Tobin-Tax gegen Boni-Maßlosigkeit

27. August 2009, 18:05
8 Postings

Im Kampf gegen maßlose Boni spricht sich der Chef der britischen Bankenaufsicht für die Einführung einer globalen Steuer auf Finanzgeschäfte aus

Mit scharfer Kritik am Finanzplatz London sorgt der Chef der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA für Aufsehen. Die City of London sei "über ihr sozialverträgliches Maß hinausgewachsen", glaubt Adair Turner und plädiert für eine härtere Begrenzung überdimensionierter Banker-Boni.
Ganze Teile der Finanzmarkt-Industrie wie Hedgefonds und Derivative seien "für die Gesellschaft nutzlos". Sollte eine Reduzierung nicht gelingen, müssten neue Steuern erwogen werden, sagt der FSA-Chairman: "Ich ziehe auch gern die Tobin-Steuer auf Finanztransaktionen in Betracht."

Die Tobin-Tax

Wirtschafts-Nobelpreisträger James Tobin (1918-2002) hatte in den 1970er-Jahren eine weltweite Abgabe auf Finanztransaktionen vorgeschlagen. Das Vorhaben ist bisher an mangelnder internationaler Koordination gescheitert. Erst vor wenigen Wochen hatte Turners Behörde harte Kritik auf sich gezogen, weil sie klare Maßnahmen gegen die Super-Boni am wichtigsten Finanzplatz der Welt verwässert hatte.
Umso entsetzter geben sich jetzt die Lobbyisten der City of London. Erfahrene Insider wie Howard Wheeldon von BGC Brokers sprechen von "Entsetzen und Scham": "Wenn Lord Turner seine Branche nicht gut findet, sollte er sie meiden." Der Sprecher des Bankenverbandes Brian Capon, argumentiert mit der internationalen Konkurrenz: "Wenn wir falsche Vorschriften oder Steuern einführen, verlieren wir ganz schnell unsere führende Position."

Vor dem G-20-Gipfel

Diesem Argument begegnet Turner in seinem Interview für das Monatsmagazin Prospect vorab: Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der City of London sei "kein wichtiges Ziel". Turners Vorstoß kommt nicht zufällig vier Wochen vor dem G-20-Gipfel in Pittsburgh, wo die Staats- und Regierungschefs erneut über die globale Finanzmarkt-Architektur beraten wollen. Der FSA-Chairman gilt als einer der profiliertesten Banken-Aufseher weltweit. Im Vorfeld des Londoner G-20-Gipfels beeindruckte er im Frühjahr zunächst durch eine profunde Analyse der Finanzkrise vom vergangenen Herbst und legte dann Vorschläge für eine bessere internationale Koordination der Aufsichtsbehörden vor. Davon fand etliches Aufnahme in die Gipfel-Beschlüsse.
Diesmal genießt Turner nicht die Rückendeckung der Regierung: Neue Steuern seien "Sache des Finanzministeriums". Die eigene Behörde machte deutlich, Turner habe keine neue Strategie verkünden, sondern einen Diskussionsbeitrag leisten wollen.(Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.28.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Bankensektor mit seinen enormen Salären ist so stark gewachsen, dass er laut Adair Turner für die Gesellschaft zu groß sei - deshalb brauche es drastische Schritte, um ihn zurückzustutzen.

Share if you care.