Römischer Bronze-Pferdekopf in Hessen entdeckt

27. August 2009 16:11

Der fast vollständige Pferdekopf gehört zu einer Reiterstatue, die wohl Kaiser Augustus darstellt

Frankfurt - Der Fund eines lebensgroßen Pferdekopfs einer vergoldeten römischen Reiterstatue versetzt deutsche Archäologen in Aufregung. "Diese Bronzeskulptur gehört qualitativ zu den besten Stücken, die jemals auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs gefunden wurden", präsentierte Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann in Frankfurt die Entdeckung, die bei bei Ausgrabungen in der römischen Stadt Waldgirmes (Gemeinde Lahnau / Lahn-Dill-Kreis) gemacht worden war. "Der Fund hat wegen seiner künstlerischen Qualität und seiner Provenienz eine weit über Hessen und auch über den nordalpinen Raum hinausgehende Bedeutung", betonte die Ministerin.

Im Rahmen der seit mehreren Jahren durchgeführten Ausgrabungen waren immer wieder Bruchstücke eines lebensgroßen Reiterstandbilds zutage gefördert worden. Mehr als 100 Teile sollen es insgesamt sein. Bei der Freilegung eines der beiden bisher nachgewiesenen Holzbrunnen wurde kürzlich der fast vollständige Pferdekopf gefunden. Der mit Goldfolie verzierte Kopf lag auf der Brunnensohle, gab das Deutsche Archäologische Institut bekannt. Das Zaumzeug des Pferds ist mit sechs Zierscheiben reich geschmückt. Auf der Stirn befindet sich eine Platte mit der Darstellung des Kriegsgottes Mars, an den Seiten sind so genannte Viktorien (Siegesgöttinnen) angebracht.

Hintergrund

Die Reiterstatue, die wohl Kaiser Augustus darstellt, der von 23 vor bis 14 nach Christus regierte, muss in den Jahren 4 oder 3 vor Christus - zur Zeit der Anlage der römischen Stadt Waldgirmes - aufgestellt worden sein. Um 9 nach Christus, nach der Niederlage des Varus in der so genannten "Schlacht im Teutoburger Wald", gaben die Römer die Stadt auf. 

Das Standbild wurde nach Einschätzung der Fachleute vermutlich von nachfolgenden Germanen zerschlagen und der Pferdekopf rituell in dem Brunnen versenkt, während die anderen Reste weiterverwendet werden sollten. (red)


Link
Deutsches Archäologisches Institut: "Ein Fund von europäischer Bedeutung"

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Posting 1 bis 25 von 33
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Mathias
 
01.09.2009 15:50
Das Leben des Brian

Rech:

Also gut. Mal abgesehen von sanitären Einrichtungen, der Medizin, dem Schulwesen, Wein,
der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, Straßen, der Wasseraufbereitung und der
allgemeinen Krankenkassen, was, frage ich euch, haben die Römer JE für uns getan? ....

==McMurphy==
28.08.2009 09:14
ich sehe

den met-getränkten germanen vor mir,
als er auf das abbild des großen augustus trifft...

..und mit einem schwerthieb dessen pferd köpft und in den hohlen rumpf der pax augusta uriniert.

den pferdeschädel wird er dann einem konkurrenten ins bett gelegt haben, um ihn subtil davon abzuhalten, für eine hauptrolle im circus maximus jemanden anderen als ihn selbst zu nominieren.

Nick Tameer
28.08.2009 03:03

Ungeachtet aller künstlerischen Qualität, die Römer scheinen in der Peripherie eher Klempnerarbeiten als solide Gußware aufgestellt zu haben. Man könnte natürlich auch sagen, dass sie bereits über hochentwickelte, materialsparende Gusstechniken verfügten, aber, werter Imperator, ruhmreicher Caesar, göttlicher Augustus und sauberer Pater Patriae - ein Geschmäckle bleibt.

GAGA3
27.08.2009 16:39

Da hätte ich als Germane eher den Kopf des Augustus versenkt; was kann denn sein armes Pferd für die römischen Untaten?

