Musikrundschau - flockig, bockig, rockig

27. August 2009, 17:03
1 Posting

Neue Alben von Lady Sovereign, Yacht, Simian Mobile Disco und Pissed Jeans

LADY SOVEREIGN
Jigsaw
(EMI)
Louise Amanda Harman alias Lady Sovereign ist seit ihrem Debüt von 2006 eine der erfolgreichsten Vertreterinnen eines dreckigen Plastik-Pop, der aus den Abfallprodukten zeitgenössischer Klangerzeugung zusammenmontiert wird: Klingelton-Musik, Rap, billiger Synthie-Pop, Angeber-Beats. Kreuz und quer zusammengeklaut - also so echt wie die täglich neue Haarfarbe -, aber partytauglich aufgesext, präsentiert sich nun Jigsaw, bei dem etwa Close To Me von The Cure, Arbeiten von Rockers Hi-Fi oder Moloko als qualitätsvoll abgesicherte Inspirationsquellen dienen. Vicky Pollard aus Little Britain hat sich das Album bereits illegal aus dem Netz gesaugt, um nach ihrem nächsten Ladendiebstahl zu einem coolen Soundtrack verhaftet zu werden. Yeah but! No.

YACHT
See Mystery Lights
(DFA/Universal)
Das aus Portland in Oregon stammende Unternehmen mit dem dämlichen Namen Yacht hat es mittels der hier vertretenen Hommage Summer Song an das große LCD Soundsystem auf dessen Label DFA geschafft. Einschlägige Ware, könnte man vermuten. Stimmt auch, aber See Mystery Lights erweist sich nicht nur als historisch belecktes Album, vor allem der sonnige Gospel des Openers und die vielschichtigen, dabei nie überladen wirkenden Ideenschübe, die hier meisterlich verwaltet werden, lassen das Album zum bislang einzig gültigen Überbrückungswerk bis zum nächsten LCDSS-Album werden. Flockig, bockig, rockig.

SIMIAN MOBILE DISCO
Temporary Pleasure
(Universal)
Die Mobile Disco-Einheit von Simian lädt sich hier jede Menge honorige Gäste ein - Beth Ditto von Gossip, Alexis Taylor von Hot Chip, Jamie Lidell ... - in Summe bringt das das Werk aber nicht wirklich vom Fleck. Trotz einiger beachtlicher Zwischenergebnisse im Fach eines avancierten Dance-Pop schafft es die große Klammer nicht, die es für ein Album braucht.

PISSED JEANS
King Of Jeans
(Sub Pop/Trost)
Der König der Blue-Jeans-Hose bleibt natürlich weiterhin der tatsächlich adelige David Dundas (Jeans On). Die Könige des im Schritt feuchten Beinkleids kommen aber aus Pennsylvania und trotzen mit ihrem den Zeitgeist der Krise mit Zorn und aggressiver Resignation einfangenden Noise-Rock sogar der New York Times Respekt ab. In der Tat ergeben der böse und tief gelegte Bass, das präzise geschundene Schlagzeug sowie Gitarrenriffs aus der Schule von The Jesus Lizard im Verein mit einem herrlich, ja, angepissten Gesang eine grundsätzlich nachvollziehbare Missstimmung, in der man wieder einmal so richtig deppert Bier (ver)schütten möchte. (flu / DER STANDARD, Printasugabe, 28.8.2009)

 

Share if you care.