Mühsames Aufräumen im Hochgebirge

26. August 2009, 22:11
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In mühsamer Kleinarbeit bergen Bergsteiger ehrenamtlich Bauschutt, Drahtseile und wild entsorgte Einrichtungsgegenstände

Am Rauriser Sonnblick wird ehrenamtlich tonnenweise Müll aus den vergangenen Jahrzehnten entsorgt – Von Thomas Neuhold

Rauris/Salzburg – Die Arbeit ist gefährlich, und sie wird ohne Bezahlung erledigt: Rund 20 Männer der Bergrettung, der Alpenvereinssektion Rauris (Pinzgau) und die Pächter der umliegenden Hütten haben sich des Müllproblems am 3106 Meter hohen Sonnblick in den Hohen Tauern angenommen.

In mühsamer Kleinarbeit bergen die Bergsteiger Bauschutt, Drahtseile, wild entsorgte Einrichtungsgegenstände und alte Fässer aus der stark steinschlaggefährdeten Nordwand des mächtigen Dreitausenders. "Es werden mehrere Tonnen zusammenkommen", sagt der Koordinator der Aktion, Lug Rasser. Er ist hauptberuflich Mitarbeiter der Wetterwarte am Gipfel des Sonnblicks. Und genau dieses Observatorium ist auch der Grund, warum das Müllproblem am Sonnblick drängend geworden ist.

Wetterbeobachtungsstation am Gipfel

Der Gipfel des Berges wird seit beinahe 125 Jahren als Wetterbeobachtungsstation genutzt. Neben der Warte steht auf dem Gipfel mit dem Zittelhaus auch eine Schutzhütte. Arglose Entsorgung von Baumaterialien, aber auch Stürme, die ganze Gebäudeteile in die Tiefe gerissen haben, ließen die Müllmenge rund um den Gipfel anwachsen. Keine schöne Visitenkarte für einen der zentralen Gipfel im Nationalpark Hohe Tauern.

Da die Bergsteiger unentgeltlich arbeiten, halten sich auch die Kosten für die auf zwei Jahre angelegte Aktion "Sauberer Sonnblick" in Grenzen: 12.950 Euro muss der Nationalparkfonds zuschießen.

Abfallwirtschaft im Gebirge

Der Sperrmüll wird von den Bergsteigern in speziell für den Hubschraubertransport geeigneten Säcken gesammelt. 17 solcher "Big Bags" werden ins Tal geflogen, wo sie vom oberösterreichischen Entsorgungsunternehmen AVE übernommen werden. Die Tochtergesellschaft der Energie AG sorgt dann für die Aufbereitung oder Verbrennung des Abfalls.

Pilotprojek

Die Fachleute im Umweltministerium unterstützen das Pilotprojekt für eine systematische betriebene Abfallwirtschaft im Hochgebirge, sie sehen am Sonnblick wie auch in anderen verschmutzten alpinen Regionen aber kein Gefährdungspotenzial: Man könne nicht von "Altlasten mit erheblicher Gefährdung" sprechen, meint etwa der im Ministerium zuständige Abteilungsleiter Christian Holzer. Problematischer ist aus Sicht der Experten die Situation in Karstgebirgen: Durch die hohe Durchlässigkeit des Gesteins steigt die Gefahr der Wasserverunreinigung. Ein Vorzeigeprojekt findet sich auf der oberösterreichischen Seite des Dachsteins. Auf der Adamekhütte wird der Klärschlamm kompostiert und in Hüttennähe wieder ausgebracht. Teure Entsorgungsflüge mit dem Hubschrauber entfallen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 27.9.2009)

  • Dreck vom Berg in den großen Sack: Putzaktion an der gefährlichen Nordwand des Rauriser Sonnblicks
    foto: standard\alpenverein

    Dreck vom Berg in den großen Sack: Putzaktion an der gefährlichen Nordwand des Rauriser Sonnblicks

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