WM-Fiasko für Österreich: Nur ein Kampf gewonnen

27. August 2009, 16:28
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Frühes Aus für Medaillenanwärterin Filzmoser - Quellmalz: "Manchmal läuft es so wie jetzt - unheimlich schlecht"

Rotterdam - Acht Monate vor den Heim-Europameisterschaften in Wien haben Österreichs Judoka mit eindrucksvollen Leistungen bei den Welttitelkämpfen in Rotterdam die Aufmerksamkeit auf ihren Sport lenken wollen, stattdessen gab es nur enttäuschte Gesichter. Wie am Vortag Gold-Tipp Ludwig Paischer scheiterte am Donnerstag auch Medaillenanwärterin Sabrina Filzmoser vorzeitig. Die Oberösterreicherin besiegte zum Auftakt in der Gewichtsklasse bis 57 kg die Schwedin Jennie Andreasson mit einem Yuko, musste sich dann aber Kifajat Gasimowa aus Aserbaidschan eine Minute vor dem Ende mit Ippon geschlagen geben.

Nur ein Sieg aus fünf Kämpfen lautet die Zwischenbilanz des Österreichischen Verbandes (ÖJV), nachdem vier der fünf WM-Teilnehmer im Einsatz waren - am Samstag tritt noch Max Schirnhofer (bis 90 kg) an. Nach den Auftaktniederlagen am Mittwoch für Paischer (bis 60 kg) und Andreas Mitterfellner (bis 66) war am Donnerstag auch Peter Scharinger (bis 73 kg) nur einmal auf der Matte. Der positive Abschluss des ersten Kampfes von Filzmoser in Rotterdam war da nur ein schwacher Trost. Österreich war zuletzt in der Osaka-WM 2003 bei einem Großereignis (Olympia, WM, EM) ohne Medaille geblieben, es läge an Schirnhofer, wenigstens eine Platzierung (Top acht) herauszuholen. Das darf vom WM-Debütanten aber kaum gefordert werden.

Filzmoser (29) war es gut gelungen, das Abschneiden ihrer Kollegen wegzustecken. "Ich habe dieses Mal versucht, mich auf mich zu konzentrieren, das Egoistenschwein rauszulassen, obwohl mir so etwas schwer fällt. Aber ich wusste, Lupo hat schon so viel gewonnen, dass er so einen Tag wie gestern wegstecken wird", war die Sportlerin gut auf ihre Aufgabe eingestellt gewesen. Trotzdem mühte sie sich dann durch ihren ersten Kampf ("Ich wollte sie werfen, hatte aber nicht die Cleverness, die ein Routinier haben soll"), war "voll fertig" und hatte Mühe, sich für den zweiten wieder aufzurichten. Mit Hilfe von Nationaltrainer Udo Quellmalz, der selbst Bedenken hatte, dass sich seine Athleten so rasch erholt, gelang es aber.

Gasimowa, explosiv und schnellkräftig und damit nicht nach dem Geschmack von Filzmoser, hatte ihren ersten Kampf in zehn Sekunden hinter sich gebracht und ging frisch in die Auseinandersetzung mit der Österreicherin. Bis eine Minute vor Schluss hielt sich Filzmoser an des Trainers Anweisungen, lag in Führung (die deutlicher sein hätte können, jedoch wurde eine Wertung nicht gegeben), machte dann aber den entscheidenden Fehler und wurde geworfen. Quellmalz: "Ein taktischer Fehler, Sabsi ist nach vorne draufgelaufen, das weiß sie aber, dass man das bei Gasimowa nicht darf. Die hat dann eine wunderschöne Technik angewandt."

Der Deutsche Quellmalz, selbst Olympiasieger und zweifacher Weltmeister, sprach von einem sehr enttäuschenden Abschneiden seiner WM-Mannschaft. "Wir sind alle ganz geknickt. Das ist sehr, sehr bitter. Ich leide mit, und es tut mir unheimlich weh. Aber manchmal läuft es so wie jetzt - unheimlich schlecht. Man kann sich jetzt tausend Fragen stellen, wieso es nicht geklappt hat, aber die werden genauso schwer zu beantworten sein wie die Fragen, wenn es super gelaufen wäre." Die Athleten jedenfalls könnten sich nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben, die Vorbereitung sei sehr professionell abgelaufen.

Der zweite WM-Tag hatte für das rot-weiß-rote Team bereits unerfreulich begonnen, Scharinger hatte sich dem Kanadier Nicholas Tritton mit einem Yuko (1:2 Shido) beugen müssen. Der Athlet des UJZ Mühlviertel war über große Teile der bessere Kämpfer gewesen, hatte aber zu spät aufgedreht. "So ist es im Judosport. Es ist ein Momentsport. Ich habe am Anfang zu wenig Akzente gesetzt und dann ist mir die Zeit ausgegangen", sagte Scharinger. Sein Gegner habe sich "seitlich so draufgehängt", dass er seine Stärken nicht habe ausspielen können. Auch die vorhergangenen drei Aufeinandertreffen war jeweils ohne Wertung geblieben, sondern nur durch Strafen entschieden worden. (APA)

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