MDR zieht geplante Interviews mit Merkel und Steinmeier zurück

27. August 2009, 15:05
posten

Proteste gegen Auftritt der deutschen Kanzlerin vor Landtagswahlen, aber von Kanzlerkandidat erst nach der Wahl

Nach Protesten hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) zwei geplante Fernsehinterviews mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zurückgezogen. Die Terminwahl seines Senders sei unglücklich gewesen, begründete MDR-Intendant Udo Reiter den Entschluss am Donnerstag in Leipzig. Das Merkel-Interview sollte ursprünglich am Donnerstag und damit drei Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen gesendet werden. Dagegen sollte das Steinmeier-Interview erst am 10. September, also mehr als eine Woche nach den Landtagswahlen, gezeigt werden.

Dadurch wäre eine einseitige Beeinflussung der Wahlkämpfe in den beiden MDR-Ländern Sachsen und Thüringen nicht auszuschließen gewesen, erklärte Reiter. Um den Grundsatz der Chancengleichheit nicht zu gefährden, verzichte der Sender auf die Interviews.

Kritik von Linkspartei und SPD

Linkspartei und SPD hatten gegen das geplante Merkel-Interview so kurz vor den Wahlen protestiert. Die Fraktionschefs der Linkspartei in den Landtagen von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sahen darin einen Verstoß gegen den MDR-Staatsvertrag. Darin sei festgehalten, dass das Gesamtprogramm "nicht einseitig einer Partei oder Gruppe" dienen dürfe. "Mit dieser Extrawurst für Angela Merkel drei Tage vor den Landtagswahlen offenbart der MDR, dass er nicht parteipolitisch neutral ist", hieß es am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung der Fraktionschefs. Sie warfen dem Sender vor, die Wahlen in Thüringen und Sachsen beeinflussen zu wollen.

Auch der Thüringer SPD-Medienpolitiker Werner Pidde hatte Zweifel an der parteipolitischen Neutralität des Senders geäußert und den MDR aufgefordert, die geplante Sendung mit Merkel aus dem Programm zu nehmen. (APA)

Share if you care.