Zwei Ärztinnen erkannten Todesursache nicht

27. August 2009, 09:55
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20-Jährige starb unter der Dusche an Kohlenmonoxid-Vergiftung

Wien - Zwei Amtsärztinnen müssen sich am Donnerstag im Bezirksgericht Wien-Meidling verantworten, weil sie bei einer 20-jährigen Studentin, die am 13. September 2008 tot in der Dusche zusammengebrochen war, die Todesursache nicht erkannt hatten. Die junge Frau starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Die Medizinerinnen, die als erste mit dem Todesfall zu tun hatten, erkannten jedoch nicht dass die Therme als mögliche Auslöser für den Tod der Studentin in Frage kam. Die Therme im Badezimmer wies ein gültiges Prüfpickerl auf. Die Anklagebehörde hat einen Strafantrag wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit eingebracht, da durch die mangelhafte Einschätzung andere Hausparteien in Lebensgefahr gebracht wurden. Im Fall eines Schuldspruchs drohen den Medizinerinnen bis zu drei Monate Haft.

Totenflecken

Der Vorfall hat sich am 13. September 2008 in der Wohnung des Freundes der 20-Jährigen zugetragen. Der junge Mann fand seine tote Freundin zusammengesunken und offenbar mit dem Kopf unter Wasser in der Dusche vor. Die Ärztinnen sollen die offenbar einzigen Hinweise auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung, hellrote Totenflecken, nicht bemerkt haben.

So gefärbte Totenflecke würden aber nicht auftreten, wenn die Vergiftung in Verbindung mit Ertrinken oder Ersticken, z. B. durch Einatmen des Mageninhalts, aufgetreten sei, erklärte Beschuldigtenvertreter Robert Lattermann und bezog sich auf den Obduktionsbericht, laut dem eine "Aspiration (Eindringen, Anm.) von Magensäure" vorgelegen sei. Demnach könnten hellrot gefärbte Zeichnungen auf der Haut gar nicht vorhanden gewesen. Die 45-jährige Medizinerin, die die Leiche als Erstes gesehen hatte, erklärte, es habe "keinerlei Anhaltspunkte gegeben". Die vorhandenen Totenflecken hätten einen "unauffälligen Befund" ergeben. Die Therme sei mit einem Pickerl ausgestattet gewesen; die anwesenden Familienmitglieder und Bekannten des Opfers hätten sich nicht z. B. über Schwindelgefühle beklagt.

Nach der Kommissionierung traf auch die zweite Beschuldigte (45) als "Totenbeschauerin der Gemeinde Wien" ein und fand ebenso keine Hinweise. Da sie aber nicht glauben konnte, dass eine 20-Jährige "einfach so umfällt", habe sie eine sanitätspolizeiliche Obduktion angeordnet, erklärte die 45-Jährige. Damit habe sie sich sogar über eine damals nach der Schließung der Gerichtsmedizin geltenden Verordnung hinweggesetzt, laut der solche Leichenöffnungen nur unter bestimmten Umständen angeordnet wurden.

Leiche lag fünf Tage in der Pathologie

Danach lagerte die Leiche fünf Tage im Kühlraum einer Pathologischen Abteilung, bis einem Mediziner hellrote Totenflecke auffielen und eine darauffolgende chemische Untersuchung eine Kohlenmonoxid-Vergiftung bestätigte.

"Wir hätten alle sterben können"

"Wir hätten alle sterben können", klagte die "Schwiegermutter" des Opfers. Kopfschmerzen und Schwindel am Tag des Vorfalls habe sie auf die Aufregung zurückgeführt. Der Hund der Familie sei nach dem Abtransport der Leiche rund zwei Stunden allein in der Wohnung zurückgeblieben: "Er hat sich danach drei Tage kaum gerührt." Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, um u. a. weitere Zeugen zu laden.  (APA)

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