Nick Tameer
27.08.2009 17:45

Solche Dinge werden nur bei tiefer Versenkung in die Gedankenwelt der Germanen verständlich: Die Unterwelts- oder Brunnengöttern waren wild auf Pferdefleisch, auch virtuell bzw. in effigie, während sie Augustusse in jeder Form igitt fanden.

Günter Bachbauer
27.08.2009 17:13

Untaten? So weit ich mich erinnern kann waren es die Römer, die uns "das Recht" überhaupt erst ermöglicht haben.

Noch dazu waren die damaligen Germanen auch kein Volk von Traurigkeit. Ganze röm. Legionen wurden völlig ausgelöscht. Nette Deutsche stell ich mir anders vor ;-)


mfg

pauljoe
 
28.08.2009 13:30

"keine-traurigkeit-weil-ganze-legionen-ausgelöscht"

interessante assoziative logik!
oder doch nur ein begriffliches missgeschick?

vielleicht ein fall von 'wörtergrippe' !

Reconquistador
28.08.2009 10:43
Recht?

Ja, zum Beispiel Todesurteile durch Kreuzigung ! Die Germanen kannten das nämlich nicht! Da gabs noch Blutgeld! Da konnten sich Mörder noch freikaufen! Sowas!

Nick Tameer
28.08.2009 12:00

Die humanen Germanen brachten allerdings auch Menschenopfer dar und kannten, soweit man Tacitus glauben kann, die Todesstrafe für diverse Delikte.

Reconquistador
28.08.2009 12:06
Hallo..

es ging um "Recht" und nicht um Humanität oder gar Menschenopfer. Und Tacitus ist befangen, weil Römer;-).

das kleine Maßnahmenpaket
01.09.2009 16:21

mag sein, aber einen ausführlicheren zeitgenössischen Chronisten als Tacitus haben wir nicht, und ihre Kenntnisse über das germanische Recht (...durften sich freikaufen, s. oben...) dürften auch aus römischen Quellen stammen?

pauljoe
 
28.08.2009 13:37

wer wäre in dem fall zum beispiel nicht befangen?

Reconquistador
28.08.2009 14:06
Es gibt keine anderen Quellen...

ausser die römischen Quellen zu diesem "Fall" (was sie damit auch meinen mögen). Die Germanen haben nichts schriftliches hinterlassen. Es existieren also lediglich die römische Quellen und die schrieben ihre eigenen (Auf)Fassungen nieder. Die fielen mit Sicherheit nicht wohlwollend in Hinblick auf ein postives Germanenbild aus (weil eben Gegner). Also alles ziemlich einseitig und daher anzweifelbar. Das Meiste basierte auf Hörensagen und konnte durch die Autoren gar nicht bezeugt werden.

pauljoe
 
28.08.2009 14:58
antike meuchelmörder

mit 'fall' ist der hier diskutierte vergleich des antiken rechtsbegriffs beidseits des limes gemeint;

meiner ansicht nach relativiert sich dieser vergleich, übrigens insofern, dass wohl - soweit bekannt - beidseits des limes effektiv und öffentlich gemeuchelt wurde.
im unterschied zu heute. da passiert es meist heimlich und seltener wie ich zu meinen glaube.
unser heutiges rechtssystem nur, geht eben großteils auf das römische zurück - in seinen methodischen grundzügen.

mich hat der begriff 'befangen' interessiert, da er relativ ungebräuchlich ist im historischen sprachgebrauch, wie ich ihn kenne. relativ im vergleich zum (aktuellen) juristischen sprachgebrauch.

Nick Tameer
29.08.2009 08:18

"... unser heutiges rechtssystem nur, geht eben großteils auf das römische zurück..."

Was aber nicht heißt, dass diese Einflüsse unmittelbar auf die Zeiten römischer Besatzung zurückgehen. Die Einflüsse durch die Rezeption des römischen Rechts ab der Renaissance (übrigens keine so ganz harmlose Sache,die umstandslos als zivilisatorischer Fortschritt verbucht werden kann) ausgeübt wurden, dürften stärker und direkter sein. Abgesehen davon erscheint es mir nicht sehr verwunderlich, wenn ähnliche rechtliche bzw. soziale Probleme auch zu ähnlichen rechtlichen Lösungen führen, weshalb die Bedeutung der historischen Ursprünge des Rechts wohl überschätzt wird.

