Hautaufhellung: Aus Schwarz wird Weiß

  • Das Thema Hautaufhellung ist vor allem im Zusammenhang mit einer Person Grund für Spekulationen geworden: Michael Jackson
    foto: reuters/lucas jackson

    Das Thema Hautaufhellung ist vor allem im Zusammenhang mit einer Person Grund für Spekulationen geworden: Michael Jackson

Hautaufhellungsprodukte finden vor allem in Asien und Afrika reißenden Absatz - Doch halten sie, was sie versprechen?

Es ist paradox: Während in unseren Breiten viele ein Sonnenbad genießen und sich bemühen, möglichst braun zu werden, wird in anderen Ländern oft krampfhaft versucht, die Haut aufzuhellen. In vielen Ländern Asiens und Afrikas finden so genannte Whitening-Produkte reißenden Absatz. Die Mittelchen, die weißere Haut verheißen, werden fast ausnahmslos von Frauen angewandt um dem Schönheitsideal des "weißen Westens" nachzukommen. Mit dem Fokus auf Bekämpfung von Alterserscheinungen, wie Pigmentstörungen, gewinnen Hautaufheller aber auch in Europa zunehmend an Bedeutung. Um die Haut ebenmäßiger bzw. heller aussehen zu lassen, verwenden Frauen zwar auch Make-up, doch Bleichmittel ermöglichen eine dauerhafte Aufhellung.

Aus Schwarz mach Weiß

Ausschlaggebend für die Hautfarbe ist der Melanin-Gehalt in der Haut, der genetisch bedingt ist. Bis zu einem gewissen Grad werden die Pigmente auch durch Sonnenbestrahlung, hormonelle Veränderungen und Medikamente beeinflusst. Die Aufgabe des Melanins, das in den Melanozyten, den pigmentbildenden Zellen der Haut entsteht, ist die Färbung der Haut zum Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung. Die Aktivität der Melanozyten wird durch das Enzym Tyrosinase gesteuert. Aus diesem Grund ist ein Großteil der hautaufhellenden Wirkstoffe Tyrosinase-hemmend. Die Unterdrückung der Melanin-Produktion zeigt sich allerdings erst nach einigen Wochen, da sich die Haut erneuern muss.

Auch Kortisonsalben, eigentlich zur Bekämpfung von Hautkrankheiten vorgesehen, werden zweckentfremdet und für die Hautaufhellung eingesetzt. Diese ist eine unerwünschte Nebenwirkung kortisonhältiger Präparate - für manche nicht ganz unerwünscht. Die Meidung der Sonnenstrahlung zusammen mit dem Gebrauch von Sonnenschutzmitteln ist die wichtigste begleitende Maßnahme zu aufhellenden Produkten. Denn: Egal welche Methode zur Hautaufhellung eingesetzt wird, die Wirkung kann bereits durch eine einmalige hohe Sonnendosis wieder zunichte gemacht werden.

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ...

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht regelmäßig Kosmetika und Arzneimittel auf Verträglichkeit bzw. gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe. Allein 2009 wurden bereits 15 verschiedene Hautbleichmittel in der Kosmetikabteilung der AGES untersucht. Erst kürzlich warnte die Institution vor einem dubiosen Hautaufhellungsmittel (derStandard.at berichtete). Als Wirksubstanz für die Aufhellung kommen vor allem Hydrochinon, Kojisäure und Arbutin zum Einsatz. Ersteres ist laut AGES bei Kosmetika in der EU nur zu mehr in einer Konzentration von 0,02 Prozent in künstlichen Fingernagelsystemen zugelassen. Zudem sei die großflächige Anwendung von Hautbleichmitteln verboten.

Im medizinischen Bereich ist Hydrochinon die meist verwendete und wirksamste Substanz zur Hautaufhellung, die eine reversible Depigmentierung verursacht. "Hydrochinon kommt etwa bei Melasma (dunkle Flecken im Gesicht, Anm.) oder bei anderen Krankheiten, die auf eine Hyperaktivität der pigmentbildenden Zellen zurückzuführen ist, zur Anwendung. Die Substanz wird aber auch allzu oft ohne ärztliche Anleitung zur Bleichung von dunklerer Haut verwendet", erklärt Adrian Tanew, Dermatologe am Wiener AKH. Der Mediziner warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor Nebenwirkungen, die auftreten können, wird die Bleichsubstanz falsch angewandt: "Es kann zu Hautirritationen oder einer permanenten Depigmentierung, zu paradoxen Reaktionen wie einer Hyperpigmentierung oder im Extremfall zu allgemeinen Nebenwirkungen wie Nierenschädigung kommen."

Mythos Michael Jacksen

Das Thema Hautaufhellung ist vor allem im Zusammenhang mit einer Person Grund für Spekulationen geworden: Michael Jackson. Kinderfotos des „King of Pop" zeigen ihn mit dunkler Hautfarbe, doch seit Ende der 1980er Jahre veränderten sich nicht nur Nase und Kinn, sondern auch seine Haut wurde immer heller. Ab den 1990er Jahren wies nichts mehr auf seine afroamerikanische Herkunft hin. In einem Interview erklärte Jackson, an der Hautkrankheit Vitiligo zu leiden - eine Krankheit, die durch weiße, pigmentfreie Hautflecken gekennzeichnet ist. Im Normalfall betrifft die Krankheit kleinere Hautareale, sie kann sich aber ausbreiten. Betroffene decken häufig den störenden Kontrast zwischen depigmentierter und normaler Haut ab. "Es gibt aber auch Substanzen, die die Haut permanent bleichen", sagt Tanew. Diese würden aber nur sehr selten zum Einsatz kommen - in Europa nahezu nie. Eine Anwendung sei etwa dann gerechtfertigt, wenn eine Person mit schwarzer Hautfarbe an Vitiligo leidet und nur noch ein kleiner Prozentanteil an schwarzer Haut verbleibe. Es gebe aber auch Fälle, bei denen Personen ohne Vorliegen einer Hautkrankheit permanent gebleicht wurden.

Möglich ist es also, aus einer schwarzen, eine weiße Person zu machen. Im Namen der Schönheit werden die gesundheitlichen Risiken leider oft vernachlässigt. Aufgrund des europäischen Schnellwarnsystems für gefährliche Produkte (RAPEX) ist bekannt, dass für hautaufhellende Produkte auch Quecksilber oder Glucocorticoide eingesetzt werden. Solche Mittel sind zwar wirksam, können langfristig jedoch sogar zu einer Verdunkelung der Haut und schwerwiegenden Erkrankungen führen. (Ursula Schersch, derStandard.at, 27.08.2009)


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