China kritisiert Besuch erneut

31. August 2009, 14:24
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Präsident wird Dalai Lama nicht treffen - Besuch "religiösen und humanitären" Charakter - Dalai Lama lobt Demokratie in Taiwan - Mit Video

Taipeh - China hat den Besuch des Dalai Lama in Taiwan erneut kritisiert. Kurz nachdem das Exil-Oberhaupt der Tibeter am Sonntagabend in Taiwan eintraf, warnten chinesische Staatsmedien vor einer Verschlechterung der Beziehungen. Der Besuch eines Mannes, der von China als Separatist erachtet werde, könne einen negativen Einfluss auf die beiderseitigen Beziehungen haben, hieß es am Montag in staatlichen chinesischen Medien. Taiwan wird von der kommunistischen Führung in Peking als abtrünnige Provinz erachtet.

Der Dalai Lama hat die Demokratie in Taiwan gelobt. Bei seinem Besuch von Überlebenden des Taifuns Morakot in Südtaiwan sagte das religiöse Exil-Oberhaupt der Tibeter, die Taiwanesen müssten einerseits enge Beziehungen zum kommunistischen Festland-China unterhalten, zum anderen aber ihre Demokratie bewahren.

Präsident trifft Dalai Lama nicht

Um das Verhältnis zu China nicht weiter zu strapazieren, wird Taiwans Präsident Ma Ying-jeou während des fünftägigen Aufenthalts des Dalai Lama nicht mit diesem zusammentreffen. "Wir planen kein Treffen zwischen dem Präsidenten und dem Dalai Lama", sagte ein Sprecher Mas am Samstag in Taipeh. Dem Besuch des tibetischen Exil-Oberhauptes und Friedensnobelpreisträgers sei lediglich aus religiösen und humanitären Erwägungen zugestimmt worden.

Der Dalai Lama ist am Montag in die von Taifun "Morakot" zerstörten Gebiete im Süden Taiwans gereist. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter im Exil machte sich zunächst auf den Weg in das Dorf Hsiaolin, in dem bei heftigen Erdrutschen Anfang August mehr als 420 Menschen getötet worden waren. In ganz Taiwan kamen durch den Taifun mindestens 571 Menschen ums Leben. Der Dalai Lama war auf Einladung der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei nach Taiwan gereist. Es ist vorgesehen, dass er sich hauptsächlich in den Katastrophengebieten im Süden des Landes aufhalten wird, um mit Opfern des Taifuns "Morakot" zu beten und Mitglieder religiöser Gruppen zu treffen. "Ich bin ein Mönch, ich wurde gebeten, für den Frieden zu beten", sagte der Dalai Lama kurz nach seiner Ankunft in Taiwan am Sonntag. Mit seinem Besuch wolle er keine Politik machen. Es ist sein dritter Taiwan-Besuch nach 1997 und 2001. Ein Großteil der Bevölkerung der Insel ist buddhistisch.

Triumphaler Empfang 2001

Bei seinem Besuch im Jahr 2001 war dem Dalai Lama in Taiwan ein triumphaler Empfang bereitet worden. Die Regierung in Peking hatte damals die "Zusammenarbeit von verräterischen Separatistenkräften" angeprangert, "die die Spaltung Chinas anstreben". Aber ebenso wie Peking sieht Taipeh in Tibet einen unveräußerlichen Bestandteil Chinas. Die Pekinger kommunistische Presse hatte darauf hingewiesen, dass auch der ehemalige chinesische nationalistische Diktator Tschiang Kai-schek, der sich 1949 nach der Niederlage gegen die Kommunisten im Bürgerkrieg mit seiner Regierung auf die Insel zurückgezogen hatte, den 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, einst als "Vaterlandsverräter" bezeichnet hatte.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking hatte die chinesische Führung unter internationalem Druck der Aufnahme von Gesprächen mit der tibetischen Exilführung in Indien zugestimmt. Anfang November 2008 wurde die letzte Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung ergebnislos abgebrochen. Die Chinesen warfen dem Dalai Lama vor, nach wie vor einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen. (APA/Reuters)

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    Dalai Lama mit Überlebenden des Taifuns "Morakot" in Shiao Lin im Süden Taiwans.

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