Mitteilung von Karzais Büro hieß es am Donnerstag, der Präsident habe Jawad im Palast empfangen. Die Behörden seien angewiesen worden, ihn und seine Familie zu unterstützen. (APA/AFP/dpa)

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