Das dauert, Alter

27. August 2009, 16:57
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Nicht nur mit 15 Monaten weiß der männliche Mitteleuropäer mitunter nicht, was er tut. Auch Anfang vierzig ist man vor Verletzungen nicht gefeit

Die entstehen, obwohl man es besser wissen sollte. Meine Frau sagt, ich bräuchte mich über den Wurm gar nicht mehr wundern, wenn er - altergemäß passend - geradeaus auf Kellerstiegen zuläuft, mit dem Dreirad in den Bach fahren oder auf dem Lenkrad des Baby Racers balancieren will. Ich wäre um nichts besser, was die mangelnde kognitive Verarbeitungsfähigkeit meiner motorischen Unzulänglichkeiten betreffe. Sie können sich vorstellen, was meine Frau von Beruf ist, sie ist aber noch in Karenz, also übt sie zu Hause an mir.

Ich wollte den Wurm vom im riesigen Garten meiner landwirtschaftlich tätigen Verwandtschaft herumstehenden gefährlichen Gerät ablenken und ihm zeigen, wie gut der Papa auf dem zwischen alten Apfelbäumen gespannten Balancierband balancieren kann. Bereits beim Aufsteigen habe ich die Bänder im Knie des Standbeins überdehnt.

"Das dauert lang, Alter", sagte der Kollege vom Konkurrenzblatt, der zwar hierzulande Zweitbester seiner Altersklasse im Klettern, aber auch versiert im Sichverletzen ist. Ich traf ihn ausgerechnet beim Gescheiterltreffen im Tiroler Alpindorf, wo ich mich - als Flachländer ohnehin überfordert - nun mit kaputtem Knie herumschleppe. Sehr gescheit. Meine Legitimation als Vorbild für den Wurm hat wohl hiermit gehörig gelitten. (Leo Szemeliker/DER STANDARD/Automobil/28.8.2009)

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    Vorbild Papa? Jetzt höchstens noch als Pflasterträger.

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