Schönborn will Runden Tisch zu "flankierenden Maßnahmen"

27. August 2009, 14:54
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30-Jahres-Feier für "pro:woman-Ambulatorium" im Wiener Rathaus: Kardinal plädoyiert in Schreiben an Bürgermeister Häupl für Konses hinsichtlich "Schutz des Lebens" - Wehsely: "Absage keine Option"

Wien - Kardinal Christoph Schönborn hat sich anlässlich der im Wiener Rathaus geplanten Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen des "pro:woman-Ambulatoriums" in einem persönlichen Brief an Bürgermeister Michael Häupl gewandt. Wie Kathpress berichtet, sieht der Wiener Erzbischof in einem solchen Fest verdeutlicht, dass es "offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt".

Schönborn betonte, dass die Kirche nicht "nach Strafe für verzweifelte Frauen" ruft, doch "Abtreibung sei keine Lösung". Er verwies auf das österreichische Gesetz, das "sehr deutlich" sage, dass Abtreibung "Unrecht" ist: "Es geht um die Tötung menschlichen Lebens. Das ist keine Bagatelle".

Maßnahmen zum Schutz des ungeborenen Lebens

Statt einer Festveranstaltung für ein Abtreibungsambulatorium wäre es an der Zeit, "dass wir uns an einem 'Runden Tisch' zusammensetzen, um über die Verwirklichung jener 'flankierenden Maßnahmen' zur Fristenregelung zu reden, die Bundeskanzler Bruno Kreisky 1974 zusagt hat", so Schönborn. Unter entsprechenden Maßnahmen versteht Schönborn Beratungs-Modelle kirchlicher Einrichtungen wie den Wiener Diözesanen Hilfsfonds für Schwangere in Not: "In den 36 Jahren seit der Gründung des Hilfsfonds konnte tausenden Frauen geholfen werden - materiell und seelisch -, tausende Kinder wurden geboren, weil es diesen Fonds gibt".

Schönborn betonte, er hoffe, dass es nicht zu der am 3. September geplanten Veranstaltung im Rathaus komme, und auch der St. Pöltner Bischof Klaus Küng hat sich diesbezüglich als Verantwortlicher für Ehe, Familie und Lebensschutz der österreichischen Bischofskonferenz zu Wort gemeldet: "Ich frage mich als Mensch und Bischof, was da eigentlich genau gefeiert werden soll. Das 30-jährige Bestehen einer Abtreibungsklinik, in der tausende Kinder ums Leben gekommen sind, kann doch kein Grund zum Feiern sein", so Küng in einer Aussendung. Häupl gebe mit der Erlaubnis, die Feier im Rathaus zu veranstalten, ein völlig falsches Signal.

"Cocktailempfang von Wehsely organisiert"

Aus dem Büro von Häupl hieß es, man werde selbstverständlich - schriftlich - auf den Kardinalsbrief antworten und betonte zugleich, dass es sich bei der Veranstaltung nicht um einen Fest-, sondern um einen "Cocktailempfang" für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Beratungsstelle handle. Überdies werde dieser nicht vom Bürgermeister, sondern vom Büro der Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely organisiert.

Wehsely: "Absage keine Option"

Wehsely unterstrich indes, dass "eine Absage des Empfangs keine Option" ist. Das Recht der Frau auf Selbstbestimmung und damit über ihren eigenen Körper sei für sie und die SPÖ unantastbar: "Alle Versuche, dieses Recht anzutasten, sind indiskutabel."(red/APA)

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    "Abtreibung als Tötung menschlichen Lebens keine Bagatelle": Kardinal Schönborn redet Bürgermeister Häupl ins Gewissen, die 30-Jahres-Feier für die Abtreibungsklinik nicht im Rathaus über die Bühne gehen zu lassen und sich zum "Recht auf Leben" zu bekennen.

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