==McMurphy==
28.08.2009 15:32

..."unser heutiges rechtssystem".

mir ist das angel-sächsische beim a.... lieber.

...und das ist wie geprägt?

pauljoe
 
28.08.2009 15:45

auch römisch z.t., soweit ich zu wissen glaube

alles hat ein (mehrere) für und wider
ich halte das der vereinigten staaten für interessant

Reconquistador
28.08.2009 15:20

Mit Befangenheit wird der Zustand eingeschränkter (d. h. nicht unabhängiger) Urteilsfähigkeit einer Person auf Grund einer im speziellen vorliegenden persönlichen Motiv- oder Sachlage oder eingeschränkten Urteilsvermögens auf Grund von einseitig (!!) d. h. nicht in ausgewogenem Verhältnis vorliegenden Vorabinformationen bezeichnet.
Hier speziell auf die einseitige Quellenlage durch Tacitus (Germania) bezogen.
Der Begriff "Befangen" ist nicht für den juristischen Sprachgebrauch reserviert. Völlig gleichgültig ob üblich oder unüblich. Ich befürchte aber, aufgrund ihrer Postings, dass sie den Zusammenhang verstehen.


pauljoe
 
28.08.2009 15:42
ich freu mich immer..

..wenn jemand zusammenhänge versteht anstatt mich zu fürchten!

letzte erklärung ist jedenfalls überzeugend und brillant (wikipedia?)

ich brachte 'befangen' mit einvernahmen und gerichtlichen aussagen in verbindung. das wird sich nun ändern !

Reconquistador
28.08.2009 15:50
Klar...

Wikipedia ist oft (leider nicht immer) eine gute Quelle.
Natürlich fürchte ich, dass Sie das am Ende verstehen und alles geklärt ist. Denn dann gibt es nichts mehr zu posten. Schade, ist ein interessantes Thema!

pauljoe
 
28.08.2009 16:36

es gibt immer etwas zu posten !

Igor Gassner
28.08.2009 08:28
NUn die römische Besatzungspolitik stand dem 20 JH in nichts nach

da hätt ich gleich links neben Hermann ( oder Herrmar) auch kräftig zugelangt

Nick Tameer
28.08.2009 12:24
Hermann heeßt er?

"Hermann" hat er jewiss nich' jeheeßen, wa, da hat Luther unsachgemäß etymologisiert, und "Herrmar" wird genauso wenig durch irgendeine Quelle gestützt, ist also reine Phantasie. Man sollte unseriösen Sites nicht vertrauen.

(So wie er den Varus aufs Kreuz gelegt hat, kann seine Ehre immerhin nicht Treue jeheeßen haben.)

Reconquistador
28.08.2009 13:10
Meine Ehre heisst Treue...

das stand auf seinem Cingulum. Zumindest als er noch seine römische Rüstung trug;-).

Geschicktes Taktieren und Irreführen war auch ein Teil des Erfolgs. Die Römer haben es auch nicht anders praktiziert in ihren feldzügen. Humanität konnte er sich nicht leisten, wenn er gegen die schlagkräftigste Armee des Altertums Erfolg haben wollte.

Nick Tameer
28.08.2009 15:22

Aber es war keine "Kriegslist", sondern er hat, wie es scheint, das persönliche Vertrauen von Varus (man kann natürlich sagen, dass der es verdient hatte) skrupellos hintergangen und ihm schamlos die Hucke vollgelogen. "Ummet spaher spenis mih mit dinem wuortun wili mih dinu speru werpan" ('Ungeheuer schlau, umgarnst du mich mit deinen Worten und willst deinen Speer nach mir werfen', wie es Hildebrandslied heißt. So was kam bei den Germanen wohl öfter vor).

Auch wenn dies der einzige Weg zum Erfolg war,
das Idealbild des edlen treuen teutschen Recken war er irgendwie nicht und ich hätte ihm danach keinen Schritt mehr über den Weg getraut.

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