Urteil im Türsteher-Prozess laut Opferanwalt "falsch"

26. August 2009, 19:39
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Richterspruch sei nach falschen Paragrafen erfolgt - "Fahrlässige Tötung allein war das nicht" - 24-jähriger Student starb nach brutalen Prügelattacken

Das Urteil im Salzburger Türsteherprozess ist laut Opferanwalt Stefan Rieder nach den falschen Paragrafen erfolgt: Der Einsatz gegen einen Studenten, der später starb, sei brutal, ein Security vorbestraft gewesen - Von Irene Brickner

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Salzburg - Stefan Rieder, Opferanwalt im Salzburger Türsteherprozess, ist mit den am Dienstag ergangenen Urteilen des Schöffengerichts nicht einverstanden. Diese seien "nach den falschen Strafrechtsparagrafen" erfolgt und daher zu milde, meint er.

Der erstangeklagte Securitymann (37) wurde wegen "schwerer Körperverletzung mit Todesfolge" zu drei Jahren Haft verurteilt, eines davon unbedingt. Die Zweit- und Drittangeklagten, 34 und 31 Jahre alt, fassten wegen "fahrlässiger Tötung" fünf respektive acht Monate auf Bewährung aus. Vom Staatsanwalt waren ursprünglich alle drei Beschuldigten der "absichtlichen schweren Körperverletzung mit Todesfolge" bezichtigt worden: nach einem Paragrafen, der mit fünf bis zehn Jahren Haft eine höhere Strafandrohung als die beiden anderen Bestimmungen mit sich bringt.

24-jähriger Student starb vor Disco

Anlass des Verfahrens war der Tod eines 24-jährigen Studenten. Am 21. Oktober 2007 hatten die drei Disco-Ordnungshüter versucht, im Eingangsbereich des Salzburger Rockhouse des betrunkenen, randalierenden Ravepartybesuchers Herr zu werden. Dazu verpassten sie ihm Fußtritte und fixierten ihn in Bauchlage am Boden. Der Student aus dem Salzburger Eugendorf erlitt einen Herzstillstand, eine Hirnfunktionsstörung und einen Riss der Bauchspeicheldrüse. Er starb nach sechs Wochen an Multiorganversagen.

"Fahrlässige Tötung allein war das nicht"brutalen

"Fahrlässige Tötung allein war das nicht. Immerhin haben die Türsteher fünf bis zehn Minuten Druck auf den Niedergerungenen ausgeübt, indem sie auf ihm knieten", kritisiert Rieder, der die Interessen der Familie des Getöteten vertritt, im Standard-Gespräch. Auch die meisten Zeugen hätten den Einsatz als "brutal und überzogen" geschildert. Zudem sei der Drittangeklagte fünffach einschlägig vorbestraft - "und von den Rockhouse-Betreibern dennoch als Türsteher beschäftigt worden".

"Rasch vorbestraft"

Disco-Securityleute seien "sehr rasch vorbestraft", gibt an diesem Punkt der langjährige Türsteher des Wiener U4, Conny de Beauclair, zu bedenken: "Die Arbeit ist nicht einfach, man muss sich mit betrunkenen und extrem aggressiven Menschen auseinandersetzen." In diesem Sinn seien "vorhergehende Verurteilungen nicht unbedingt ein Kriterium für die Eignung in diesem Job". De Beauclair, der seit den 1970er-Jahren vor und im U4 für Ruhe und Ordnung sorgt, stellt bei heutigen Discobesuchern "keinen höheren Agressionspegel als früher" fest. Nur: "Früher hat es keine stressigen Riesendiscos wie heute gegeben."

Staatsanwaltschaftsieht keine Fehler

Keine Fehler bei der Beweiswürdigung im Türsteherprozess sieht man indes bei der Staatsanwaltschaft Salzburg. Die Zeugenaussagen hätten "in die eingeschlagene Richtung gewiesen", sagt Sprecherin Barbara Feichtinger. Um gegebenenfalls gegen das Urteil Einspruch zu erheben, hat der zuständige Staatsanwalt Michael Schindlauer noch bis Freitag Zeit. ( Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 27.8.2009)

 

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